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Wie der Vater, so der Sohn

Historie

Foto: MTU-Archiv, dpa 12 Bilder

Das Aushängeschild waren die Automobile. In Friedrichshafen feierte man den 125. Geburtstag von Karl Maybach.

14.01.2007 Harry Niemann Powered by

Der Geburtstag von Karl Maybach jährte sich 2004 zum 125.Mal – Ehrentag eines der bedeutendsten deutschen Automobil-Konstrukteure. Am 6. Juni 1879 als Sohn des nicht minder bekannten Konstrukteurs und langjährigen Weggefährten Gottlieb Daimlers, Wilhelm Maybach, in Köln-Deutz geboren, galten seine Sechs- und Zwölf-Zylinder-Automobile in den 20er und 30er Jahren als die “deutschen Rolls-Royce“.

Ursprünglich wollte Karl Maybach lediglich seine Motoren an Automobilhersteller liefern. Als dies nicht funktionierte, begann er eine eigene Fabrikation von Automobilen aufzubauen – um die Fabrikationsanlagen auszulasten und auch die bis dahin nicht verkauften W2-Motoren zu nutzen.

Seinen ersten Wagen, den Maybach Typ 22/70 PS, ein Luxusfahrzeug mit neuem technischen Konzept, zeigte Karl Maybach auf der Berliner Automobilausstellung im September des Jahres 1921. Der 6-Zylinder-Reihenmotor leistete bei einem Hubraum von 5740 ccm 70 PS und war mit einer Doppelzündung ausgerüstet. Eine weitere technische Besonderheit war das 2-Gang-Planetengetriebe. Der Preis nur für das Fahrgestell mit Motor betrug 22 600 RM.

Zum Vergleich: Der Preis für ein Mercedes- Benz-Fahrgestell mit Motor des Typs Nürburg 460, der zwischen 1928 und 1929 gebaut wurde und eine Leistung von 80 PS hatte, betrug 10 500 RM, die komplette Pullman Limousine kostete 15 000 RM. Für den 22/70 PS musste der Kunde die Karosserie bei einem Aufbauhersteller anfertigen lassen und natürlich auch gesondert bezahlen. Kennzeichnend für die Maybach-Automobile war, dass kein Typ werksseitig karossiert wurde. Das Gros der Maybach-Karosserien wurde bei der Firma Spohn in Ravensburg hergestellt.

Auf den W3 folte der W5

Dem W3 folgte Ende des Jahrs 1926 der Typ W5 mit einem neuen Siebenliter-Sechszylinder, der nun 120 PS leistete. Vorerst wurde der W5 mit dem bisherigen Planetengetriebe, ab 1928 dann mit einem Maybach- Schnellganggetriebe ausgerüstet, was zu der Bezeichnung W5 SG führte.

Die Nachfolgemodelle W6 (1931- 1933) und W6 DSG (1934 - 1935) wiesen beide den Vorgängermotor mit dem Siebenliter-120-PS-Motor auf, verfügten jedoch über einen verlängerten Radstand und größere Karosserieabmessungen. Der W6 war mit Dreigang- Getriebe, Kugelschaltung und Schnellganggetriebe ausgerüstet, das pneumatisch durch einen Schalthebel am Lenkrad betätigt wurde. Der W6 DSG (Doppelschnellgang) hatte vier Vorwärtsgänge, die durch zwei kleine Hebel am Lenkrad ohne Kuppeln betätigt werden konnten; Leerlaufstellung, 1a-Gang und Rückwärtsgang wurden durch einen Handhebel auf der Mittelkonsole betätigt.

Acht Jahre nach Beginn der Automobilproduktion präsentierte Karl Maybach als Hommage an seinen Vater Deutschlands ersten Zwölfzylinder-Wagen: den Maybach Typ 12. Das Luxusmodell mit dem Motor in 60º-V-Form löste 1929 den W5 SG ab und wurde bis Mitte 1931 gebaut.

Die Leistung betrug nun 150 PS bei einem Hubraum von sieben Litern. Dieses geradezu monumentale Automobil wird dann in den Folgejahren als Typ DS 7 und Typ DS 8 angeboten. Mit sieben respektive acht Litern Hubraum leistet dieser Zwölfzylinder bis zu 200 PS. Damit erreichte der fast drei Tonnen schwere Wagen, dessen Lenker einen Lastwagenführerschein benötigte, eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 170 km/h. Wer allein für das Fahrgestell 29 500 Reichsmark bezahlte, für den waren auch die 28 Liter Verbrauch auf 100 km kein Thema. Neben anderen technischen Raffinessen wies er ein Dreiganggetriebe mit Maybach- Doppelschnellgang sowie saugluftunterstützte Bremsen auf.

Achtliter-Motor im DS8

Die Nachfolge des Maybach 12 traten dann 1930 die Typen Zeppelin DS 7 (1930 - 1933) und Zeppelin DS 8 (1931 - 1939) an. Mit unveränderter Motorleistung war der DS 7 zu haben, der DS 8 erhielt einen auf 7922 ccm vergrößerten Motor, der nun 200 PS leistete. Damit erreichte der Wagen, je nach Aufbau, eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 170 km/h. Ab 1938 war anstelle des Doppel-Schnellganggetriebes nur ein Siebengang-Schaltreglergetriebe erhältlich.

1934 wurde das Programm durch den Maybach Typ DSH (Doppel-Sechs- Halbe) erweitert. Sein neu entwickelter 5,2-Liter-Sechszylinder-Reihenmotor leistete 130 PS und war für eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h gut. Die Fahrgestelle konnten mit der identischen Karosserie des Zwölfzylinder- Zeppelin erworben werden. Gegenüber den V12-Typen war der technisch nahezu gleichwertige Sechszylinder wesentlich preiswerter. Aus den Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise erschien es Karl Maybach ratsam, einen kleineren Typ aufzulegen. Doch auch dieses Modell erreichte nur niedrige Verkaufszahlen. Der DSH blieb bis 1937 im Verkaufsprogramm.

Bereits 1935 erschien ein neu konzipierter, stark modernisierter Wagen, erstmals ausgestattet mit Schwingachsen und einem neu konstruierten Sechszylinder-Motor, der bei 3,5 Liter Hubraum eine Leistung von 140 PS abgab. Damit erreichte der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Dieser Typ SW 35 (die Bezeichnung bezog sich nun auf den Hubraum) wurde bereits ein Jahr später durch den Typ SW 38 mit 3,8 Liter Volumen ersetzt.

Dies war eine Folge der sich stetig verschlechternden Kraftstoffqualität. Man wollte mit dem Vergrößern des Hubraums keine Leistungssteigerung erzielen, sondern eine gleich bleibende Leistung von 140 PS garantieren. 1939 kam es zu einer weiteren Erhöhung des Hubraums auf 4,2 Liter. Der SW 42 trat die Nachfolge des SW 38 an und wurde bis 1941 gebaut. Die Stückzahl lag bei etwa 1800 Maybach-Automobilen zwischen 1921 und 1941. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion von Pkw in Friedrichshafen nicht wieder aufgenommen.

Vom Vater gelernt

Autos zu konstruieren, hatte Karl Maybach bei seinem Vater gelernt. Nach einem ersten Berufspraktikum bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft studierte er an der Königlichen Baugewerkschule in Stuttgart und hier in der Abteilung Maschinenbau, um danach in Berlin bei Ludwig Loewe & Co., einem im Waffen- und Maschinenbau tätigen Konzern, zu arbeiten.

Nach einem weiteren beruflichen Intermezzo in Potsdam/Neubabelsberg bei der “Centralstelle wissenschaftlich-technischer Untersuchungen“ ging Karl Maybach 1904 zurück in das neue Daimler-Werk in Untertürkheim. Dort arbeitete er als Versuchsingenieur und Assistent seines Vaters, der mittlerweile als Konstrukteur des ersten Mercedes Weltruhm erlangt hatte.

Zusammen mit dem Papa besuchte er die Gordon-Bennett-Rennen, und gemeinsam konstruierten Vater und Sohn den ersten Sechszylinder-Mercedes-Rennwagen. Dieser 150-PS-Rennwagen hatte den ersten modernen Hochleistungsmotor der Welt, eine Maschine, deren konstruktive Grundlagen noch heute kennzeichnend für diese Bauart sind.

Doch Automobile waren nur ein Thema im Konstrukteursleben Karl Maybachs. Als am 6. August 1908 das Luftschiff LZ 4 des Grafen Zeppelin havariert, dient Wilhelm Maybach dem Grafen seinen Sohn als neuen Motorenkonstrukteur an. Der Graf ist von der Idee begeistert, und so beginnt Karl Maybach im November des Jahres 1909 als Technischer Leiter der Luftfahrzeug- Motorenbau GmbH Bissingen an der Enz mit der Konstruktion des ersten Luftschiffmotors.

Erster leistungsfähige Maybach- Höhenflugmotor

1912 zieht das Unternehmen nach Friedrichshafen um, 1918 wird es in Maybach-Motorenbau GmbH umbenannt. In Friedrichshafen entsteht auch der erste leistungsfähige Maybach- Höhenflugmotor für Flugzeuge.

Die Zeppeline fahren mit Maybach- Motoren. Da nach dem Ersten Weltkrieg – bedingt durch die Restriktionen des Versailler Vertrages – keine Flugzeug- und Luftschiffmotoren produziert werden dürfen, wendet sich Maybach dem Automobilbau und der Herstellung schnell laufender Dieselmotoren zu. Er nimmt dabei eine ähnliche Pionierrolle ein wie sein Vater beim Schaffen des schnell laufenden Benzinmotors im Jahr 1883. Die neuen Maybach-Dieselmotoren kommen bei Eisenbahntriebwagen zum Einsatz.

Anno 1923 entsteht eine zweite Generation von Luftschiffmotoren. Die ersten sind die Zwölfzylinder-Motoren des Typs VL 1, mit denen das so genannte Reparationsluftschiff ZR III auf eigenem Kiel über den Atlantik fährt. Als der Gigant nach drei Tagen und zwölf Stunden Lakehurst erreicht, krachen in Friedrichshafen 126 Böllerschüsse der Freude.

Fortan ist es dem Deutschen Reich gestattet, die Produktion der „sanften Riesen“ wieder aufzunehmen. Ab 1933 beginnt der Maybach Motorenbau mit der Produktion von Hochleistungsmotoren für Halbketten- und Kettenfahrzeuge. Die deutschen Panzer werden von Maybach-Benzinmotoren angetrieben, die als die modernsten ihrer Art gelten.

Karl Maybach erlebt in den 1920er Jahren viele Ehrungen. 1924 verleiht ihm die Technische Hochschule zu Stuttgart die Ehrendoktorwürde, und fünf Jahre später wird er Ehrenbürger der Stadt Friedrichshafen. All dies kann sein Vater Wilhelm noch miterleben, der erst im Dezember des Jahres 1929 stirbt.

Mit ihm verbindet Karl Maybach mehr als nur ein gelungenes Vater- Sohn-Verhältnis. Sie bilden auch eine enge Denk- und Konstruktionsgemeinschaft – bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich Wilhelm Maybach endgültig auf das Altenteil zurückzieht.

Nach dem Krieg schließt Karl Maybach mit der französischen Regierung einen Vertrag über den Bau eines 1000-PS-Panzermotors ab. Zusammen mit 70 Ingenieuren und Technikern zieht er 1947 nach Vernon nahe Paris, um das Projekt umzusetzen.

1951 kehrt er nach Deutschland zurück und scheidet 1952 als Geschäftsführer des Maybach-Motorenbaus aus. Die Feierlichkeiten zum 50- jährigen Firmenjubiläum fallen mit seinem 80. Geburtstag zusammen.

Karl Maybach erhält nicht nur das „Große Bundesverdienstkreuz mit Stern“, sondern wird auch zum Professor ehrenhalber ernannt. Am 6. Februar 1960 stirbt der bedeutende Automobil-Konstrukteur in Friedrichshafen.

Sein Erbe lebt weiter in der MTU Friedrichshafen, die 1969 dem Zusammenschluss des Daimler-Benz-Großmotorenbaus mit dem Maybach-Motorenbau entspringt. Noch nachhaltiger aber wird sein Name aus dem Dunkel der Automobilgeschichte durch den Bau des neuen Maybachs im Hause Daimler-Chrysler gehoben, der in der Tradition der großen Luxuslimousinen aus Friedrichshafen steht.

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