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Wirtschaftsfaktor Oldtimer

Foto: ams

Bei der momentanen Diskussion um Fahrverbote und Umweltzonen, CO2-Ausstoß und Ökobilanzen kommt ein Aspekt zu kurz: Die Oldtimerleidenschaft der Deutschen stellt auch einen ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor dar.

21.02.2007 Powered by

Fünf Milliarden Euro Umsatz im Oldie-Gewerbe

In Deutschland gibt es etwa eine Million klassische Automobile, die älter sind als 25 Jahre - weniger als zwei Prozent des gesamten Fahrzeugbestand in Deutschland (54 Millionen Fahrzeuge). Etwa ein Drittel der Oldies (660.000 Fahrzeuge) sind Pkw und davon 560.000 regulär zugelassen.

200.000 Fahrzeuge fahren mit H- oder 07er-Zulassung - alleine das bedeutet ein Kfz-Steueraufkommen von etwa 37,6 Millionen Euro im Jahr. Und in diesen Zahlen sind noch nicht die vielen Youngtimer, Kleinwagen und anderweitig zugelassene Kfz miteingerechnet - genauso wenig wie die mehr als 330.000 klassischen Motorräder.

Argument der spritfressenden Drecksschleuder zieht nicht

Der Durchschnittsverbrauch der Klassiker liegt mit einem Durchschnittsverbrauch von etwa zehn Litern auf 100 Kilometer auf Niveau eines modernen Mittelklasse-Wagens. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die geringe Durchschnittsfahrleistung von weniger als 1.500 Kilometern im Jahr.

Ein Hobby für jeden Geldbeutel

Auf diese Kilometerleistung hochgerechnet ist die Oldtimer-Leidenschaft durch Steuerbelastungen und Unterhaltskosten zwar ein ziemlich teures Hobby. Denn auch die Versicherer kassieren pro Jahr etwa 68,5 Millionen Euro von ihren Oldtimer-Kunden. Allerdings beträgt das Brutto-Haushalts-Einkommen bei mehr als der Hälfte der Befragten weniger als 30.000 Euro und bei weiteren 28 Prozent weniger als 50.000 Euro.

Das Erhalten und Pflegen des Kulturguts Auto ist demnach nicht nur eine Sache der Besserverdienenden. Das spiegelt auch der durchschnittliche Marktwert der Klassiker wieder: 11.000 Euro. Insgesamt kauften und verkauften die Deutschen Fahrzeuge für eine Milliarde Euro. Für den gewerblichen Oldtimer-Markt hat die FIVA ein jährliche Umsatzvolumen von 3,5 Milliarden Euro ermittelt. 

Liebhaber von Oldtimern sind Gemeinschaftstäter

Der soziale Aspekt der Oldtimerei manifestiert sich in den Zahlen für Besuche von Clubtreffen und Ausfahrten (je rund 320.000), Wettbewerben (107.000) und Ausstellungen (fast 400.000).

Dahinter steht ein nicht zu verachtender Wirtschaftsfaktor, wie die Übernachtungszahlen verdeutlichen: Etwa 830.000 mal schliefen die Liebhaber des klassischen Blechs außer Haus. Bei angenommenen 65 Euro pro Übernachtung summieren sich die Umsätze für das Hotelgewerbe auf etwa 54 Millionen Euro. Bei 25 Euro Kosten für Essen trinken kommen weitere 21 Millionen Euro Umsätze für das Gastgewerbe obendrauf - macht zusammen circa 75 Millionen Euro.

Boomender Arbeitsmarkt Oldtimer-Gewerbe

In Literatur und Werkzeug, Kleidung und Modelle werden jährlich 150 Millionen Euro investiert. In Wartung, Teile und Restaurierung stecken die Oldtimer-Freunde 760 Euro für Zubehör und 2.500 Euro - etwa eine halbe Milliarde Euro Umsatz. Die Unternehmen profitieren davon - und damit auch der Arbeitsmarkt, denn 40 Prozent der im Oldtimergeschäft aktiven Unternehmen planen Neueinstellungen.

Folgemärkte sind bei den jeweiligen Zahlen noch nicht beachtet und miteingerechnet: Zusatzgeschäfte werden in den meisten Bereichen generiert, etwa im Versicherungsgeschäft und in den Medien. Mieten für Garagen und Stellplätze sind ebenfalls nicht enthalten.

Überalterung der Oldtimer-Gemeinde

Alarmierend ist bei den Zahlen der FIVA das Altersgefüge der Oldtimerfans. Nur 19 Prozent sind in der wichtigen Zielgruppe zwischen 19 und 40 Jahren, mehr als 50 Prozent sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. Mehr als ein Drittel sind älter als 60 Jahre. Durch die Verschlechterung der Rahmenbedingungen durch die Politik, wie etwa die Herabsetzung der Altersgrenze für 07er-Autos wird es immer schwieriger, besonders auch für die jüngeren Fans, die weniger Geld zur Verfügung haben, ihr Hobby zu verfolgen.

Was nicht oft genug gesagt werden kann

Oldtimerei ist ein Hobby, das auch der Allgemeinheit dient. Klassische Fahrzeuge sind Kulturgut, das für die kommenden Generationen bewahrt werden sollte. Die Gesamtfahrleistungen sind so gering, dass sie unter dem ökologischen Gesichtspunkt kaum nachzuweisen sind. Und, liebe Politiker: Auch die mehr als 500.000 Oldtimer-Freunde haben eine Wählerstimme.

Die in den zehn wichtigsten europäischen Ländern durchgeführte Befragung durch die FIVA (Fédération Internationale des Véhiculo Anciens) verdeutlicht mit konkreten Zahlen die Bedeutung der Oldtimer, ihrer Liebhaber und den mit dem Hobby verbundenen finanziellen Aufwendungen für die Volkswirtschaft.

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