Werkseigene Currywurst von VW: Volkswagen-Originalteil mit Ketchup

VW-Currywurst

In Wolfsburg laufen Golf, Touran und Co. vom Band, das weiß jedes Kind. Doch dass VW Currywurst in der eigenen Fleischerei herstellt, erstaunt manchen - dabei gibt es sie schon seit rund 40 Jahren.

Für Herbert Grönemeyer gibt es "nichts Schöneres nach der Schicht als Currywurst". Offensichtlich handelt der gleichnamige Song nicht von der VW-Currywurst, denn die gibt es in Wolfsburg während der Schicht. Der Clou: Die 25 Zentimeter lange Wurst wird im Werk hergestellt.

Eine Fleischerei in der Autofabrik? Was kurios klingt, hat bei Volkswagen schon über 60 Jahre Tradition und ist fester Teil der Unternehmenskultur. Bereits 1950 wurstelten betriebseigene Fleischer. In der Nachkriegszeit musste sich ein Unternehmen schlicht um die angemessene Versorgung seiner Arbeiter kümmern. Sogar eigene Bauernhöfe unterhielt VW einst. Geblieben ist davon die Fleischerei. 25 Mitarbeiter verarbeiten in einem Gebäude am Rande des Werks jede Woche zehn bis zwölf Tonnen Fleisch. Ob Krakauer, Fleischkäse, Bouillon- oder Fleischwurst: Vieles von dem, was in den VW-Kantinen auf den Tisch kommt, stammt aus der eigenen Wurstküche. Doch nur ein Produkt genießt den Kultstatus: die Currywurst, die offiziell übrigens als Currybockwurst firmiert.

4,8 Millionen Currywürste jährlich

Francesco Lo Presti ist der Wurstkönig von Wolfsburg. Als Produktionsleiter der Fleischerei, die zur Volkswagen Service Factory gehört, sorgt er sich um das leibliche Wohl der Belegschaft. Und das wäre offenbar kaum zu gewährleisten, wenn nicht täglich Currywurst produziert würde. Immerhin 4,8 Millionen Stück verlassen jährlich die Fleischerei. Verarbeitet wird nur Schweinefleisch aus der Region. Und zwar ausschließlich "Schulterstücke ohne Fett, Eisbein und Sehnen", wie Lo Presti versichert. Phosphate, Milcheiweiß und Glutamat haben in der VW-Wurst ebenfalls nichts verloren. "Wir haben viele Allergiker im Werk, darauf nehmen wir Rücksicht." Sogar vergleichsweise gesund sei die Spezialität, beruhigt der Fleischermeister: "Unsere Currybockwurst hat nur 20 Prozent Fettanteil, üblich sind 40 bis 45 Prozent."

Wer unter einer Currywurst eine ganz normale Bratwurst versteht, die mittels Ketchup und Currypulver zum Pommesbuden-Klassiker geadelt wird, muss umdenken. Die VW-Currywurst, die 1973 erstmals auf den Teller kam, ist nämlich wirklich durch und durch eine Eigenkreation. Wie bei Cola gibt es auch hier eine streng geheime Zutat: die Gewürzmischung. Die stammt aus dem Gewürzwerk Raps in Kulmbach. Dass ein Bestandteil der Mixtur Curry ist, versteht sich von selbst, doch mehr verrät Lo Presti nicht.

Braten, grillen oder frittieren – alles ist erlaubt

Alle Zutaten vom Schweinefleisch über Fett, Salz und Gewürzmischung werden zerkleinert, zu einer gelblichen Masse gemischt und schließlich in Kunststoffdärme gefüllt. Nur wenn auf der Pelle "Volkswagen Originalteil" steht, handelt es sich um das Original. Dann kommen die Würste in die Räucherkammer. Dort werden sie getrocknet und erhalten durch den Buchenholzrauch ein noch besseres Aroma. Schließlich garen sie im Brühraum und werden anschließend verpackt.

Bei der Zubereitung scheiden sich die Geister: Braten, grillen oder frittieren – alles ist erlaubt, Lo Presti empfiehlt den Backofen: "Da spart man Fett. Wichtig ist aber, vorher die Pelle zu entfernen. Sonst wird es ganz schön zäh." Vollkommen wird die Currywurst schließlich mit dem bei Kraft speziell hergestellten Gewürzketchup und – je nach Geschmack – Currypulver. Zumindest bei den Arbeitern im Wolfsburger VW-Werk gehört die Curry mit Pommes traditionell zur Frühstückspause um acht Uhr. Der Leiter der Fleischerei macht da keine Ausnahme, wie er lächelnd versichert: "Ich bin nach 33 Jahren immer noch nicht satt."

Der Suchtfaktor scheint jedenfalls nicht zu unterschätzen zu sein. Blieb sie ursprünglich den Werksangehörigen vorbehalten, so wird die Currywurst heute auch außerhalb verkauft. Etwa als kompaktere Variante von 16 Zentimeter Länge im Stadion des VfL Wolfsburg oder in einigen Edeka-Märkten im Norden der Republik – jedoch nicht beim VW-Händler.

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René Olma

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