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Werkzeuge der Designer

Eine Idee nimmt Gestalt an

Zeichenstifte Foto: Audi 6 Bilder

Aus einer Idee wird von alleine kein Auto. Ein gut aufeinander eingespieltes Team aus Designern, Formgestaltern und Modelleuren verleiht bei Audi neuen Modellen ihre Form. Ein Blick aufs Handwerkszeug.

24.10.2013 Malte Jürgens

Das Fachgespräch zwischen dem italienischen Star-Designer Giorgetto Giugiaro und seinem Sohn Fabrizio ist erst eine oder zwei IAAs her. "Bevor mein Sohn seinen Computer hochgefahren hat", gab der Senior da mit einem unterdrückten Lächeln zu verstehen, "habe ich bereits mit meinem Bleistift die Silhouette eines neuen Autos aufs Papier gezeichnet."

Gezeichnet wird auch heute noch, wenn der Geburtsprozess einer neuen, zukunftsweisenden – und hoffentlich am Markt erfolgreichen – Automobilform beginnt. Der Weg vom ersten Entwurf bis hin zum fertigen 1:1-Modell ist dabei nicht etwa eine eintönige Autobahn mit ewig gleicher Richtung, sondern ein verschlungener Pfad voll unterschiedlicher Anforderungen.

Am Anfang steht der Stift

Um diese Herausforderungen optimal zu meistern, arbeitet bei Audi ein Team von Spezialisten, die als Menschen voller Ideen oft so individuell und unterschiedlich erscheinen wie ihre jeweiligen Werkzeuge. Das Ziel haben alle dabei gleichermaßen im Blick: ein Modell aus einem Guss, durch Austausch und Vernetzung schon während der Entstehungsphase ständig verbessert und weiterentwickelt.

Der Leitspruch im Audi-Design lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: In einem Team entstehen die besten Ideen. Die Kompetenzen jedes Einzelnen, vom Designer bis zum Formbauer, fließen im Gestaltungsprozess zusammen. Das Resultat bei Audi ist ein enger Schulterschluss zwischen Kreativität, Handwerkskunst und Hightech.

Die Freiheiten des Design-Teams sind dabei nicht unendlich. So sind die Anzahl der Sitze, der Türen, der Stauräume, die Lage des Motors und viele andere Details bereits gesetzt. Jetzt gilt es, mit dem Team eine Form zu entwickeln, die nicht nur ästhetisch und aerodynamisch gut funktioniert, sondern die auch ergonomisch alle Ansprüche erfüllt und dazu noch mit einem vertretbaren Aufwand zu produzieren ist. Wer hat gesagt, dass es im Grunde ganz einfach ist, neue Autos zu entwickeln?

Computer erschafft virtuelles Modell

Die Stationen, die ein neuer Audi von der Idee bis hin zum fertigen Modell in Originalgröße durchläuft, spiegeln sich wider im Set der jeweils benötigten Werkzeuge. Die Spanne reicht dabei vom simplen Spachtel bis hin zum teuren Stereolithographen.

Aber der Reihe nach: Die ersten Arbeitsgeräte, die dem Traum vom neuen Auto Ausdruck verleihen, sind die Stifte der Designer – Bleistift, Fineliner, Marker. Schwungvoll und behutsam zugleich erzeugen sie ein Netzwerk aus Linien und Flächen, das mehr einem Kunstwerk ähnelt als einer einfachen Vorlage für ein späteres Modell. Linien, sagen die Designer, müssen fließen.

Im zweiten Schritt nutzt der Computer im CAD-Prozess (das vom Rechner gesteuerte Zeichenprogramm) die Software, um aus den Daten ein erstes virtuelles Modell auf den Schirm zu zaubern. Noch zweidimensional, doch bereits mit dreidimensionaler Anmutung. Mit diesen Daten wird die CNC-Fräse gesteuert, die aus einem Plastilinblock das grobe Grundmodell fräst. Die Bohr- und Fräsköpfe der auf den Nanometer exakt arbeitenden Maschine werden per Joystick angesetzt.

Glatte Flächen und geschwungene Formen erfordern höchste Präzision – eine Art Kür für Formgestalter. Hier wird noch viel mit Augenmaß gearbeitet, ohne datengestützte Maschinen, sondern traditionell mit Schabern. In den Händen der Modelleure werden diese triangelförmigen "Rakes" zu absoluten Präzisionswerkzeugen. Abgekühlt ist Plastilin hart, bei 60 Grad jedoch leicht formbar. Deshalb ist für die Arbeit am Modell ein Heißluftföhn als "Einheizer" unerlässlich.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft