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Ferrari, Lambo und Co. wollen nicht

Wie sich Hersteller um den Vergleich drücken

Ferrari 458 Speciale A, Lamborghini Aventador Roadster, Maserati Gran Cabrio MC Foto: Achim Hartmann

Marcus Schurig über Autohersteller, die zwar Sportwagen bauen, sich aber hartnäckig weigern, beim sportlichen Wettbewerb in Form von Vergleichstests anzutreten. Kommentar.

26.01.2016 Marcus Schurig Powered by

Die Leserbriefseite bei sport auto könnte vortäuschen, dass wir ausschließlich zufriedene Kunden haben. Seien Sie versichert: Dem ist nicht so. Uns erreichen sehr viele E-Mails von Menschen, die uns für völlig verblödet halten, weil wir nicht in der Lage sind, die offensichtlichen Wettbewerber eines sportlichen Segments in einem simplen Vergleichstest zusammenzuführen. Der spöttische Nachsatz lautet dann immer: So schwer kann das doch nicht sein!

Lamborghini tritt nicht gegen Ferrari an. Und umgekehrt

Sie machen sich gar keine Vorstellung, wie schwer das in Wirklichkeit ist, und es geht hier nicht darum, uns selber von Versäumnissen reinzuwaschen oder anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Natürlich kommen auch wir ohne zusätzliche Zufuhr von Drogen auf den Geistesblitz, einen Lamborghini Huracán gegen einen Ferrari 488 GTB testen zu wollen.

Und wir setzen auch Himmel und Hölle in Bewegung, um das zu erreichen. Leider vergebens. Lamborghini tritt nicht gegen Ferrari an und Ferrari nicht gegen Lamborghini. Punkt. Ende. Aus. Keine Ahnung, wer das Gesetz erfunden hat, aber alle halten sich dran.

Die Italiener sind so oder so eine schwierige Klientel, um es mal ganz freundlich auszudrücken. Tests oder Vergleichstests, die auf Performance-relevanter Basis wie Rundenzeiten erfolgen, schiebt Maserati prinzipiell einen Riegel vor: Non sono fatti nostri, da spielen wir nicht mit, wir sind unvergleichlich. Bei den Produkten ist man das ebenso wie bei der Einstellung. Oder wissen sie, dass sie alle Tests gnadenlos verlieren würden? Alfa 4C gegen Lotus Elise? Was hätte uns denn geritten, also ganz ehrlich, non se ne parla proprio! Was sich deutsche Journalistenhirne so alles ausdenken, vermutlich nehmen die alle Drogen!

Supertest mit dem Bugatti Veyron?

Der grassierende Virus der reflexiven Testwagenablehnung ist aber keinesfalls auf Italien beschränkt, wenngleich der Urwirt bei dieser Häufung aus diesem Land kommen muss. Bentley zum Beispiel ist stets bemüht, seine dicken Brummer in Schlachten zu schicken, die sie nie gewinnen können. Dann bauen sie einen Continental GT3-R, der das Wort Sport ausdrücklich im Namen führt und obendrein der Rennaktivität der Marke auf geschmeidige Art huldigt. Aber ein Test? Etwa auf der Rennstrecke? We don't think so! Auch die Jungs von McLaren zögern, zaudern und zicken bei Vergleichstests, und wenn mal ein Auto kommt, dann für zwei Tage.

Vielleicht endlich ein Supertest mit dem Bugatti Veyron? Das ist ja ein Supersportwagen, wenngleich völlig unvergleichlich. Die Unvergleichlichkeit verhindert - logisch - Vergleichstests, untersagt aber auch Tests auf der Rennstrecke. C'est complètement impossible, quäkt es aus dem Elsass. Und die Helden aus dem Autoland Deutschland? Deutlich besser, immerhin. VW, Audi, BMW oder Mini fragen nicht mal nach der Paarung des Vergleichs und verfahren nach dem stringenten Grundsatz: lieber verlieren als gar nicht erscheinen. Porsche und AMG wägen ihre Chancen auf den Sieg mittels umfangreicher mathematischer Spekulation gekonnt ab und entscheiden entsprechend. Immerhin ist der Testsieg nicht Grundvoraussetzung für eine Teilnahme - denn verlieren tun auch sie bei sport auto hin und wieder.

Es verwundert doch, dass einige Sportwagenhersteller dem sportlichen Wettbewerb prinzipiell aus dem Wege gehen. Einige haben es nötig, andere sicher nicht. Sind Niederlagen bei Firmenchefs unpopulär? Vermutlich ja. Bevor man den Nimbus einer Marke mit Niederlagen besudelt, lässt man es lieber ganz sein. Da stehen wir von sport auto dann vor unseren Kunden - nämlich Ihnen, liebe Leser - und müssen den Kopf dafür hinhalten. So, jetzt muss ich leider noch ein paar grimmige Leserbriefe beantworten ...

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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