Wiesmann-Porträt: Im Zeichen des Geckos

Vor 20 Jahren entstand im westfälischen Dülmen die erste Manufaktur der Firma Wiesmann. Der Kleinserienhersteller hat sich mittlerweile zu einer festen Größe auf dem Sportwagenmarkt entwickelt. Zum Jubiläum stellen wir Produkte und Produktion einmal genauer vor.

Im ersten Jahr rollte gerade einmal vier Autos aus den Werkshallen. Mittlerweile baut die Firma im Besitz der gleichnamigen Brüder mit 107 Mitarbeitern 200 Sportwagen per anno. Tendenz: steigend. "Wir wollen in drei bis fünf Jahren etwa 350 bis 400 Autos produzieren", so Friedhelm Wiesmann, der den kaufmännischen Teil betreut, während sein Bruder sich um die Entwicklung kümmert. 

Das Modellprogramm umfasst heute drei Baureihen: Das Urmodell in Form des Roadster MF3 mit Gitterrohrahmen und die zwei Coupés MF4 und MF5, die beide über ein Aluminium-Monocoque verfügen. Der besondere Reiz der Wiesmann-Modelle liegt in den Motoren: Sie stammen ausnahmslos von BMW. Der MF3 wird vom 3,2-Liter-Reihensechszylinder mit 343 PS angetrieben, der MF4 mit 4,8-Liter-V8 bringt es auf 367 PS und der MF5 mit Fünfliter-V10 auf 507 PS.

Neue Manufaktur in Dülmen

Wiesmanns Markenzeichen ist ein Gecko, "weil er so prägnant ist und auch auf Rädern und Lenkrädern nie so aussieht, als ob er auf dem Kopf steht". Seit Frühjahr ziert die kleine Echse in überdimensionaler Form auch die neue Manufaktur, die wiederum in Dülmen nähe Münster entstanden ist.

Dort wird in echter Handarbeit pro Tag ein Auto fertig - wobei jeder Wiesmann ein Unikat ist. "Bei uns kann der Kunde allein aus 400 verschiedenen Ledersorten aussuchen", so Wiesmann. Jede Naht, jeder Teppich oder Schaltknauf kann individuell ausgewählt werden - für die Konfiguration des Einzel-Schmuckstücks nimmt sich der künftige Besitzer nebst Gattin oft einen ganzen Samstag Zeit.

Anlässlich des 20-jährigen Firmenjubiläums legt Wiesmann Sondermodelle von seinen drei Baureihen auf, und BMW steuert wiederum seinen Teil dazu: Für den Roadster bauen sie in einer Kleinserie noch einmal 30 Einheiten vom Motor des an sich schon eingestellten M3 CSL, der es hier auf 360 PS bei 7.900/min bringt und mit dem SMG-Getriebe kombiniert wird. Für 135.000 Euro gibt es außerdem eine Heckverbreiterung und einen im Jubiläumslook ausgeschlagenen Innenraum.

Expansion ins Ausland

50 Prozent seiner Autos verkauft Wiesmann in Deutschland, der Rest geht mit steigender Tendenz in die europäischen Märkte. Neue Dependancen zum Beispiel in Budapest sollen helfen, den Umsatz von heute rund 26 Millionen Euro auf 40 bis 45 Millionen Euro innerhalb der nächsten drei Jahre zu steigern. Für nächstes Jahr bereitet Wiesmann außerdem Rechtslenkervarianten und eine ganz neue Baureihe vor, die erstmals auf dem Genfer Auto-Salon präsentiert werden soll.

Wachstumspotenzial gibt es also genug. Nur eins bereitet den Gebrüdern Wiesmann zur Zeit Kopfzerbrechen: Die CO2-Reduktionsziele der EU auf 120 g/km bis zum Jahr 2012. Deshalb sind sie mit der Vereinigung der Kleinserienhersteller bereits in Brüssel vorstellig geworden - zumindest mit einem ganz kleinen Erfolg. Wiesmann: "Jetzt wissen die Politiker wenigstens, dass es Kleinserienhersteller überhaupt gibt."

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Birgit Priemer

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