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Wertentwicklung von Oldtimern

Wenn Autos zu Edel-Metall werden

Bernd Ostmann Foto: auto motor und sport 21 Bilder

Bernd Ostmann über die Popularität von klassischen Automobilen und den stetigen Anstieg der Oldtimer-Preise.

09.10.2014 Bernd Ostmann

Die Oldtimer-Szene steht Kopf. Bei einer Versteigerung des Auktionshauses Bonhams im Luxushotel Quail Lodge in Monterey erzielte ein Ferrari 250 GTO einen Preis von über 38 Millionen Dollar. Ein neuer Auktions-Weltrekord – für einen Unfallwagen.

Denn der GTO, von dem nur 39 Exemplare gebaut wurden, hat eine Vergangenheit. Er wurde Zweiter bei der Tour de France Automobile 1962, dann verunglückte der französische Ski-Rennfahrer und zweifache Olympiasieger Henri Oreiller damit tödlich. In Maranello wurde das Wrack anschließend wieder aufgebaut und 1965 für 2,5 Millionen Lire, damals rund 16.000 Mark, an Fabrizio Violati verkauft. Der verstarb vor vier Jahren.

399 Millionen Umsatz bei der Classic Car Week

Bei der Classic Car Week in Monterey wurden in diesem Jahr erneut glänzende Geschäfte mit exklusiven Oldtimern gemacht. Der Umsatz betrug 399 Millionen Dollar, 27,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Geschäft mit den Oldies läuft blendend. Speziell die Roten aus Maranello liegen im Trend: Ein 250 Mille Miglia Berlinetta aus dem Jahr 1953 erzielte 7,2 Millionen Dollar, ein 250 GT Cabriolet aus dem Jahr 1958 brachte es auf immerhin 6,8 Millionen. Allein im Jahr 2013 schnellten die Preise für alte Ferrari um 60 Prozent nach oben. Mittlerweile hat sich dieser Trend normalisiert: Bis Juli gab es nur noch eine Steigerung um elf Prozent.

Trotzdem: In Zeiten niedriger Zinsen stiegen die Oldtimer-Preise, so eine Studie des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA), 2012 um vier Prozent und 2013 sogar um acht Prozent. 600.000 Autos in Deutschland sind älter als 30 Jahre, 450.000 davon sind zugelassen. Der Marktwert der Oldies soll bei 12,2 Milliarden Euro liegen. Für den Erhalt werden jährlich 2,4 Milliarden Euro ausgegeben. Auch Händler, Werkstätten, Restaurationsbetriebe und der Ersatzteilhandel leben mit rund sieben Milliarden Euro glänzend von der Liebe zum alten Blech.

Original oder restauriert?

In der Oldtimer-Szene haben sich zwei Lager gebildet: Die einen wollen perfekt restaurierte Fahrzeuge, die anderen lieben Autos im Orginalzustand mit einem ordentlichen Schuss Patina. Im Januar 2014 wurde auf einer Gooding-Auktion im amerikanischen Scottsdale ein unrestaurierter schwarzer Mercedes 300 SL aus dem Jahr 1956 für satte 1.393.990 Euro inklusive Aufgeld verkauft. Einen Tag später kam ein ebenfalls schwarzer, super restaurierter Flügeltürer unter den Hammer: Er erzielte nur 1.031.960 Euro. Einen Nachteil hat die neue Liebe zur Patina: Das bekannte Bewertungsschema mit den Zustandsnoten und den damit verbundenen Preisen funktioniert hier nicht mehr.

Abgesehen davon wird das den normalen Oldtimer-Fan ohnehin nicht sonderlich tangieren. Er kauft seinen Oldtimer, weil er ihn schon immer geliebt und begehrt hat. Und er investiert durchschnittlich 15.000 Euro dafür. Dramatische Rendite-Gewinne sind da nicht zu erwarten. Wenn es gut läuft, dann sind die jährlichen Garagenkosten und ein Teil des Wartungsaufwandes durch den Zugewinn abgedeckt. Und wer vor der Frage steht, ob er einen unrestaurierten oder perfekt hergerichteten Oldie erstehen soll, dem raten Experten stets zu Zweiterem. Denn eine Komplettrestauration kann leicht zum Fass ohne Boden werden.

Mercedes-Benz 300 SL auf Platz 3 beim Wertezuwachs

Bei dem Verkauf des GTO in Monterey wurde ein Rekordpreis erzielt. Stellt sich natürlich die Frage: Wann platzt die Blase? Aber die Branche zeigt sich gelassen. "Es handelt sich hier nicht um eine Oldtimer-Blase oder einen Hype", erklärt Michael Bock, Leiter von Mercedes-Benz Classic. "Das zeigt auch der Verkaufspreis des Ferrari 250 GTO in Höhe von 38 Millionen Dollar. Viele haben erwartet, dass das Auto für rund 50 Millionen Dollar versteigert wird, aber das wäre er nicht wert gewesen. Wir verfolgen bei Mercedes sehr aufmerksam die Wertsteigerung unserer eigenen Modelle und sehen auch hier ein gesundes Wachstum."

Einen wichtigen Punkt spricht Julius Kruta, Leiter Bugatti Tradition, an: "Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre wurden die Autos mit geliehenem Geld gekauft, und dann ist irgendwann die Blase geplatzt. Aber das ist heute nicht der Fall. Denn im Gegensatz zu damals ist das Geld heute vorhanden, aber es gibt keine Zinsen auf der Bank. Deshalb wird nach alternativen Anlagemöglichkeiten gesucht. Und hier kommen vermehrt Oldtimer ins Spiel. Deshalb werden die Preise weiter steigen." Dies gilt zumindest im Hochpreissegment, wo Anleger ihr Heil suchen. Aber auch im Volumensegment sind beachtliche Zuwächse zu verzeichnen. Betrachtet man den Wertzuwachs seit 1999, so rangieren auf den ersten beiden Plätzen laut VDA der Citroën 2CV und der VW-Bus T2, für den in gutem Zustand bereits bis zu 100.000 Euro bezahlt werden. Erst auf Rang drei: der Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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