Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Wer hilft bei einer Panne?

Panne, was nun?

Pannenfall, Anna Matuschek Foto: Hardy Mutschler 10 Bilder

Keine Zeit, keine Lust oder keine Ahnung. Das dürften die häufigsten Gründe dafür sein, wenn Verkehrsteilnehmer die Panne eines anderen ignorieren. Aber wie sieht es mit der Hilfsbereitschaft bei Oldtimern aus?

13.01.2014 Anna Matuschek Powered by

Ob überhaupt jemand anhält? Das haben wir uns gefragt, bevor wir den beigen 1977er Ford Escort als „Havariefall“ platziert haben. Günstiger konnten die Voraussetzungen für einen Erfolg kaum sein: Der Ford, ein Allerweltsauto – allerdings mit reichlich Charme – in Kombination mit Frau im Sommerkleid, und das auf einem von der Straße gut einsehbaren Parkplatz.

Auf geht's zur Fehlersuche

Laut ADAC Pannenstatistik verweigert jedes dritte Fahrzeug aufgrund von einer defekten Batterie den Dienst. Unter der aufgeräumten Motorhaube unseres Klassikers ist es lediglich das gelöste Zündkabel von der Zündspule zum Verteiler. Ein Klacks für jeden, der schon einmal geschraubt hat. Keine fünf Minuten dauert es, bis der erste Autofahrer anhält - Alex. Er betreibt in Ostfildern die freie Werkstatt Götz Fahrzeugreparaturen und fragt: "Kann ich helfen?"

Die Geschichte, der Wagen sei während der Fahrt ausgegangen und springe nun nicht mehr an, führt den Kfz-Fachmann gleich auf die richtige Fährte. Nachdem er sich in den Ford gezwängt und das Problem beim Nicht-Starten erörtert hat, beginnt sofort die Fehlersuche. "Ich hab‘s gefunden!" strahlt er aus der rechten Ecke des Motorraumes und deutet auf das Kabel. "Da, das war es schon. Gute Fahrt", verabschiedet er sich und fährt mit seinem Mazda vom Platz. Warum er angehalten hat? "Schöne Frau, schönes Auto. Klar helfe ich da."

Geballte Fachkompetenz

Ein Glückstreffer? Beginnt nun das lange Stehen mit offensivem Hilfeblick? Nein, ein etwas in die Jahre gekommener, stumpf-weißer Nissan rollt vorbei und macht wenige Meter später kehrt. Der Ungar Ferenc spricht zwar nur gebrochen Deutsch, nimmt sich des Problems aber an. "Jetzt komme ich zu spät zur Arbeit. Ich arbeite beim Autohaus Knill in Plieningen. Mein Chef wird schimpfen, aber Helfen ist wichtiger", sagt er während der geglückten Fehlersuche. Bei einem Mann hätte er aber nicht angehalten, ein Mann muss sein Auto selbst reparieren können. Zum Abschied schlägt er noch vor, ihn sicherheitshalber mit in die Werkstatt zu begleiten.

Mit so viel Fachkompetenz in so kurzer Zeit hätten wir wirklich nicht gerechnet. Doch die Glückssträhne bricht nicht ab. Knapp zehn Minuten später donnert ein Triumph TR 6 ins Tal. Der Roadster lenkt völlig selbstverständlich und zügig auf unsere Pannensituation zu. Vergnüglich läuft der Fahrer mit dem weißen Haar auf den Ford Escort zu. "Der Pannenservice ist da", strahlt der fremde Herr. "Ha Mädle, das ist bestimmt der Vergaser. Typisch bei den alten Dingern. Du solltest unbedingt beim ADAC Mitglied werden. Und eine gute Werkstatt brauchst Du auch - ich habe eine", wirbt er und macht sich sogleich an die Problembehebung.

Der Inhaber der Oldtimerwerkstatt B+K in Stuttgart findet den Fehler sofort. "Na dann ist ja alles klar, komm doch mal vorbei, dann können wir uns dein Auto genauer anschauen", verabschiedet er sich und röhrt mit einem Winken aus dem britischen Zweisitzer davon.

Flaute - keiner hält an

Auf die Glücksträhne folgt eine Flaute: Locker zwanzig Minuten rollen zwar etliche Motorräder, Traktoren und Autos vorbei, doch bis auf interessierte Blicke - mal mehr aufs Auto, mal mehr auf die Frau - passiert nichts. Ein Jogger trippelt vorbei, bleibt aber nicht stehen. Nachdem er sich an seinem Auto auf dem Parkplatz umgezogen hat, entscheidet er sich aber doch, dem Oldtimer mit der offenen Haube einen Besuch abzustatten. "Sie stehen ja schon lange hier. Kommt denn jetzt endlich jemand?", fragt er. Nein, es kommt niemand. "Ich kenne mich nicht aus. Aber vielleicht ist ja die Batterie kaputt?", munkelt er bei einem interessierten Blick in den Innenraum mit brauner Bestuhlung.

Mal kurz anhalten muss drin sein

Während sich Hobby-Sportler Klaus trotz Unkenntnis nun doch dem Motorraum widmet, hält ein alter Mercedes mit Ladefläche, auf der Grünzeug und eine Schubkarre lagern. Martin, der Fahrer, kümmert sich um Gärten und fährt auch mal Rindenmulch von A nach B. Seinen alten Benz hat er selbst hergerichtet, und ja, er kennt sich ein bisschen aus. Ob er den Fehler gefunden hätte, bleibt anhand der bereits aufgeklärten Umstände ungeklärt. Aber Anhalten würde er eigentlich immer, wenn jemand eine Panne hat. "Es kann ja auch mal sein, dass es jemandem nicht gut geht, oder das Handy zu Hause liegt, oder, oder, oder. Alles schon gehabt", erzählt er aus dem Erfahrungsschatz. "Mal eben stoppen und nachfragen müsste selbstverständlich sein!"

In unserem Falle hat er sich auch für das Auto interessiert und gedacht, Jogger Klaus und Redakteurin Anna seien zusammen unterwegs und in der Klemme. Sehr löblich. Denn auch wenn unser kleines Experiment überraschend viele positive Ergebnisse brachte - an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, mit einem weniger auffälligen Auto wäre es sicherlich schlechter gelaufen.

Da bleibt nur: Vielen Dank an die Helfer und ein Appell an alle, die manchmal wegschauen - zum Glück offenbar etwas weniger, wenn ein Oldtimer mit solider Technik und scheinbar hilfloser Fahrerin am Straßenrand stehen.

Checkliste Bordwerkzeug
Kleine Wehwehchen, die eine Weiterfahrt verhindern, sind auch für Hobbyschrauber zu bewältigen – das richtige Bordwerkzeug vorausgesetzt
·      Ratschenkasten
·      Maulschlüsselset
·      Zangen
·      Kabelbinder und Isolierband
·      Diverse Sicherungen
·      Draht oder Lochblech von der Rolle
·      Wasser und Öl
·      Dichtpapier und Schere
·      Multimeter
·      Starthilfekabel

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige