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Wennemer

Alle Conti-Divisionen mit Rekordergebnis

Foto: dpa

Der Automobilzulieferer Continental wird 2007 in allen seinen Sparten neue Rekordergebnisse erreichen und erwartet zudem durch die Übernahme von VDO deutlich höhere Synergien als erwartet.

22.12.2007 Harald Hamprecht

Das kündigte Konzernchef Manfred Wennemer in einem Interview mit auto motor und sport an. "Das Gewinnwachstum der ersten drei Quartale für die alte Continental werden wir auch im vierten Quartal 2007 fortsetzen können. Alle bisherigen vier Conti-Divisionen werden besser abschneiden als im Vorjahr und damit neue Rekordergebnisse einfahren."

Die Integration von VDO in den Konzern will Wennemer im Wesentlichen 2008 umsetzen. "Spätestens Anfang 2009 werden wir sie abgeschlossen haben. Bis dahin werden alle Teile von VDO auf unsere Rendite-Vorstellung ausgerichtet." Dabei geht der Conti-Chef schon jetzt davon aus, dass die Synergien aus der Übernahme größer sind als geplant. "Wir werden mehr machen als die ursprünglich erwarteten 170 Millionen Euro pro Jahr. Wir erwarten bei VDO eine Rendite von zehn Prozent, in guten Jahren können es zwölf Prozent sein, in schlechten auch nur neun Prozent. Alles, was auf Dauer nicht diese Mindestgröße bringt oder auf dieses Niveau gebracht werden kann, wird verkauft oder geschlossen. Das gilt übrigens für den gesamten Konzern - mit seinen neuerdings sechs Divisionen. Wenn wir im Durchschnitt auf Dauer bei einer Umsatzrendite von mehr als zehn Prozent liegen, ist das für ein Unternehmen mit seinem Hauptgeschäft in der Automobilzuliefererindustrie eine ordentliche Leistung."

IG-Metall-Zahl von 7.000 Entlassungen sei "reine Spekulation und Panikmache"

Allerdings räumt Wennemer ein, dass aus Renditegründen VDO seine Kostenstruktur verbessern und deshalb Arbeitsplätze ins Ausland verlagern muss. "VDO hat viele neue innovative Produkte auf dem Markt. Da lässt sich in Kombination mit dem Continental-Portfolio vieles entfeinern und auch von den Kostenstrukturen optimieren. Zudem entwickeln und produzieren wir sehr schlank, eben der Automobilindustrie angemessen. Drittens konzentrierten sich Entwicklung, Einkauf und Produktion von VDO bislang auf Deutschland. Das kann auf Dauer in einem globalen Markt nicht wettbewerbsfähig sein. Wir müssen also ohne Frage einen Teil ins Ausland verlagern. Dieses Vorgehen ist aber weder dogmatisch noch reiner Selbstzweck. Wenn der Anteil der Arbeitskosten fünf bis sechs Prozent nicht überschreitet, wie zum Beispiel bei elektronischen Bremsen, dann denken wir sicher nicht an eine Verlagerung. Andere Produkte wie zum Beispiel Reifen mit ihrem Lohnkostenanteil von 30 Prozent sind dagegen auf lange Sicht in Deutschland sehr wahrscheinlich nur schwer zu halten." Die von der IG Metall befürchtete Zahl von 7.000 Entlassungen nannte Wennemer "reine Spekulation und Panikmache"

Wennemer zerstreute gegenüber auto motor und sport gleichsam Befürchtungen, die letzten beiden deutschen Pkw-Reifenwerke in Aachen und Korbach stünden mittelfristig vor dem Aus. "Im Gegenteil, wir investieren dort gerade, um Engpässe in der Produktion zu beheben und die Kapazität zu erweitern. Zudem haben die Mitarbeiter maßgeblich dazu beigetragen, dass wir die Kostenstrukturen im Hochlohnland Deutschland auf ein verkraftbares Maß verbessert haben, etwa dank einer 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich." Dagegen drohen Schließungen in Frankreich, sollten dort keine Kostenverbesserungen möglich sein. "Wenn ein Reifenwerk in Europa sich Gedanken über seine Zukunft machen muss, dann ist es Claroix in Frankreich. In unserem französischen Werk Sarreguimines (Saargemünd) haben sich die Beschäftigten übrigens erst vor kurzem mit überwältigender Mehrheit in einer von uns initiierten Umfrage für eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ausgesprochen. Jetzt sind die Gewerkschaften dort an der Reihe, entsprechende Tarifverträge auszuarbeiten."

Pkw-Reifengeschäft 2007 mit zweistelligem Plus - Breakeven in den USA

Kaum Folgen hat laut Wennemer der Einbruch der Nachfrage nach Winterreifen auf das Ergebnis der Sparte Pkw-Reifen. "Von dem Trend konnten wir uns natürlich nicht komplett abkoppeln. Trotzdem wird das Pkw-Reifengeschäft insgesamt dieses Jahr ein Rekordjahr einfahren. Beim Umsatz werden wir im einstelligen Prozentbereich zulegen, beim Gewinn sogar im zweistelligen Prozentbereich." Selbst die amerikanische Reifensparte, die seit Jahren defizitär arbeitet, schaffe 2007 einen Überschuss. "Ich gehe davon aus, dass uns das dieses Jahr erstmals seit vielen Jahren gelingt. Und zwar nachhaltig. Denn wir haben unsere komplette Produktpalette erneuert, zwei Werke geschlossen und unsere Marken wie General mit einem gehörigen Marketingaufwand wieder richtig positioniert."

Für die Zukunft ist Wennemer optimistisch, dass der europäische Reifenmarkt nicht von chinesischen Billigangeboten überschwemmt wird. "Diese Gefahr sehe ich nicht. Denn erstens sind Rohstoffe weltweit teurer geworden, das Gleiche gilt für die Logistikkosten. Und zweitens hat die chinesische Regierung zur Jahresmitte einen Steuervorteil beim Export von Reifen reduziert und es gibt Spekulationen, dass der Steuervorteil zum Jahresende vollständig entfallen könnte. Diese Entscheidung würde für chinesische Reifen-Exporteure eine Verteuerung von rund 16 Prozent bedeuten. Drittens haben wir längst reagiert. In unserem Werk in Rumänien produzieren wir Reifen, die wir sofort - auch preislich - gegen solche asiatischen Importe positionieren könnten, wenn die chinesischen Wettbewerber uns dazu zwingen. Momentan sieht es aber so aus, als müssten sie erst einmal die Qualitätsprobleme in den Griff bekommen." 

Continental arbeitet an Billigreifen für 9,99 Euro

Umgekehrt plant Continental einen Billigreifen für Schwellenländer. "Wir arbeiten schon seit geraumer Zeit an einem Billigreifen zum Preis von 9,99 Euro", so Wennemer. "In etwa zwei Jahren werden wir den Reifen marktfähig entwickelt haben. Ein Laie wird den nicht von einem heutigen Reifen unterscheiden können, abgesehen einmal von der Größe. Das wird natürlich kein 16- bis 20-Zöller, sondern ein 13- oder 14-Zöller sein."

Unklar ist die Zukunft der Sparte für Lkw-Reifen. "Weltweit sind wir hier nur die Nummer fünf. Wenn wir es in vier, fünf Jahren nicht packen, uns zu verbessern, werden wir uns die Perspektiven für diesen Bereich ganz intensiv und ergebnisoffen ansehen. Das gerade zu Ende gehende Jahr lief aber ganz ordentlich und ich bin zuversichtlich, dass wir auch die nächsten Meilensteine auf dem Weg zu einer besseren Position erreichen werden."

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