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Wertverlust

Reste-Verzehr

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Preisnachlässe beim Neuwagenkauf haben einRekordniveau erreicht. Bis zu 20 Prozent Rabatt sind keine Seltenheitmehr. Folge: Der Wertverlust der Fahrzeuge nimmt stark zu.

02.12.2006 Jörn Ebberg

Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Doch was die Rabattschlacht auf dem Automarkt angeht, so darf das eher bezweifelt werden. Mit ihr will der Handel die schwache Nachfrage ankurbeln, vergisst dabei aber offensichtlich die negativen Auswirkungen. Marktbeobachter wie Martin Verrelli von Eurotax-Glass’s warnen nämlich vordem schlechten Einfluss hoher Nachlässeauf die Fahrzeug-Restwerte: " ImPrinzip hat der Kunde nichts von hohen Rabatten. Das Geld, das er beim Kauf zunächst einspart, wird durch dieRestwertverluste überkompensiert.“ Mit anderen Worten: Je höher der Nachlass beim Kauf, desto größer ist hinterher der Wertverlust - so lautet die Faustformel.

Ein Beispiel: Der Renault Laguna wird mit höheren Rabatten als vergleichbare Konkurrenzprodukte angeboten. Entsprechend drastisch ist derEinbruch bei den Restwerten. Auch Citroën wirbt fast traditionell mit hohen Nachlässen, ebensowie Ford oder Fiat. Premiumhersteller wie Mercedes oder BMW halten sichaus der  Rabattschlacht dagegen scheinbar heraus. Sie versuchen bevorzugt, ihre Nachlässe über günstige Leasing- und Finanzierungsangebotezu lancieren."Ein günstiger Kredit ist weniger gefährlich für die Wertstabilität“,erklärt Verrelli. Der Grund: Es wird eben nicht mit offensichtlichen Rabatten auf den Listenpreis gearbeitet. Die hohen Preisnachlässe wirken sich besonders dann negativ auf die Restwerte aus, wenn ein Fahrzeug vorder Ablösung durch eine neue Modellgenerationsteht.

Auch darauf sollten Kunden achten, empfehlen Marktbeobachter. "Sobald ein erstes Bild von einem neuen Modell auftaucht, geht der Restwert um 10 bis 15 Prozent runter“, sagt Willi Diez, Professor für Automobilwirtschaft an der FachhochschuleNürtingen.

Image spielt große Rolle


Das gilt auch für die aktuelle Modellgeneration der C-Klasse, die im März 2007 abgelöst wird. Entscheidender Unterschied zu Renault: Mercedes weist eine höhere Disziplin in der Rabattpolitik auf. Die zu erwartendenWertverluste sind geringer. Dabei spielt auch das Image eine großeRolle. Deutsche Fabrikate erzielen einen höheren Wiederverkaufswert als Importmarken. Als Ausnahme gilt etwa der Avensis von Toyota, dessen bekannteZuverlässigkeit auch im Restwert positiven Niederschlag findet.Gleichzeitig ist auch wichtig, wie ein Modellwechsel vollzogen wird. Gibt esgroße Designsprünge, wie zum Beispiel in der Astra-Baureihe von Opel, dann ist der Wertverlust oft größer.

Volkswagen hat beim Golf im Gegensatz zu Opel geringere Designsprünge gemacht. Kurt Kolb, Restwertexperte von Bähr & Fess Forecasts in Saarbrücken, spricht dabei von einer „reifen Nachfolge“, die er auch dem Audi A3 oder dem Mercedes SLK attestiert. Alle drei weisen nach zweijähriger Laufzeit noch einen stabilen Restwert auf.

Allerdings sind auch das nur Prognosen. Die von Eurotax-Schwacke ermittelten Werte müssen als Richtwerte verstanden werden. Wie genau sich der Wert eines Fahrzeugs entwickelt, hängt auchvom Verhalten des Herstellers ab.

Umweltfaktoren spielen wachsende Rolle

Ob er womöglich in die Rabattschlacht einsteigt, ist nicht vorhersehbar. Daneben sind noch eine ganze Reihe weiterer Faktoren entscheidend.So wirken sich eine umfangreicheSicherheits- und Umweltschutz-Ausstattung positiv aus. Das werden in Zukunftbesonders die Besitzer von Diesel-Fahrzeugen mit Rußpartikelfilter erleben, sollte es zu Fahrverboten für Diesel ohne Partikelfilter kommen.Dann könnte eine ähnliche Entwicklungwie bei der Einführung des Katalysators Ende der achtziger Jahre einsetzen.

Eine weitere Faustformel: Bei den Lackfarben verkaufen sich Schwarz und Silber in der Regel besser als Rot und Weiß. Bislang spielten zu erwartende Wertverlustebei der Kaufentscheidung eher eine untergeordnete Rolle. Durch diederzeit hohen Rabatte sollten sie aber stärker ins Kunden-Kalkül eingehen.Denn ein Ende der Rabattschlacht ist laut Marktbeobachtern nicht in Sicht.Wenn überhaupt, schwächen sich diePreisnachlässe nur langsam ab. MartinVerrelli: "Es ist nicht einfach, weil die Kunden hohe Nachlässe inzwischen erwarten.“ Außerdem sind die vorhandenenÜberkapazitäten - Branchenexpertensprechen von geschätzten zehn bis 15 Millionen Fahrzeugen weltweit - nicht so schnell abgebaut. Es ist daher nicht auszuschließen, dass der umgekehrte Fall eintritt und die Rabatteauf neue Höhen ansteigen.

Insbesondere den Kaufinteressenten,die planen, ihr Auto alle zwei Jahre zu wechseln, legt Ferdinand Dudenhöffervon der FH Gelsenkirchen nahe, überFinanzierungen nachzudenken: "Bei einer Drei-Wege-Finanzierung bleibt das Restwertrisiko beim Vertragsgeber.“Als Alternative biete sich noch ein Leasingvertragmit Kilometerbegrenzung an. Wer sein Auto hingegen als längerfristige Anschaffung betrachtet, für den ist der Kaufpreis wichtiger als der in ferner Zukunft zu erwartende Restwert.

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