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BMW 524td (E28)

Mit dem BMW 524 TD durch den Westerwald

Reise Westerwald Foto: Hardy Mutschler 20 Bilder

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, heißt es. Andersherum machen Erinnerungen aus Erwachsenen manchmal Kinder. Eine ungewöhnliche Reise an den Beginn einer Liebe zum BMW 524 td.

25.06.2010 Powered by

"Hier, probier mal". Frau Tillmann schiebt mir etwas ins Gesicht. Noch bevor ich mich wehren kann, ist der Löffel mit der braunen Soße in meinem Mund verschwunden. Für sein Nierenschaschlik zum Preis von 2,10 Euro ist das "Büdchen" am Bahnübergang in Altenkirchen seit 50 Jahren über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Das Fleisch, das in der bräunlichen Tunke siedet, weise ich dessen ungeachtet gern und bestimmt zurück. Ich bin zwar ein Anhänger innerer Qualitäten, jedoch gilt meine Vorliebe etwas anders gearteten Innereien. Solchen, wie sie gerade vor dem Eingang zum beliebten Schnellimbiss der 10.000- Einwohner-Stadt zu sehen sind. Dort parkt das Traumauto meiner Kindheit. Es ist ein 5er-BMW 524 td - und er gehört mir. Seine Nieren sind mir die liebsten.

Es war ein flaues Gefühl im Magen, das mich dazu veranlasste, die A3 zwischen Frankfurt und Köln für einen kurzen Zwischenstopp zu verlassen. Bis zu meinem Termin in Bochum ist noch genügend Zeit, um in Ruhe etwas essen zu gehen. Wieso also nicht zu der Pommesbude aus Kindheitstagen fahren? Ich war sowieso schon lange nicht mehr da, wo ich mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht habe - im Westerwald.

Besuch im Imbiss bei Frau Tillmann

So verlasse ich also die Route ins Ruhrgebiet, nehme eine Abfahrt, die sonst wohl eher gemieden oder bewusst übersehen wird. Wenig später stehe ich der redseligen Dame vom Imbiss, die, wie sie sagt "eigentlich eine echte kölsche Frohnatur" sei, gegenüber und warte auf meine Pommes. "Rot-Weiß?" fragt sie mich mit rauchiger Stimme. "Rot" antworte ich, worauf Frau Tillmann mir resolut eine Kelle des Nierenschaschliksuds über die frittierten Kartoffeln gießt.

"Der Westerwald ist meine Heimat geworden", sagt die Frau vom Imbiss, während sie mir die Pappschale über den Tresen reicht. Im Kontrast zu dem blonden, kurz geschnittenen Haar und dem ärmellosen, langen schwarzen Kleid wirkt ihre Haut fahl. Doch ihre blauen Augen schauen wach und clever. Alwine Tillmann frittiert, brät und unterhält seit 25 Jahren in der Pommesbude am Bahnübergang. Ich kneife die Augen zusammen und versuche mich konzentriert daran zu erinnern, wie es vor 20 Jahren in dieser Holzhütte ausgesehen hat. Der Geruch nach verbranntem Fett und Frikadellen hat sich jedenfalls nicht geändert. Neben mir an der Theke sitzt eine gut gekleidete Dame jenseits der 65. Sie bestellt einen Schaschlikspieß: "Aber ohne Pommes bitte, ich muss gleich noch Mittag essen."

Vor zwanzig Jahren stand ich etwa ein bis zwei Mal im Monat neben meinen Eltern an der Holztheke und schaute Alwine, die damals noch einen langen Zopf trug, dabei zu, wie sie die Pommes mit einer schnellen Handbewegung aus dem triefenden Frittiersieb in eine Salatschale aus Kunststoff warf. Ihre Augen lachen dabei heute so wie damals, nur ihre Bewegungen sind etwas behäbiger geworden. Einst konnte ich kaum über den Rand der Theke schauen. Heute sind meine Beine fast zu lang, um auf den hölzernen Hockern davor bequem zu sitzen. Dennoch wirkt die Atmosphäre aus der neuen Perspektive unverändert gewohnt.

Die Dame vom Ordnungsamt wartet schon

"Du kannst da nicht stehen bleiben", sagt Alwine und zeigt auf meinen Wagen. Der 5er hat das gleiche Rot wie der Rallyestreifen, der Alwines Kleid an der Seite ziert. "Das wird ganz schön teuer, wenn die dich da vor dem Andreaskreuz erwischen" sagt sie just in dem Moment, als eine Dame vom Ordnungsamt mich aufschreiben will. "Ich muss sowieso wieder los" erwidere ich, winke Alwine flüchtig zu und nehme auf dem Fahrersitz meines 6-Zylinder-Turbodiesels Platz. Ich starte den Motor, bevor ich den lästigen Zettel an der Windschutzscheibe hängen habe. Der Wagen brummt in der mir gewohnten Tonlage. Dieses Geräusch beruhigte mich schon, als der erste 524 td vom Band lief. Der sportliche Diesel wurde 1983 auf den deutschen Markt gebracht. Zu dieser Zeit musste mein Vater mich zum Einschlafen regelmäßig im Auto um den Block fahren. Mein eigener roter 524 ist 1986 das erste Mal zugelassen worden. Er ist nicht viel jünger als ich, deswegen verstehen wir uns so gut.

Heute, 23 Jahre später, steht er vor einem Bahnübergang im Westerwald. Die Schranken schließen sich. Noch immer sucht die Dame vom Ordnungsamt den Blickkontakt. Ich beachte sie nicht, denn ich werde gerade sentimental. Eine Neugier brennt in mir. Was ist aus meiner alten Heimat geworden? Hat sich, wie der Geschmack dieser Pommes, auch alles andere kaum verändert? Ich nehme mir vor, dieses Phänomen, wonach gute Dinge auch gut bleiben, fortan den "Pommeseffekt" zu nennen. Diese These muss geprüft werden.

Ein Abstecher in die alte Heimat mit dem BMW 524 td

Ich habe immer noch einen guten Zeitpuffer und könnte mir getrost einen weiteren Abstecher leisten. Nach kurzem Hadern lasse ich schließlich die Fensterscheibe runter und biege statt zur Autobahn auf die B8 von Altenkirchen in Richtung Weyerbusch ab. Auf der rechts und links von Wald gesäumten Bundesstraße kommt das flaue Gefühl, das mich zum Abfahren der Autobahn veranlasste, wieder. Nicht etwa, weil ich nicht satt geworden bin, sondern weil mein 524 td soeben die 120 km/h Spitze erreicht. Mein Liebster hat 115 PS bei 4.800/min, er hat kein Radio, deswegen singe ich. In Weyerbusch angekommen halte ich an der Tankstelle und kaufe ein Wassereis. Lutschend fahre ich die letzten Meter bis zu meiner ehemaligen Grundschule. Da ist er wieder, der Pommeseffekt: Der Spielplatz vor der Schule ist unverändert, die gleiche triste Fassadenfarbe. Ich halte auf dem Parkplatz vor dem Schulhof. Dort habe ich oft darauf gewartet, dass der delphingraue 528i meines Vaters in die Straße einbiegt. An der Pommesthese könnte also was dran sein.

Zum Öffnen der schweren Eingangstür der Schule brauche ich weniger Kraft als damals, und die Treppe hinauf zu den Klassenräumen erscheint mir kürzer. Im Treppenhaus riecht es haargenau wie damals nach einer Mischung aus Wachsmalstiften und chlorhaltigem Putzmittel. Noch vor ein paar Stunden habe ich nicht mal entfernt damit gerechnet, nun diese Treppe hinaufzugehen. Das Lehrerzimmer ist wie ausgestorben. Anders als ich es von früher kenne, herrscht dort kein hektisches Gewusel. Mir fällt das neue Mobiliar und der blaue Teppichboden auf, als mein Blick zu Boden wandert. Mir wird klar, dass mein Versuch, die wichtigen Orte meiner Kindheit unverändert wiederzufinden, naiv war - blödsinnig kindischer Pommeseffekt!

Wiedersehen mit der alten Lehrerin

Ich schüttle den Kopf, drehe mich um und will gerade die Treppen wieder hinuntergehen, als eine Stimme hinter meinem Rücken ruft: "Haben Sie einen Termin?" Ich bleibe stehen, überlege eine Sekunde und drehe mich erst dann langsam um. Es ist Frau Etzbach. Sie war schon damals die Sekretärin der Schulleitung. Ich trete näher und will prüfen, ob sie mich noch erkennt. "Ich bin Melanie Khoshmashrab, ich war hier mal Schülerin, in der Klasse von Linette Gallo." Ihr Gesicht hellt sich auf. "Ihr habt doch in Rettersen gewohnt, oder nicht?" "Ja" antworte ich lächelnd. "Frau Gallo hat gerade Hofaufsicht, wenn Sie wollen, bringe ich Sie hin." Mein Herz klopft, als wir die Treppen zum Hof hinabgehen. Abseits der spielenden Schüler steht Frau Gallo nahe dem 524 mit einer Kollegin. "Du siehst aus wie früher, nur größer" sagt sie und lacht laut, als sie mich erkennt. Ich stehe wie als kleines Mädchen mit gesenktem Blick vor ihr. Im Gespräch erzählt sie, dass es nun in Hachenburg ein Cadillac-Museum gibt. Ich habe selbst schon davon gehört. Als die Lehrerin zurück in die Klasse muss, bleibe ich etwas verwirrt auf dem Schulhof zurück.

Aus der Dienstreise wird eine Reise in die Kindheit

Ich setze mich auf den Fahrersitz des Wagens und wähle die Nummer meines Terminpartners. Ich verschiebe die Verabredung auf morgen. Statt mich auf das Treffen vorzubereiten, kaufe ich mir beim Bäcker "Marotzke" in Weyerbusch eine Schoko-Banane - wie ich es früher vor der Busfahrt zum Gymnasium getan habe. Ab diesem Zeitpunkt verselbständigt sich mein Dienstauftrag zu einer Reise in meine Kindheit, auf der ich neben bekannten Gesichtern zahlreiche skurrile Menschen kennenlerne.

Wie Bernd Lueck, dessen private Autoschau mit liebevoll gepflegten Replikas mir zufällig auf dem Weg auffällt. Spontan halte ich und verwickle den Rasen mähenden Mann ins Gespräch. Etwa zu der Zeit, als ich den Westerwald verließ, begann Bernd Lueck mit dem Aufbau seiner Sammlung. Es war ein lang gehegter Traum. Neben dem Käfer in der Ausstellung grinst er stolz wie ein kleiner Junge. Als ich mich verabschiede, wundere ich mich, dass mir diese individuelle Seite des Westerwalds nicht schon früher aufgefallen ist.

Besuch im Cadillac-Museum in Hachenburg

Anscheinend habe ich nie genau hingeschaut. In Hachenburg, einem touristischen Höhepunkt des Westerwalds, lasse ich mir im Cadillac-Museum viel Zeit zu einem Rundgang. In den Schauräumen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, wird klar, dass ich nicht die Erste bin, deren Liebe zu Autos hier geboren wurde. Nachdem ich mich lange im Cadillac-Museum unterhalten habe, fasse ich den Entschluss, in der Altstadt einen Kaffee zu trinken. Ich setze mich in die "Caféterie" von Irene Kölzer in der Friedrichsstraße. Sie und ihr Mann, der zuvor lange Marketingleiter bei der Hachenburger Brauerei war, haben das Elternhaus zu einer alternativen Lokalität mit allerlei Zierrat im Innenraum umgebaut. In der Sonne sitzend verabrede ich mich telefonisch mit meinem Bruder, der in Altenkirchen wohnt.

So kommt es, dass ich, nachdem ich die Temperatur des Dreifelder Weihers getestet habe, mit meinem Bruder im 524 td die Höhepunkte unserer Kindheit wieder entdecke. Später sitzen wir erschöpft vor der "Wied-Skala" in Neitersen, essen Chips und Eispralinen und trinken Cola. Die Wied- Skala ist ein über 50 Jahre altes Programmkino. Der Schriftzug über dem Eingang des Lichtspielhauses leuchtet strahlend grün. "Weg ohne Umkehr" hieß der erste Film, der 1956 gespielt wurde. Gut, dass das nicht mein Programm ist, denke ich, als mein Bruder in Altenkirchen aus dem Wagen springt. Als ich den Westerwald verlasse, ziehe ich ein Fazit: Manchmal kann ein flaues Gefühl im Magen dein Leben verändern. Eine Kinovorführung im Westerwald kostet 4,50 Euro, eine Currywurst mit Pommes 3,40 Euro - nach Hause kommen ist unbezahlbar.

Jahr
1968Beginn der Entwicklungsarbeiten für den Nachfolger der Neuen Klasse.
1970Auf dem Autosalon Genf präsentiert BMW die Studie Garmisch, ein Coupé, das einige Elemente des späeteren 5ers zeigt.
1972Der neue BMW 520/520i (E12) löst den BMW 2000 ab.
1973Die Fabrikation wird in das neue Werk nach Dingolfing verlegt. Im selben Jahr erscheint der 525 mit Sechszylindermotor.
1974Mit dem 518 rundet BMW die Modellreihe nach unten ab.
1975Mit 2,8 Liter Hubraum und 165 PS ge-rät der neue 528 zum neuen Fünfer-Topmodell.
1976Serie 2 löst Serie 1 ab: BMW retuschiert die Karosserie: die Heckleuchten werden größer, die Niere ragt weiter nach oben in die Motorhaube.
1977Statt des Vierzylinders arbeitet im 520 ein neuer Sechszylindermotor. Der 528i ersetzt die Vergaser-Variante.
1981Die E12-Baureihe wird vom E28 abgelöst, der weitgehend auf dem Vorgänger basiert.
1981Produktionsende E12: Nach 699.094 Exemplaren läuft die erste 5er-Generation aus.
1983Neue Sparsamkeit: BMW 525e und 524td erscheinen auf der Bildfläche.
1985Facelift für den E28 und neue Motorvarianten: Zweiliter-Sechszylinder im 520i, M 535 i.
1985Der erste BMW M5 wird vorgestellt.
1987Produktionsende der zweiten 5er-Generation nach 722.328 Exemplaren
1987Der neue E34 löst den E28 ab.
1990Einführung der neuen Vierventilmotoren (M50).
1991Der neue 143 PS starke M51-Dieselmotor löst den M21 ab.
1991Die Kombiversion Touring wird angeboten.
1992Der BMW 525iX mit Allradantrieb erscheint auf der Bildfläche.
1992BMW bietet V8-Motoren an: 530i mit 218 PS und 540i mit 286 PS.
1994Alle Modelle erhalten das Frontdesign der V8-Modelle mit breiterer Niere.
1995Die letzten E34-5er laufen vom Band. Nach 1.333.412 Exemplaren, darunter 124.704 Touring, ist Schluss.
1995Marktstart der vierten Generation, des E39
1995Mit dem 518g beschreitet BMW neue Wege: Erstmals ist ein Erdgas-fähiger 5er zu haben.
1996Endgültiges Produktionsende des E34.
1997Einführung des E39-Touring.
1998Optimierte Motoren mit VANOS auch bei den Auslassventilen.
2003Mit 1.488.038 Exemplaren stellt die vierte Generation des 5ers einen neuen Absatzrekord auf. Bis 2004 wird noch der Touring (266.209 Exemplare) weitergebaut.
2000Facelift der BMW E39-Baureihe: Scheinwerfer mit Lichtringen, neue M54-Motoren, Stoßfänger in Wagenfarbe, überarbeitete Niere, neue Frontschürze.
2003Die fünfte Generation, der E60 steht bei den Händlern
2004Einführung der E61 genannten Touring-Version.
2007Modellpflege des E60: Neue Stoßfänger, Heckleuchten mit LED-Technologie, Scheinwerfer in Klarglas-Optik, überarbeitete Niere, überarbeitetes iDrive mit programmierbarer Tastenbelegung.
2010Ab März 2010 gibt es die sechste Generation des 5ers zu kaufen, die sich nun F10 nennt.
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