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Werbedreh Mercedes AMG GT

Supersportler wird zum Action Hero

Mercedes AMG GT, Filmdreh, Impression, Aufnahmen Foto: Mercedes 31 Bilder

Bevor es der neue Mercedes AMG GT richtig brennen lässt, gab er bei Filmdreharbeiten auf der Rennstrecke in Austin/Texas Gummi. Wir schwitzten exklusiv mit.

28.10.2014 Jörn Thomas

Mercedes AMG GT mit 510 PS

Die texanische Hauptstadt Austin ist bekannt für – äh, was eigentlich? Vielleicht fürs Capitol, welches das Original in Washington um sechs Meter übertrifft. Oder die rund 1.5 Millionen Fledermäuse, die an heißen Sommerabenden ihr Refugium unter einer Brücke mitten in der Stadt verlassen, um zum YouTube-Hit zu werden. Nun ja, egal wie: Für uns ist an diesem glühend heißen Augustsamstag ganz klar ein anderer der Star.

510 PS stark, knallgelb und zum Anbeißen scharf bollert der zu diesem Zeitpunkt noch geheime AMG GT über die 5.5 Kilometer lange Formel-1-Strecke Circuit of The Americas. Seine Mission: ein Werbeclip. Obwohl eigentlich nur für die Präsentation vor Journalisten gedacht, ist der Aufwand immens. Rund 70 Männer und Frauen sind in Austin am Start, und sie haben nur einen Tag, um das Ding in den Kasten zu bringen. Was heißt in den Kasten, in diverse Digitalkameras, etwa die sogenannte Phantom, die bei besonders schnellen Aufnahmen mit 1000 Bildern pro Sekunde an den Start geht.

Secret Service in Austin/Texas

Ungetarnt zeigen darf sich der Front-Mittelmotor-Sportler, von dem zwei Stück exklusiv per Luftfracht anreisten, jedoch nur der Crew. Zaungäste und Erlkönigjäger sind unerwünscht, weshalb Sicherheitschef Tarek nervös wie eine Mischung aus Hütehund und Präsidenten-Bodyguard umherwieselt. Später wird sich noch zeigen, warum. Immer wenn ihm mulmig wird, zieht die Crew eine maßgeschneiderte Tarnplane über den goldgelb glänzenden Supersportler.

Zum Start am Morgen, so gegen sechs, ruht der Hauptdarsteller noch unter einer Plane, während Regisseur Basil Schlegel die Truppe einschwört. Gut 15 Stunden Arbeit bei bis zu 40 Grad Luft- und 70 Grad Asphalttemperatur liegen vor ihnen. Damit der straffe Zeitplan hält, müssen Choreografie und Moral stimmen, deswegen jetzt erst mal aufmunternde Worte.

Doch dann: Action! Der V8 zündet, die LED-Scheinwerfer blinzeln durch den Stoff, bevor der AMG in der starken S-Version zu seinen ersten Metern startet, sich dabei selbst enthüllt. Von wegen Downsizing-Fisteln oder Turbo-Säuseln, der neue Vierliter bollert fett und rotzig, gerade so, als wäre er nicht im Schwäbischen, sondern in Good ol’ America vom Band gefallen. Stopp, Bänder haben sie ja gar nicht in Affalterbach: Ein Mann, ein Motor, das gilt auch für den brandneuen, trockensumpfgeschmierten 510-PS-Biturbo.

Nach ein paar Wiederholungen ist die Szene fertig, wir können raus aus der Box und rein die frische texanische Morgenluft. Äh, kleiner Scherz, draußen fühlt es sich an, als hätte jemand die Heizung angelassen. Rund 30 Grad, so gegen sieben Uhr, Klima Marke Gummihammer. Der 4,55-Meter- Sportler macht sich derweil auf der Strecke locker. Leider bleibt die tollste Kurve für ihn tabu – jene scharfe Links nach Start und Ziel, auf der der graue Asphalt geradewegs gen Himmel zeigt. Es ist der höchste Punkt der Strecke und damit von außen top einsehbar, was Tareks Puls Richtung 200 treibt.

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Impression Filmdreh Mercedes AMG GT
auto motor und sport 20/2014
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Mercedes GT AMG Teaser
Mercedes GT AMG: Neuer Sportler kommt 2015 49 Sek.

Der Ultimate Arm langt zu

Also schnell weiter zum nächsten Punkt. Und Auftritt für den mattschwarzen Mercedes ML 55 mit Kamerakran. Klingt harmlos, sieht aber martialisch aus und liefert sensationelle Bilder. Das Monstrum schafft über 200 km/h, kann den meterlangen Ausleger hurtig um 360 Grad drehen oder einfach stoisch einen Punkt fixieren.

An Bord des ML: Fahrer, Regisseur als Beifahrer, auf der Rückbank Kamera- sowie Fokusmann, zuständig für Schärfe und Helligkeit. Im Kofferraum schließlich kauert der Kran-Steuermann, der den Ausleger in Abstimmung mit dem Fahrer so steuert, dass die Chose nirgends aneckt und die gewünschten Bildeinstellungen entstehen. Der Ultimate Arm kann also allerhand, aber nicht alles – etwa mit der Kamera bei 100 km/h fast über den Asphalt schrammen.

Da kommt das Motorrad ins Spiel. Nicht irgendeins, sondern eine umgebaute KTM. Statt des rumpelnden Viertakt-Herzens summt ein vibrationsarmer Elektromotor. Rundum trägt sie ein massives, hydraulisch verstellbares Gestell für die Kamera. Regis, der Fahrer, gart nicht nur bei 40 Grad in seiner schwarzen Protektoren-Kombi gut durch, sondern muss auch noch ganz dicht am Auto dranbleiben, um rund fünf Sekunden nach dem optimalen Bildausschnitt einen Knopf zu drücken, damit die Sequenz gespeichert wird. Ansonsten quillt der Speicher über und die Szene ist verloren. Um die Bildqualität zu beurteilen, muss Regis während seiner haarsträubenden Manöver den am Lenker montierten Monitor im Blick behalten – irre. Wir lernen: Augen auf bei der Berufswahl.

Eine Regel, die der Fahrer des AMG GT bereits beherzigte, denn er kuschelt ganz entspannt in den Lederschalen des aufs Angenehmste klimatisierten Sportwagen-Kokons mit seinem ganz neu und enorm hochwertig gemachten Cockpit. Er klickt sich dort durch die Fahrprogramme, streichelt in Pausen über die metallisierten Oberflächen, fühlt die feinen Alcantara-Bezüge und lauscht dem Burmester-Soundsystem – um dem Front-Mittelmotor-Sportler im nächsten Moment auf Regieanweisung Feuer zu geben. Vom präzisen Carven auf der Ideallinie über einen zarten Drift bis zum Gummiwolken-Ziehen – der 1,6-Tonner mit seinen Dreiecksquerlenkern beherrscht das volle Repertoire.

Need for Speed im Mercedes AMG GT

"Speed, Speed", fordert auch der Regisseur über Funk, während der Asphalt langsam die Füße durch die Schuhsohlen grillt. Der Kühlwasserverbrauch der Crew steigt, die Klimaanlagen schuften am Begrenzer, transpirieren Sturzbäche von Kondenswasser, doch die Truppe kommt nicht mal in Ruhe zum Schwitzen, es wird montiert, justiert und der Himmel im Auge behalten. Und tatsächlich: So schnell, wie der ungebetene Hubschrauber über der Strecke auftaucht, so schnell ist er auch wieder verschwunden. Zufall oder Angriff eines Erlkönigjägers? Tarek kommt jedenfalls in Wallung, erhöht noch mal die Sicherheitsstufe.

Doch es hilft nichts, der GT muss wieder raus, ungetarnt. Diesmal startet der Drohnenhubschrauber des Filmteams. Ohne Besatzung, dafür mit einer Kamera an der Front, ist er für Überflug, Begegnung oder Parallelflug zuständig, wenn nötig, geht er nahezu auf Kollisionskurs. Dank bissigem Zweitakter kann er dem um den Kurs ballernden AMG folgen. Höchste Konzentration beim Piloten, der aufpassen muss, den GT immer im Visier zu behalten, bei Geschwindigkeiten über 100 km/h und zackigen Kurvenfahrten gar nicht so einfach.
Irgendwann ist der Regisseur auch hier zufrieden, und das Finale steht an: Fette, rauchige Donuts, umkreist vom Ultimate Arm, begleitet vom aufgedreht knatternden Heli – Wahnsinn. Die Hinterreifen halten trotz massiven Gumminebels, das Licht nicht. Neun Uhr abends, zappenduster. Schluss, aus, einpacken. Der Star darf sich ausruhen. Bis zur großen Premiere.

Fazit

Ein heißer 911-Gegner Der AMG GT und sein fahrdynamisch noch schärferer Bruder GT S bieten ein eigenständiges Sportwagenerlebnis, geprägt vom kräftigen, feinnervigen Biturbo-V8 sowie sportivem Handling in hochwertiger Verpackung.

Stärken: Wuchtiger, fein ansprechender V8, präzise Lenkung, agiles Handling, feine Anmutung

Schwächen: Vermutlich hohes Preisniveau, mäßige Übersichtlichkeit.

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