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Winterkorn

Neues City-Auto auch als Skoda und Seat

Foto: dpa

Volkswagen-Konzern-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn im Interview über das geplante Citymodell, Hybridantrieb, neue USA- Pläne und die Möglichkeit neuer Kooperationen.

28.08.2007 Bernd Ostmann

Auf der IAA in Frankfurt zeigt Volkswagen die Studie eines Citymodells. Der Smart und der Mini sind Kultautos, aber kein wirtschaftlicher Erfolg. Was wollen Sie beim VW-Stadtauto besser machen?
Winterkorn: Wir wollen in Frankfurt die Besucherreaktionen auf die Konzeptstudie unserer New Small Family testen. Und wir werden dieses kleine Auto sicher nicht nur bei der Marke Volkswagen bringen, sondern auch bei Skoda oder Seat entsprechende Modelle platzieren. Wir denken an zwei Versionen: das kleine, schicke Cityfahrzeug für die Metropolen in Westeuropa, aber auch an eine Basisversion für die Emerging Markets. Dazu zeigen wir schon bald nach Frankfurt, nämlich in Tokio und Los Angeles, zwei zusätzliche Modell- und Antriebsvarianten der New Small Family. Ich bin sicher, dass wir damit ein Volumen erreichen, das einen wirtschaftlichen Erfolg verspricht. Und mit diesen Autos in Wachstumsmärkte zu gehen, das bedeutet natürlich per se schon höhere Volumen als bei manchem Konkurrenzmodell.

"Ein so genanntes `Billigauto´ wird es von Volkswagen nicht geben."

Verdienen Sie mit diesem Auto bereits in der ersten Generation Geld?

Winterkorn: Ja, das ist unser Ziel. Natürlich müssen wir uns dabei sehr genau anschauen, wo wir solche Modelle kostengünstig fertigen können.

Ist dieses Citymodell zugleich auch das von VW angekündigte Billigauto?
Winterkorn: Ein so genanntes "Billigauto" wird es von Volkswagen nicht geben. Wo Volkswagen draufsteht, sind auch Volkswagen-Eigenschaften drin: Wertigkeit, Verlässlichkeit, Qualität, Sicherheit, kundennahe Innovationen. Wir können hier ein superheißes Auto mit einem Dreizylinder-Turbo und allen erdenklichen Features für westeuropäische Metropolen darstellen. Aber es lässt sich beispielsweise auch ein preiswertes Auto mit einem Zweizylinder realisieren, das die Basismotorisierung in neuen Märkten abdeckt.

Können Sie da mit den angekündigten Billigautos aus Indien mithalten, die es einmal für 2.000 Euro geben soll?
Winterkorn: Das wäre kein erstrebenswertes Ziel. Wie schon gesagt, das ist ein Segment, das wir gerne anderen überlassen. Unser Ziel ist es, unser kleines Fahrzeug in der Basisversion in neuen Märkten für 6.000 Euro anbieten zu können.

Smart geht in die USA, Sie auch?
Winterkorn: Da muss man die Reaktionen abwarten, da sehe ich eher einen Markt für andere Fahrzeugkonzepte, die mehr im Mainstream liegen.

Demnächst wird es vom Passat ein viertüriges Coupé geben. Wird es einen eigenständigen Namen haben?
Winterkorn: Warum? Passat, das ist ein guter Name. Wir nennen es deshalb Passat Coupé. Der nächste Golf wird eine Weiterentwicklung sein, aber keine technische Revolution.

Wie wird er positioniert?
Winterkorn: Der Golf VI vereint italienisches Design mit deutscher Perfektion. Denn Design ist nur dann wirklich überragend, wenn es handwerklich gut im Produkt umgesetzt ist. Mit dem Golf VI gehen wir zu einer klaren, eindeutigen, klassenlosen Formensprache zurück, die den Golf berühmt gemacht hat. Dazu bekommt er neue Common-Rail-Motoren und ein neues Doppelkupplungs- Getriebe. Er erhält einen neuen, sehr hochwertigen Innenraum und Instrumente mit Touchscreen- Bedienung. Der Golf VI ist ein neues Auto. Die Touchscreen-Bedienung werden Sie erstmals bei der New Small Family zeigen.

Soll sich diese Technik dann in allen neuen Modellen fortsetzen?
Winterkorn: Ja. Uns war es besonders wichtig, eine Bildschirmoberfläche zu schaffen, die auch bei längerer Benutzung sauber und ansehnlich bleibt. Das haben wir geschafft, und das wird der Kunde zu würdigen wissen.

Auf der IAA wird Karmann ein Polo-Cabrio mit Stoffdach zeigen. Ist dies auch ein Thema für VW?
Winterkorn: Diese Frage stellt sich immer wieder bei Seat, Volkswagen und Audi.

Mit Stoffdach?
Winterkorn: Ein Hardtop-Cabrio hat eine andere Design-Anmutung als ein Softtop-Cabrio. Ich glaube, dass beide Konzepte eine Bedeutung haben werden.

Wann werden Sie den Sharan-Nachfolger zeigen?
Winterkorn: Wenn man unser derzeitiges Van-Angebot mit Golf Plus, Touran, Caddy, Sharan und Multivan ansieht, dann sind wir auch mit einem jetzigen Sharan noch sehr gut aufgestellt. Sicher wird es auch einen Nachfolger geben.

Was bekommt er für eine Plattform?
Winterkorn: Diese Entscheidung treffen wir noch im Laufe dieses Jahres. Er basiert in jedem Fall auf der Passat- Architektur.

Bekommt der nächste Passat einen längs eingebauten Motor?
Winterkorn: Die Frage, die sich mit der künftigen Generation dieses sehr erfolgreichen Fahrzeugs stellt, ist, wo wir den Passat künftig positionieren wollen. Wir verkaufen davon mehr als 550.000 Autos pro Jahr weltweit und wollen diesen Kunden wieder ein passendes Modell anbieten können.

Es gibt Gerüchte, dass der New Beetle die Boxster-Plattform bekommen soll.
Winterkorn: Wir diskutieren gerade verschiedene Varianten mit Front- oder Heckantrieb. Da ist vieles möglich.

Müssen Sie für Amerika spezielle Autos bauen?
Winterkorn: Wir liegen nach unseren Analysen mit dem Jetta und dem Passat preislich ein kleines Stück über den Mitbewerbern. Wir müssen lernen, für die USA Autos zu bauen, die den amerikanischen Anforderungen optimal angepasst sind. Wir brauchen dort zum Beispiel keine serienmäßig elektrisch anklappbaren Außenspiegel, die Straßen und Parkplätze sind wirklich breit genug.

Suchen Sie einen neuen Standort für Ihre US-Zentrale?
Winterkorn: Wir müssen das im Rahmen unserer neuen USA-Strategie sorgfältig prüfen. Wir müssen einen neuen Geist in unserer Mannschaft und im Handel wecken, wir brauchen eine Aufbruchstimmung in Amerika. So gibt es zum Beispiel an der Ostküste ein großes Potenzial an jungen, kreativen Leuten. Dort und an der Westküste wären wir auch näher an unseren Kunden.

VW fehlt kein Supersportwagen

Was sind Ihre Ziele in Amerika?

Winterkorn: Bei einem Dollarkurs von 1,40 werden wir uns mit Autos aus Europa schwertun. Deshalb müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, ob wir im Dollarraum weitere Produktionskapazitäten benötigen. Das macht aber nur Sinn, wenn wir auch Absatzchancen in entsprechender Höhe realisieren können.

Könnte es sein, dass Sie hier mit einem Zulieferer kooperieren?
Winterkorn: Das sehe ich nicht. Wir wollen die Produktivität in unseren Werken um jährlich mindestens zehn Prozent steigern und gleichzeitig mit neuen Produkten und der Erschließung neuer Märkte für Auslastung unserer bestehenden Fabriken sorgen. Wir werden unsere Mitarbeiter nur dann dazu motivieren können, ihre Arbeitsabläufe rationeller zu gestalten, wenn wir ihnen garantieren, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten. Sie brauchen sich nur das Beispiel Audi ansehen: Als ich dorthin gekommen bin, haben wir mit rund 50.000 Mitarbeitern 650.000 Autos und 1,3 Millionen Motoren gebaut. Im letzten Jahr haben wir mit dem gleichen Team 920.000 Fahrzeuge und 1,8 Millionen Motoren gefertigt.

Wo stehen Sie mit Wolfsburg?
Winterkorn:Wir sind in allen unseren Fabriken im Konzern dabei, Arbeitsabläufe und Logistik noch besser zu organisieren. Außerdem arbeiten Entwickler und die Kollegen der Produktion jetzt viel enger zusammen, um die Produktion einfacher und fehlerfreier zu gestalten.

Wie groß wird der Schritt vom jetzigen zum nächsten Golf?
Winterkorn: Zirka 20 Prozent Reduktion der Produktionszeit sind schon drin.

Fehlt VW ein Supersportwagen?
Winterkorn: Nein. Wir wollen Volkswagen noch mehr zu einer erfolgreichen, strahlenden Marke machen. Unsere Vision ist: Volkswagen, der innovativste Volumenhersteller. Dazu brauchen wir neue Modelle, die die Marke emotional aufladen. Und wir müssen mehr Varianten und Nischenmodelle anbieten.

Wird es unter dem Tiguan noch einen kleineren SUV geben?
Winterkorn:Wenn die SUV-Entwicklung so weitergeht, dann kann ich mir auf der Polo-Plattform einen kleinen Diesel-SUV gut vorstellen.

Setzen Sie bei Kleinwagen auf Dieseloder Hybridantrieb?
Winterkorn: Ich glaube, ein kleiner Dreizylinder-Diesel wird preislich wie akustisch erfolgreich sein.

Und wie sehen Sie die Zukunft des Elektroantriebs?
Winterkorn: Das wird davon abhängen, wie gut man die Batterietechnologie beherrscht.

Was haben Sie denn eingebaut? Die Lithium-Ionen-Batterie?
Winterkorn: Darauf läuft es hinaus. Schade ist eins: Wir Deutschen waren einmal führend in der Batterietechnologie. Mitte der siebziger Jahre sind die Batterien zu Wegwerfartikeln geworden, und die deutschen Batteriehersteller haben sich aus dieser Technologie verabschiedet. Wir haben in Deutschland schlichtweg vernachlässigt, dass die Batterie die einzige Möglichkeit ist, in einem Behältnis Energie zu speichern.

Mit wem arbeiten Sie zusammen?
Winterkorn: Zum Beispiel mit Conti. Bosch ist auch interessiert.

Wie sehen Sie denn den Voll-Hybriden wie das Two-Mode-System?
Winterkorn: Porsche und wir beherrschen die einfachere Technologie. Dieser Weg ist der bessere und der kostengünstigere.

Aus welchen Gründen sind Sie aus der Bluetec-Kooperation mit Daimler ausgestiegen?
Winterkorn: Wir hatten lediglich vereinbart, dass wir in einer gemeinsamen Marketingkampagne den Begriff „Bluetec“ benutzen. Mittlerweile sind wir der Überzeugung, dass wir mit dem TDI einen bereits besser im US-Markt eingeführten Begriff besitzen. Denn wir sind mit rund 800.000 in den USA verkauften Diesel-Pkw ohnehin der größte Anbieter dieser Motorentechnik.

In Russland scheint es Bedarf für Ihre Polo-Plattform zu geben.
Winterkorn: In Kaluga bauen wir unsere eigene Fabrik. Darüber hinaus sprechen wir mit einigen Firmen. Es gibt genügend, die sich von uns eine Plattform wünschen.

Gibt es auch mit Mercedes noch Gespräche?
Winterkorn: Es gibt Kontakte. Ich könnte mir vorstellen, dass wir über bestimmte Komponenten reden. Was ist mit neuen Zukäufen, beispielsweise mit Volvo?
Winterkorn: So etwas kommt nicht in Frage. Der Volkswagen-Konzern ist in meinen Augen das einzige Unternehmen, das eine Mehrmarkenstrategie erfolgreich umgesetzt hat. Und das mit acht sehr erfolgreich und unabhängig im Markt operierenden Marken. Mehr muss da wirklich nicht sein.

Was erwarten Sie von der CO2-Steuer?
Winterkorn: Die Diskussion darum wird in diesem Herbst in die heiße Phase gehen. Da gibt es momentan noch unterschiedliche Meinungen zwischen den Herstellern und dem Gesetzgeber. Ich hoffe, dass sich da am Ende die Vernunft durchsetzt und wir zu technisch machbaren Lösungen kommen, die der Umwelt helfen, für den Autofahrer eine Phase der Verunsicherung beenden und den Wettbewerb um die beste technische Lösung beleben.

Die weiteren Themen von auto motor und sport, Heft 19/07, das ab 29.8. im Handel ist:

  • Präsentation Audi A4
  • Werkstätten-Test Fiat
  • Fahrbericht Renault Laguna
  • Erster Test BMW M3
  • Doppeltest Mercedes C 200 CDI gegen Ford Mondeo TDCI

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