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Winterreifentest 2015 der Größe 225/50 R 17

Die besten Winterreifen für die Mittelklasse

Winterreifentest 2015 Foto: Dino Eisele 20 Bilder

Moderne Winterreifen müssen nicht nur auf Schnee, sondern auch bei nass-kalten oder trockenen Straßen höchste Sicherheit bieten. Drei Neuentwicklungen, drei bewährte Profile und drei günstige Alternativen treten gegen den Seriensieger Conti TS WinterContact 850 an. Ist er zu schlagen?

22.09.2015 Thiemo Fleck

Die neue Standard-Reifendimension der Mittelklasse heißt 225/50 R 17: Viele Mittelklassemodelle wie etwa der neue Audi A4, die BMW 3er-Serie, der VW Passat und die Mercedes C-Klasse sind oft ab Werk mit dieser Dimension ausgestattet. Eine Größe, die sich offensichtlich auch im Winter durchsetzt. Obwohl in einigen Fällen Schneeketten nur mit schmaleren Reifenbreiten kombiniert werden dürfen, entscheiden sich viele Fahrer im Winter aus fahrdynamischen und optischen Gründen für das breitere und voluminösere 225er-Format.

Gleich drei Neuerscheinungen konnten wir für Sie in diesem Test erstmalig auf Herz und Nieren testen: Den brandneuen Dunlop Winter Sport 5, den Goodyear Ultra Grip Performance Gen. 1 und den neuen Nokian D4 der als erster und derzeit einziger Winterreifen das begehrte A-Label im Nassbremsen erreichen will. Können die Neuen den bisherigen Seriensieger Conti WinterContact TS 850 schlagen?

Diese Reifen haben wir getestet:

  • Bridgestone Blizzak LM-32 S
  • Continental WinterContact TS 850
  • Cooper Weathermaster SA-2
  • Dunlop SP Winter Sport 5
  • Falken HS 449 Eurowinter
  • Goodyear Ultra Grip Performance Gen. 1
  • GT Radial Champiro Winter Pro HP
  • Nokian WR D4
  • Pirelli Sottozero 3
  • Yokohama W.Drive V905

Finnisch-Lappland, Ende Februar 2015: Die Test-Tracks sind präpariert, die Messtechnik läuft, die Testautos – zwei C-Klasse-Mercedes – stehen startbereit vor den Montagehallen; es könnte losgehen. Nur der 40-Tonnen-Truck mit den Testreifen ist überfällig. Während fünf Tagen Fahrt unter winterlichen Bedingungen von Stuttgart nach Ivalo kann einiges passieren. Schnee und Eis sind einkalkuliert, nicht aber der Übereifer eines schwedischen Truckerkollegen der beim Ausfahren aus der Fähre die offen stehende Tür unseres Actros glatt abgefahren hat. Jede Minute ist kostbar, hier oben, weit nördlich des Polarkreises. Stündlich kann das Wetter wechseln, Temperaturen über dem Gefrierpunkt oder starker Schneefall sind das vorübergehende Aus für die Testfahrten. Doch vier Tassen Kaffee später gibt das Smartphone Entwarnung: Der Trucker erwartet Instruktionen über die letzten Kilometer bis zum Testgelände.

Just in time in Schnee und Eis

Frisch von der Ladefläche werden die bereits in Stuttgart durch 200 Kilometer Landstraßenfahrt angerauten Räder an die C-Klassen montiert: Die Versuche zu Schneebremsen, Traktion und Seitenführung müssen noch heute eingefahren werden. Pressluftschrauber glühen, grelles Neonlicht in und gleißende Halogenstrahler vor der Halle machen die Nacht zum Tag. Eine Nacht, die jenseits des Polarkreises schon am Nachmittag beginnt und Tester und Testwagen für die Dauer der Versuche draußen auf dem weitläufigen Gelände für jeweils rund 30 Minuten verschluckt.

Mindestens zehn Beschleunigungen und genauso viele Vollbremsungen pro Reifensatz sind nötig, um auf der festpräparierten Schneefläche statistisch verwertbare Ergebnisse herauszufahren. Das kostet Zeit. Doch die Temperaturen bleiben stabil, Schneefall bleibt aus, so können noch am späten Abend erste Datenreihen ausgewertet werden.

Als besonders sicherheitsrelevant macht Bremsen auf Schnee bereits 30 % der Winterwertung aus. Wichtig ist daher, dass Temperatursprünge oder Schneefall keinen Einfluss auf die mehrere Stunden dauernde Messung nehmen können. Der nordische Wettergott meint es gut, das Resultat ist eindeutig, Nokian schafft mit 25,4 Metern den kürzesten Bremsweg, dahinter Conti und GT Radial mit 25,6 und 26,3 Metern. Cooper und Falken brauchen mit 29,4 und 32,3 Metern am längsten.

In der Traktionsmessung ein annähernd ähnliches Bild: Hier ziehen allerdings Goodyear und Dunlop knapp an Nokian vorbei; Conti, Bridgestone und Pirelli folgen, auch Yokohama und GT Radial können sich mit wenigen Prozent Abstand noch sicher in den Schnee verzahnen. Nur Cooper und Falken schwächeln in der Vortriebswertung.

Auch die Seitenführung zählt

Entscheidend ist auch, welche Reserven die Reifen in Kurven bieten und wie dynamisch und dennoch sicher sie sich in Grenzsituationen fahren lassen. Auf dem selektiven Rundkurs durch die finnische Tundra glänzt der Pirelli mit guter Seitenführung und sehr direktem, stabilem Fahrverhalten. Bestens funktionieren Goodyear und Dunlop, GT Radial mischt in der Spitzengruppe mit. Definitiv zu wenig Grip bieten auch in diesen Disziplinen Cooper und Falken.

Das Wetter bleibt stabil: In nur drei, wenn auch langen Tagen sind die Ergebnisse im Kasten, weit über 100 Testräder wieder auf dem Lkw verladen. Es geht südwärts. Doch die verschneiten Steigungstrecken zur befestigten Bundesstraße sind für den Lkw trotz Winterpneus und Schneeketten ein unüberwindbares Hindernis. Ein vorgespannter Pistenbully, sonst zur Präparation der Test-Tracks eingesetzt, löst das Problem auf unkonventionelle Art. Das ist auch nötig, denn nur wenige Tage später wollen Reifen, Testwagen und Tester für die Nass- und Trockentests im verregneten Norden Deutschlands wieder aufeinandertreffen.

Auch bei Nässe kommt’s auf kurze Bremswege an: Wer hier nur eine Wagenlänge schlechter bremst als der Führende, erreicht nur noch die halbe Punktzahl und hat damit kaum eine Chance auf vordere Plätze. Mit rund 35 Metern bremsen Pirelli und Goodyear am besten, bei 36 Metern folgt ein starkes Mittelfeld aus Dunlop, Conti, Falken und Nokian; und mit dem längsten Bremsweg von fast 40 Metern wäre Bridgestone beim Crash für doppelten Totalschaden verantwortlich.

Mit ausgeprägten Stärken bei Nässe überzeugte besonders der neue Goodyear Ultra Grip Performance Gen.1 mit sehr ausgewogenem Handling, hohen Sicherheitsreserven und sehr guter Aquaplaningvorsorge. Auch Dunlop, Conti und Pirelli sind auf nassen Straßen in ihrem Element. Ganz im Gegensatz zu Bridgestone und Yokohama, die auf Nässe gerne über die Vorderräder wegrutschen.

Und auf trockenen Fahrbahnen? Hier sind naturgemäß steifere, weniger stark lamellierte Profile und festere Mischungen im Vorteil. So wundert es wenig, dass Yokohama mit sehr guter Fahrstabilität im Handling wie im schnellen Spurwechsel Bestwerte setzt. Allerdings lässt er sich im Bremsen von Schnee-Crack Pirelli den Schneid abkaufen. Auch seine Nässe- und Wintereigenschaften lassen zu wünschen übrig, und so reicht’s nur für Platz 7 – "Bedingt Empfehlenswert"; eine Bewertung, die er sich mit Bridgestone, Cooper, Falken und GT Radial teilt. Bedingt empfehlenswert bedeutet, dass Reifen, wie etwa Falken und Cooper, bei ausschließlichem Einsatz im Flachland und seltenem bis keinem Schneekontakt, eine ernstzunehmende und zudem preisgünstige Alternative darstellen können.

Ohne Einschränkungen eine Empfehlung wert ist der neue Nokian. Obwohl der WR D4 seine Leistungsfähigkeit in Sachen Nassbremsen im Test nicht unter Beweis stellen konnte, gibt er ein insgesamt positives Gesamtbild abgibt. Am ebenso empfehlenswerten Conti WinterContact TS 850 kommt er aber nicht vorbei. Das gelingt nur den beiden Neuerscheinungen aus dem Hause Goodyear- Dunlop und dem Pirelli Sottozero 3, die mit hervorragenden und ausgewogenen Leistungen in allen relevanten Prüfungen nahezu Kopf an Kopf die Podiumsplätze belegen. Drei Reifen mit der Top-Qualifikation "Sehr empfehlenswert", andererseits kein Reifen, der aufgrund ausgeprägter Schwächen "nicht empfehlenswert" kassiert: Ein solch positives, wenn auch knappes Ergebnis gab es noch nie.

Fazit: Gleich drei neue Reifen schubsen den etwas angegrauten Conti vom Thron. Doch die Testsieger sind nicht gerade billig. Günstige V-Winterreifen für die Mittelklasse gibt es ab knapp unter 100 Euro pro Stück. Gute Markenreifen starten etwas darüber, die Testsieger kosten nochmals 20 bis 50 Euro mehr. Was gibt es dafür? Ein Rundum- Carepaket aus bestmöglichen Eigenschaften auf winterlicher, regennasser sowie trockener Fahrbahn. Muss es immer das Beste, das teuerste sein? Im Grunde nein. Wie der Test zeigt, sind die günstigeren Produkte den Top-Marken schon dicht auf den Fersen. Wirklich schlechte Reifen finden Sie auf diesen Seiten nicht. Doch lohnt das Sparen? Das ist Ihre Entscheidung. Die Preisdifferenz liegt bei rund 200 Euro pro Satz. Selbst eine kleine Beule in der Stoßstange kommt deutlich teurer …

Winterreifentest 2015 - So wurde getestet

Um höchste Genauigkeit und Ergebnissicherheit zu gewährleisten, werden, soweit möglich, sämtliche Versuche in diesem Test mehrfach durchgeführt. In allen Kriterien werden die Produkte nach einem zuvor festgelegten Muster bewertet. Grundsätzlich erhält der beste Reifen eines Versuchs die maximal mögliche Punktzahl von zehn Punkten. Das Bewertungsschema folgt einer progressiven mathematischen Funktion, wodurch sichergestellt ist, dass auch hochwertige, in ihren Eigenschaften nah beieinanderliegende Produkte ausreichend trennscharf bewertet werden können. Beim Handling auf nasser oder trockener Bahn führt ein ausgewogenes, sicheres Fahrverhalten zu einer Optimalbenotung. Der Rollwiderstand der Reifen wird von zwei voneinander unabhängigen Rollenprüfständen nach EU-Regularien ermittelt.

Weitere Informationen zum Thema Reifen finden Sie in unserem großen Ratgeberbereich.

Eine Auswahl an neuen Alufelgen für den Winter sehen Sie hier.

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