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McLaren

Was sich McLaren beim Taktik-Poker gedacht hat

Foto: dpa 47 Bilder

Im Gespräch mit sportauto-online.de erläutert Teamdirektor Martin Whitmarsh die Gründe für das Pokerspiel mit dem Safety-Car, das Lewis Hamilton beinahe den Sieg gekostet hätte. Nach dem Rennen haben sich die Teamverantwortlichen bei Sieger Lewis Hamilton für den Taktikfehler entschuldigt.

21.07.2008 Michael Schmidt Powered by

McLaren ließ den Spitzenreiter in der Safety-Car-Phase auf der Strecke, obwohl 16 von 20 Fahrer zum Tanken an die Boxen abbogen. Als Hamilton in Runde 50 schließlich zum zweiten Mal tankte, fiel er auf Platz fünf zurück. Nur seiner grandiosen Aufholjagd war es zu verdanken, dass er den Grand Prix doch noch gewann. Doch zum Zeitpunkt der Entscheidung hatte McLaren-Mercedes gute Gründe, Lewis Hamilton auf der Strecke zu lassen. Teamdirektor Martin Whitmarsh verrät auto-motor-und-sport.de, welche Gedankenspiele am Kommandostand durchgespielt wurden.

Erstens: "Wir rechneten mit einer kürzeren Safety-Car-Phase und damit mit mehr Runden, in denen Lewis bis zu seinem zweiten Stopp Dampf machen konnte"

Zweitens: "Da Lewis der Spitzenreiter war, wussten wir nicht, was die anderen tun würden. Wir konnten nicht reagieren, unsere Gegner schon. Wir dachten nie, dass so viele zum Tanken reinkommen würden."

Drittens: "Nach unserer Rechnung hatten alle, die zum Tanken an die Boxen kamen, 70 bis 80 Kilogramm Benzin an Bord. Da unser Auto nur noch Sprit für 14 Runden an Bord hatte, hätte Lewis von dem Gewichtsvorteil profitiert. Er war schon unter gleichen Bedingungen 0,6 Sekunden schneller als die Konkurrenz. Wir rechneten deshalb mit bis zu zwei Sekunden schnelleren Rundenzeiten. Nach dieser Kalkulation hätte es reichen können."

Viertens: "Wenn Lewis und Heikki an die Box gekommen wären, wäre Kovalainen benachteiligt worden. Er war zu dem Zeitpunkt Dritter und hätte an der Tankstelle warten müssen, bis sein Teamkollege fertig ist. Das hätte ihn weit ins Feld zurückgeworfen."

Whitmarsh lässt in seiner Rennanalyse dennoch keine Ausflüchte zu. "Wir haben ganz klar einen Fehler gemacht. Es hätte ins Auge gehen können, und Lewis hat uns mit seiner sensationellen Fahrt gerettet." Ursprünglich hatte McLaren angesichts der großen Überlegenheit einen konservativen Kurs eingeschlagen. Whitmarsh: "Wir haben Hamilton beim ersten Boxenstopp früher reingeholt als geplant, um einer Safety-Car-Phase aus dem Weg zu gehen. Als das Safety-Car dann tatsächlich kam, haben wir Risiko gespielt, statt weiterhin konservativ zu pokern."

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