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Veterama-Mann WInfried Seidel

"Wer Oldtimer fährt, braucht uns"

Foto: 5 Bilder

Veterama-Gründer Winfried Seidel, 65, über sein neues Museum, die Oldtimer-Szene und die künftige Entwicklung des Jumbles.

14.01.2007 Malte Jürgens Powered by

Heute wird alles geschützt. Haben Sie sich die Veterama schon patentieren lassen?

Seidel: Der Ersatzteil-Flohmarkt ist nicht meine Erfindung. Da gab es vorher schon einen kleinen Markt in Wolfratshausen. Wir haben 1975 mit dem Fugger-Markt angefangen, mussten uns dann umbenennen und kamen 1977 auf Veterama.

Wem gehört die Veterama?

Seidel: Mein Partner, der Motorradsammler Walter Metz, hat vor drei Jahren aus Altersgründen aufgehört. Wir haben seine Anteile an der GmbH übernommen. Jetzt ist das ein reines Familienunternehmen, in dem meine Tochter Julia Mercedes, mein Sohn Marcel und meine Frau mitarbeiten.

Sie haben ja auch noch ein neues Museum zu versorgen.

Seidel: Ich habe die alte Benz & Söhne- Fabrik in Ladenburg gekauft, und Daimler Chrysler unterstützt uns bei der Sanierung. Die genietete Stahl- Konstruktion ist zwar in absolut rostfreiem Zustand, aber zum Beispiel das Dach muss komplett erneuert werden. Die Produktion von LKW-Teilen wird dabei in Ladenburg fortgesetzt, in einer neuen Halle. Dort werden Achsteile für die Actros-Produktion in Wörth gefertigt, und das konnten wir bis 2008 absichern.

Was steht im neuen Benz-Museum?

Seidel: Mercedes hat den Benz-Motorwagen und den McLaren- Mercedes zur Verfügung gestellt. Es könnten 2006 noch ein paar Benz-Wagen dazu kommen. Außerdem stehen drei Frühzeit-Autos vom ASC bei mir. Die meisten übrigen Exponate gehören mir.

Wie finanziert sich das Museum?

Seidel: Das Geld, das ich hier bei der Veterama verdiene, wird von mir gleich wieder recycelt und fließt in die Ausstellung.

Zurück zur Veterama. Was hat sich in den letzten Jahren geändert?

Seidel: Die Möglichkeiten, die Schar der Sammler und Liebhaber zusammenzutrommeln, sind heute ungleich besser als damals. Der Reizauslöser für die Besucher aber hat sich eigentlich überhaupt nicht verändert: Ich könnte verpassen, etwas zu finden.

Wie haben sich die Besucherzahlen verändert?

Seidel: Es hat 1975 mit 1500 Besuchern und 30 bis 40 Ausstellern angefangen. Dann wuchs die Veterama und hat sich seit Beginn der 90er Jahre auf der aktuellen Höhe mit etwa 3000 Ausstellern und 40- bis 50 000 Besucher und Beteiligte eingependelt.

Welche Faktoren spielen eine Rolle?

Seidel: Die Veterama ruht auf drei Säulen. Zuerst sind da mal die Aussteller, und da habe ich überhaupt keine Probleme. Die Bude hier ist Monate vorher dicht. Wir könnten eine um ein Drittel größere Fläche noch zusätzlich füllen. Zweitens brauchen wir Besucher, und da stellen wir fest, dass die jungen Leute heute schwerer an unser Hobby heranzuführen sind als früher. Die alten aber bleiben irgendwann mal weg. Drittens müssen die Besucher auch ein Portemonnaie in der Tasche haben, das sie auch mal aufmachen. Interessant zu beobachten, wie sich die Oldtimerei künftig entwickelt. Nach einem Wochenende wie diesem bin ich aber verhalten optimistisch.

Kaum einer hat das Ohr dichter am Puls der Oldtimer-Szene als Sie. Was hört der Experte?
Seidel: Wir stellen hier bei der Veterama eine Bewegung in Richtung Accessoires fest. Viele Besucher wollen oder können sich kein ganzes Auto leisten, suchen aber zum Beispiel nach einem schönen Kühler für ihr Arbeitszimmer. Oder nach Verkaufsliteratur für den Oldtimer, den sie haben. Oder nach Klamotten für eine Schaufensterpuppe, die bei ihnen zu Hause neben dem Auto steht. Einer möchte ein paar Bilder, die in die Zeit passen, ein Modell seines Autos und so.

Der Trend bei Marken und Modellen?

Seidel: Autos mit einem Markenimage wie Mercedes bleiben immer sehr gefragt. Bei Vorkriegsautos geht nicht alles gut, was alt ist. Dixi sind etwa in der BMW-Szene heute sehr schnell zu verkaufen – ein Rosengart oder ein biederer Opel P4 eher nicht.

Und die Youngtimer-Szene?

Seidel: Youngtimer sind wunderbar, aber das Liebhaber-Objekt, das ich auch in der Politik gut verkaufen kann, ist doch eher der Oldtimer mit frei stehenden Lampen und geschwungenen Kotflügeln.

Haben Sie nicht selbst mit einem Youngtimer begonnen, damals, als es den Begriff noch gar nicht gab?

Seidel: Nein. Mein erster Oldtimer war ein Adler Trumpf. Erst dann kam ein 170er-Mercedes, den ich heute noch im Museum habe. Dann bekam ich das Gefühl, dass mir die Reserveräder in den Kotflügeln fehlen. Da musste ein 2,3-Liter her, und danach ging es dann richtig los.

Wie ergeht es Einsteigern heute?

Seidel: Wenn einer hier einen Porsche 911 oder 912 kauft, ist doch die Frage, was danach kommt. Ein neuer Boxster oder ein 356? Die historische Wahl kann da die interessantere Alternative sein, denn den Boxster verkauft man irgendwann unter Einstandspreis. Mit einem guten 356 passiert einem das vermutlich nicht, und man hat dazu ein tolles Hobby.

Oder man investiert in einen Youngtimer als Oldie von morgen.

Seidel: Genau. Die Diskussion, die heute über die Youngtimer geführt wird, gleicht der Diskussion vor 30 Jahren, als zum Beispiel ein Mercedes 180 noch viel zu jung schien. Wir haben bei den Händlern nur nach alten Teilen für den 170er gefragt, und die ganzen noch vorhandenen Sachen für die 180er ließen wir stehen. Da könnte ich mir heute noch die Haare raufen.

Also doch ein heimlicher Youngtimer-Fan?

Seidel: Wenn ich mir die Autos ansehe, für die meine Kinder heute schwärmen, muss ich schon viel Toleranz aufbringen. Da sind auch Youngtimer drunter, oder ,noch neuer, die Newcomer. Aber ich hoffe, dass sich daraus mit der Zeit auch ein Interesse auch für die älteren Jahrgänge entwickelt.

Sie fühlen sich auch nach mehr als 30 Jahren in der Szene noch pudelwohl?

Seidel: Die tollste Sache ist neben den Autos die Erkenntnis, dass die Leute mit unserem Hobby in aller Regel sehr gemütliche, nette Zeitgenossen sind. Die rasten nicht gleich aus, auch wenn es mal regnet.

Zur Person

Winfried Seidel, Jahrgang 1939, kam in Schlesien zur Welt. Nach dm Krieg lernte Seidel in Bielefeld Fernmeldetechniker, machte bei Dürkopp ein feinmechanisches Praktikum, gründete später ein Spielwarengeschäft und ließ sich zuletzt in der Benz-Stadt Ladenburg nieder. Heute leitet er in der ehemaligen Fabrik der Benz-Söhne ein Automuseum, vertreibt historische Gummiprofile und organisiert die Veterama.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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