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Frauenschwarm Geländewagen

Warum fahren Frauen auf SUV ab?

SUV, Frau Foto: Gulliver Theis 50 Bilder

SUV sind groß und kräftig, vermitteln ein Gefühl von Stärke und Sicherheit - und erfreuen sich deshalb speziell bei Frauen großer Beliebtheit. Wir haben in Hamburg nach Gründen und Motiven geforscht.

23.01.2013

Zwei Tonnen Auto, 60 Kilo Frau. Vor mir erhebt sich ein Berg aus Glas und Metall, wie flüssiges Karamell glänzt der Lack in der Wintersonne Hamburgs. Sechszylinder-Turbodiesel mit 258 PS, drei Liter Hubraum. Allrad permanent. Siebengang-Automatik. Vier Türen, fünf Plätze, acht Airbags, ESP, ABS, BAS und was nicht alles. 480 Zentimeter Länge, 2.010 Liter Kofferraum. Ein Torpedokreuzer zwischen lauter Kuttern, den es nun zu entern gilt.

Ich klettere an Bord, sinke ins schwarze Leder und lasse die Tür ins Schloss fallen. Alle Geräusche der Großstadt, das Rauschen des Verkehrs, Hupen und Quietschen, Sausen und Brausen - mit einem Mal verebbt. Nur eines stört: In roten Buchstaben scheint vor mir das Wort "Frauenpanzer" aufzuleuchten. Passenderweise entdecke ich als Erstes in der Mittelkonsole drei Ablagen mit rutschfestem Boden, zwei Becherhalter und ein großes Staufach mit Deckel - ein Frauentraum. Und diese Ausmaße! Ja, ja, auf die Größe kommt es an. Willkommen in der Klischeekiste.

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Reportage Frauenschwarm Geländewagen Warum fahren Frauen auf SUV ab?
auto motor und sport 01/2013
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Die schiere Größe schafft Gelassenheit

Ein Schulterzucken und einen Schlüsseldreh später gleite ich in den Verkehrsfluss, erhaben über allem thronend. Unter mir kämpft man um Lücken, Sekunden und Überblick, Arme wedeln erbost, Fußgänger hetzen über Zebrastreifen, Radler zwängen sich durch Gassen. Ein normaler Tag in einer Metropole mit zwei Millionen Menschen.

Neben mir schimmert die Binnenalster in der Sonne, silbern gegen den blassblauen Himmel. Ein ruhiges Gewässer, ebenmäßig wie eine Perle, glatt und unberührt vom Irrsinn der Welt, den Unbilden des Alltags und gleichmütig gegenüber allen Wallungen der Gemüter. Wenn ich wollte, könnte ich meinen Latte macchiato im Getränkehalter wärmen lassen, als Erste von der Ampel flüchten, Hindernisse überwälzen, Randsteine erklimmen. Schließlich verfügt der Wagen über ein per Tastendruck aktivierbares Offroad-Programm, Anfahrassistent und Bergabfahrhilfe. Ja, ich könnte. Allein, ich muss es nicht.

Verkehrsteilnehmer weichen vor der schieren Masse des Wagens aus, mein zweiter Name lautet Gelassenheit. Das schafft kein Kleinwagen. Ich streichle über das Lenkrad und wundere mich nicht mehr, dass sich Geländewagen in den letzten Jahren zu Verkaufsschlagern entwickelt haben. Und im Jahr 2011, so teilte Mercedes mit, waren 15 Prozent ihrer Käufer weiblich.

Bieten Sicherheit und viel Platz

Ich nehme Kurs auf ein teures Wohnviertel. Die Mittagssonne schwelt nur noch als ein ferner Gedanke hinter dem Grau, Wolken verdunkeln den Himmel, es wird Regen geben. In der Hochallee halte ich hinter einer Armada von parkenden Offroadern: ein schwarzer Cayenne, ein Volvo XC 90, ein Audi Q7 in Anthrazit. Dazwischen kauert hier und da ein Mini. Die großen SUV strotzen vor Status und Stärke, nur die gedeckten Farben der Autos zeugen vom Hamburger Understatement. Grund der Versammlung in zweiter Reihe: Mütter holen ihre Kinder von der Schule ab. Gut betuchte Damen hasten in Richtung eines Jugendstil-Baus, strömen hinein, hinaus, scheuchen ihren Nachwuchs in die Wagen. Einkäufe und Hunde stapeln sich in den Karossen, Kinder erobern Rückbänke und breiten sich lärmend aus.

Ich mische mich unter die Frauen und frage nach. Warum fahren sie diese Riesenkisten? Eine schlanke Blondine grinst kühlergrillbreit: "Es ist ein großes Auto, das ich beherrsche." Eine andere blickt kurz auf ihren Range Rover Evoque, streicht sich eine feine Strähne aus der Stirn und schiebt undamenhaft hinterher: "Es sind einfach coole Karren." Eine Cayenne-Fahrerin schätzt besonders die Sport-Taste in ihrem Wagen und ergänzt, dass ihre Tochter die Luftfederung an der Ampel witzig findet.

Sie schwärmt von der Sicherheit, die das hochbeinige Auto vermittelt, und davon, wie hervorragend es sich dazu eigne, wahlweise Aktenberge, Getränkekisten oder Maxi-Cosys darin zu verstauen. "Endlich ein Auto, vor dem man nicht auf Knien herumrutschen muss." Dass sie offen zugibt, jedes Mal im Parkhaus die Heckklappe an der niedrigen Decke zu lädieren - nun ja, das steht auf einem anderen Blatt. Und was sagt der Mann zum Wagen? "Ach, der fährt den Mini." Natürlich, ist ja auch praktischer. Dann lächeln die Mütter höflich, verabschieden sich eilig und erklimmen ihre Autos.

Frau herrscht über zwei Tonnen Auto

Viele sind gut ausgebildete Akademikerinnen in Teil- oder Elternzeit, die ebenso wie ihre Wagen nicht ihr ganzes Potenzial auf die Straße bringen. Ines Imdahl, Geschäftsführerin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon, formuliert es so: "Das ist das Dilemma dieser Generation: Alles ist möglich - aber wenig kann realisiert werden." Mag sein. Vielleicht symbolisieren große SUV für Frauen das Gefühl, dass viel mehr in ihnen steckt, dass noch viel mehr geht. Ich blicke der Flotte hinterher. Motoren springen an, Mamis rauschen ab, vorbei ist der Spuk.

Bloß einer steht noch da, mein karamellfarbener Gigant. Parken in der Hansestadt, nun ja, eher schwierig, besonders mit einem Gefährt dieses Ausmaßes. Ein großes, schnittiges Hindernis im Strom, umspült vom dichten Verkehr und Ziel von boshaften Blicken. Ich flüchte mich hinein in den Wagen und hinaus aus der Stadt. Einfach Gas geben und der Flut von Pflichten und Flüchen entkommen. Als Frau ein fettes Auto zu fahren – das scheint noch immer verpönt zu sein.

Es ziemt sich nicht, hindert mich aber nicht daran, die Einstellung "Sport" zu wählen, das Gaspedal bis zum Boden durchzudrücken, sämtliche Stürme der Empörung zu durchpflügen und alle Argumente der Vernunft im Fahrwasser hinter mir jämmerlich absaufen zu lassen. Von null auf 100 in 7,4 Sekunden? Nicht schlecht. Funktion und Überblick ist eine Sache - Fahrlust, Macht und Geschwindigkeit eine andere. Wie eine Frau im Q7 vorhin ganz richtig sagte, bevor sie das Seitenfenster schloss: "Entweder du fährst so eine große Karre – oder nicht." Dem war nicht viel hinzuzufügen.

Mit 160 Sachen auf der Autobahn. Die Landschaft fliegt vorbei, Klein- und Mittelklassewagen weichen erschrocken aus, wenn die Silhouette des dunklen Offroaders ihre Rückspiegel ausfüllt. Regentropfen perlen flugs von der Frontscheibe, der Wind macht einen großen Bogen um die Karosse. Der starke Motor knurrt, umsichtige Assistenzsysteme warnen mich freundlich vor Geschwindigkeits- und Spurüberschreitungen - und werden ignoriert.

Zwei Tonnen Auto fügen sich mir, eine Masse von Metall, die nicht nur alle Lasten trägt, sondern auch alle Laster und Leidenschaften vereint. Mögen sie alle den Kopf schütteln. Ja, vielleicht verhält es sich mit den Frauen und den großen Kisten so, wie der dänische Physiker Niels Bohr einst sagte: "Alles ist möglich - vorausgesetzt, dass es genügend unvernünftig ist."

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