Winterreifen: Alles im Griff

Fit und sicher ist das Auto in den kalten Monaten nur mit gut haftenden Winterreifen. Bei unpassender Ausrüstung droht Ärger.

Weder die Kachelmanns im Lande noch irgendein anderer Wetter-Guru wird eine Antwort auf die Frage wagen: Wie wird der nächste Winter?

Bußgeld droht

So bleibt es dem Autofahrer selbst überlassen, Prognosen zu stellen und sich für die vermeintlich geeigneten Reifen in den kommenden Monaten zu entscheiden. Was aber konkret als geeignet gilt, formuliert der Gesetzgeber eher unklar. Danach drohen 20 Euro Bußgeld, wenn das Auto ohne "an die Wetterverhältnisse angepasste" Ausrüstung unterwegs ist - sprich: mit Sommerreifen auf schneeglatter Fahrbahn. Wer bei diesen Bedingungen andere behindert oder gar einen Stau provoziert, zahlt 40 Euro und kassiert einen Punkt in Flensburg. Obendrein ist diese Regelung eine Einladung an die Versicherungen, sich bei Schadensfällen querzustellen und den Kasko-Schutz zu verweigern - auch ohne ausdrückliche Winterreifen-Pflicht. Herrscht, wie im letzten Jahr, mildes Winterwetter, ist man geneigt, auf die Montage echter Winterreifen zu verzichten. An den paar Schneetagen mogeln wir uns schon durch, glaubt etwa die Hälfte der deutschen Autofahrer. Testergebnisse von auto motor und sport zeigen in aller Deutlichkeit, dass dies bodenloser Leichtsinn ist, vor allem beim Bremsen.

Drei Mal längerer Bremsweg

So kommt das Auto mit Sommerreifen im Schnee erst nach einem fast drei Mal längeren Bremsweg zum Stehen als mit Winterreifen. Keine Frage, die Folgen eines Crashs sind dann deutlich teurer als ein Satz griffiger Pneus. Wie sommerbereifte Autos zum Spielball der Ereignisse werden, kann man zu Beginn jeder Schlechtwettersaison gut beobachten - im Flachland ebenso wie in bergigen Regionen. Selbst an kaum wahrnehmbaren Steigungen geraten sie haltlos ins Schlingern und schwören oft genug ein Verkehrschaos herauf. Auch bei wenig Schnee und Eis sprechen die ausgewogenen Eigenschaften moderner Winterreifen für eine Umrüstung. Denn neben der sicheren Haftung auf glatter Straße sorgen sie gleichfalls bei Trockenheit und Nässe für Fahrstabilität, nicht einmal auf den gewohnten Abrollkomfort muss man inzwischen verzichten - feine Lamelleneinschnitte im Profil und raffinierte Gummimischungen machen es möglich. Dass trotz dieser innovativen Reifentechnik bei warmen Wetter der Grip beim Bremsen nachlässt, muss man aber einkalkulieren. Weit verbreitet ist der Trugschluss, Autos mit Allradantrieb kämen ohne Winterreifen aus. Doch die Grenzen der Physik bleiben auch hier bestehen. Mag die Traktion für den Vortrieb noch ausreichen, ist selbst die aufwendigste Antriebstechnik überfordert, wenn mit Sommerpneus auf glatter Bahn verzögert oder gelenkt werden muss. Ebenso können Schlupfregelungen oder die inzwischen verbreiteten Stabilitäts-Programme (ESP) nur im Zusammenspiel mit Winterreifen optimal arbeiten.

Schneeflocke macht Reifen zum Winterreifen

Nach dem Wortlaut der Vorschrift gilt jeder mit "M+S" (Matsch und Schnee) auf der Flanke gekennzeichnete Reifen als "angepasste" Bereifung. Eine Garantie für die Eignung in der kalten Jahreszeit ist das freilich nicht. Denn selbst Ganzjahres- und viele Geländewagenreifen tragen das M+S-Symbol, obwohl ihnen die wintertauglichen technischen Attribute zum größten Teil fehlen. Erst die Signatur einer Schneeflocke stempelt die Reifen zu echten Winter-Spezialisten. Voraussetzung dafür allerdings: Die Restprofiltiefe beträgt noch mindestens vier Millimeter, und die Pneus sind nicht älter als fünf bis sechs Jahre. Nach dieser Zeit nimmt die Flexibilität des Gummis sukzessive ab, die Griffigkeit geht verloren. Erkennbar ist das Reifenalter am DOT-Code in der Seitenwand. Seitdem es neue Fahrzeugpapiere gibt, ist die Wahl der passenden Reifen etwas schwieriger geworden, weil hier explizit nur noch eine zugelassene Größe genannt wird. Weitere, vom Hersteller freigegebene Reifenformate stehen zwar in den beim Neukauf ausgehändigten COC-Unterlagen (Certification of Confirmity), aber den aktuellen Stand möglicher Alternativgrößen fragt man im Zweifel besser beim Autohändler nach. Die Frage, ob sich die Anschaffung von Winterreifen überhaupt lohnt, beantwortet folgende simple Rechnung: Wer für eine gängige Reifengarnitur um 500 Euro ausgibt, ist mindestens fünf Jahre auf der sicheren Seite. Das ist, auf jede Schlechtwetterperiode umgerechnet, also ein Bruchteil dessen, was schon eine harmlose Karambolage kostet.

Rundum fit und sicher ist das Auto aber erst, wenn es rechtzeitig auf Winterpneus steht. Wer Ende Oktober umrüstet, geht Terminengpässen bei Lieferung und Montage aus dem Weg. Und wenn man diese Reifen dann bis über die Osterfeiertage montiert lässt, können einem weder Kälteeinbrüche noch andere Wetterkapriolen etwas anhaben.

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René Olma

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