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Wittig

Brasilien knackt Deutschland

Foto: VW

VW-Vertriebs- und Marketingchef Detlef Wittig über die weiteren Wachstumspläne des Autobauers, neue Modelle und den Erfolg in Südamerika.

31.01.2008 Harald Hamprecht

Herr Wittig, 2007 war ein Rekordjahr für den VW-Konzern. Sie haben erstmals mehr als sechs Millionen Autos verkauft. Werden Sie diese Dynamik auch 2008 beibehalten?
Wittig: Wir sind stolz auf die erbrachte Leistung. Zumal ausnahmslos jede unserer acht Marken beim Verkauf 2007 zugelegt hat. Und natürlich werden wir uns auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen. Dieses Jahr werden wir das Vorjahresergebnis übertreffen – und zwar erneut bei jeder einzelnen Marke. Es sieht nicht danach aus, dass wir bei unserer Dynamik auch nur ansatzweise verlieren.

Wird das Plus im einstelligen oder zweistelligen Prozentbereich liegen?
Wittig: Wir gehen vorsichtig von prozentual höherem, einstelligem Wachstum aus. Zuversichtlich stimmt uns schon mal die bisherige Entwicklung der Auslieferungen im Januar. Wir werden hier gut sechs Prozent besser sein als im Januar des Vorjahres.

Woher soll das neue Wachstum kommen?
Wittig: Einen großen Schub erwarten wir 2008 aus den BRIC-Staaten, sprich aus Brasilien, Russland, Indien und China. China ist schon heute unser stärkster Einzelmarkt für die Marke VW. Im laufenden Jahr wird die Marke Volkswagen die Zahl der Verkäufe von 777.500 auf annährend eine Million Einheiten steigern. Brasilien könnte für unsere Kernmarke dieses Jahr der zweitgrößte Markt vor Deutschland werden - erstmals in unserer Geschichte. Im vergangenen Jahr haben wir in diesem südamerikanischen Markt 494.000 Volkswagen Pkw verkauft – und ich rechne dieses Jahr erneut mit einem Zuwachs in der Größenordnung von deutlich über 10 Prozent.

Was erwarten Sie für Deutschland, wo Sie 2007 rund 519.200 VW an Ihre Kunden ausliefern konnten?
Wittig: Westeuropa im Allgemeinen und Deutschland im Speziellen bleiben weiter schwierig. Eine valide Planung ist hier kaum möglich. Bestenfalls erwarten wir eine ganz leichte Steigerung. Denn wir werden auch in Deutschland nicht auf Kosten der Rendite wachsen. Bereits im vergangenen Jahr haben wir keine Fahrzeuge um jeden Preis in den Markt gedrückt, um unsere Statistik zu schönen. Nun können wir uns über niedrige Lagerbestände freuen.

Ihre Neuzulassungen in Deutschland sind für die Marke Volkswagen Pkw 2007 um knapp zwölf Prozent gesunken, während der Markt um neun Prozent rückläufig war. Wie sehr haben Ihre Händler darunter gelitten?
Wittig: Die durchschnittliche Umsatzrendite unserer Händler ist tatsächlich gesunken. Und das ist natürlich kein akzeptabler Zustand, auch wenn wir immer noch um den Branchendurchschnitt liegen. In Westeuropa kommen unsere Händler im Schnitt auf größere Umsatzrenditen, im Vergleich zu Deutschland können die Unterschiede bei zwei Prozent liegen. Daran lässt sich leicht erkennen, dass wir - abgesehen von der Kaufzurückhaltung der Privatkunden - in Deutschland ein strukturelles Problem im Automobilhandel haben. Mit durchschnittlich rund vier- bis fünfhundert Neufahrzeugen im Jahr verkaufen unsere deutschen Partner im europäischen Vergleich einfach weniger.

Mit anderen Worten: Sie haben zu viele Händler in Deutschland?
Wittig: Die Marke Volkswagen Pkw hat in Deutschland insgesamt rund 2.500 Händler- und Servicebetriebe und damit das dichteste Netz. Diesen Wettbewerbsvorteil zu sichern, ist aber keine einfache Übung.

Und die kleinen, finanziell schwächeren bleiben auf der Strecke?
Wittig: Das ist bei den finanziell schwächeren Betrieben zu befürchten, hat aber nichts mit der Größe zu tun. Dabei sind die Kleinen oft markentreuer als die großen Handelsketten, die sich dem Multi-Brand-Ansatz verschrieben haben, aber nicht immer mehrere Marken gleichzeitig mit der gleichen Aufmerksamkeit und Leidenschaft repräsentieren können. Für uns ist aber der kleinere Händler in ländlichen Regionen wichtig, um die Wege für unsere Kunden so kurz wie möglich zu halten.

Und zu allem Übel machen Ihnen ATU, Pit-Stop und Co die Margen im Service-Geschäft streitig. Wie wollen Sie sich dagegen wehren?
Wittig: Im Service-Geschäft sind wir deshalb bereits 2007 mit zahlreichen Maßnahmen und attraktiven Aktionen für unsere Kunden verstärkt in die Offensive gegangen, besonders auch für Kunden mit älteren Fahrzeugen. Das greift und das werden wir weiter ausbauen.

Wie soll diese Offensive aussehen?
Wittig: Dazu werden wir in ein paar Wochen mehr sagen. Lassen Sie sich überraschen!

Von Deutschland nach Russland: Wie wird sich dieser Wachstumsmarkt für VW entwickeln?
Wittig: Im vergangenen Jahr haben wir als Marke Volkswagen rund 32.000 Einheiten in Russland verkauft. In den nächsten drei Jahren wird Russland bestimmt zu unseren zehn größten Einzelmärkten gehören. Darauf sind wir richtig gut vorbereitet - dank unseres neuen Werks in Kaluga, das gerade seinen Montagebetrieb aufgenommen hat und das wir 2009 voll hochfahren werden. Wir können in unserer weltweiten Absatzstruktur also eine wahre Revolution beobachten, eine Verschiebung der Bedeutung von etablierten zu aufstrebenden Märkten.

In Indien sind Sie bislang noch kaum präsent. Wird sich das ändern?
Wittig: Ja, und zwar schon bald. Skoda fertigt bereits erfolgreich seit 2001 in Aurangabad die Modelle Skoda Superb und Skoda Octavia (Bezeichnung im indischen Markt: Skoda Laura) und seit Kurzem auch Audi A6. Mitte 2008 starten wir die Produktion des Jetta, der Passat wird dort bereits seit September 2007 gefertigt. In Pune beginnen wir ab 2009 mit der Produktion des Skoda Fabia und eines Kleinwagens auf Polo-Basis. Die Fabrik in Pune ist auf eine Produktionskapazität von bis zu 110.000 Fahrzeuge jährlich ausgelegt. Beide indischen Werke werden wir mittelfristig vom Produktionsprogramm angleichen, um sie flexibel je nach Nachfrage atmen zu lassen.

Wann verkünden Sie die Entscheidung zum neuen Werk in Tschechien für die künftigen Einstiegsmodelle der Marken VW, Skoda und Seat?
Wittig:
Zuerst einmal muss feststehen, wie dieses Auto in all seinen Varianten aussieht und es muss in unseren Gremien endgültig entschieden werden. Erst wenn das fest steht, werden wir entscheiden, wo produziert wird. Noch haben alle drei tschechischen Skoda-Standorte und etliche andere Werke des Konzerns die Chance, dafür um- und ausgebaut zu werden. Endgültige Entscheidungen sind noch nicht gefallen. Wir lassen uns hier auch noch etwas Zeit.

Wie steht es um das neue Werk in den USA? Laut Medienberichten wollen Sie noch im Januar einem Bauern in North Carolina sein Land abkaufen.

Wittig:
Das ist völliger Quatsch. Hier gibt es keinerlei Vorentscheidung. Wir sind immer noch im Stadium der Analyse und brauchen bestimmt noch ein halbes Jahr für eine Entscheidung.

Kommen wir von Märkten zu Marken. Welche bereitet Ihnen aus Vertriebssicht am meisten Freude?

Wittig:
Prozentual gesehen konnte Bugatti 2007 am stärksten punkten und kam auf ein Verkaufsplus von 80 Prozent – bei insgesamt 81 ausgelieferten Fahrzeugen. Beim Volumen hat Skoda 2007 am stärksten zulegen können, mit einem Plus von fast 15 Prozent auf 630.000 Einheiten. Ich gehe davon aus, dass unsere tschechische Marke auch 2008 die Nase vorn haben wird - und zwar mit einem ähnlich hohen prozentualen Wachstum. Damit bleibt Skoda die am schnellsten und stärksten wachsende Marke des Konzerns. Audi wird in 2008 voraussichtlich die 1 Million Hürde überspringen.

Und Sie haben sich damit - als einstiger Skoda-Chef, der dieses Wachstum eingeleitet hat - ein Denkmal gesetzt. Können Sie als Konzern-Vertriebschef nun auch der spanischen Marke Seat auf die Sprünge helfen?

Wittig:
Seat hat jahrelang darunter gelitten, dass in Sachen Markenführung und Qualität die letzte Konsequenz gefehlt hat. Seat-Chef Schmitt hat das geändert und bei den Auslieferungen schon 2007 den Turnaround geschafft und die Qualität in den Vordergrund gestellt. Jetzt müssen wir aber noch das Produktprogramm komplettieren, etwa mit einem neuen Flaggschiff auf Basis einer B-Plattform.

Werden Sie mit Seat in den US-Markt einsteigen?
Wittig: Definitiv nicht. Das Investment, das nötig ist, um die Marke zur Bekanntheit zu führen, wäre viel zu hoch. In den USA haben wir zudem mit unseren Marken Volkswagen und Audi noch genügend Hausaufgaben zu erledigen. Da brauchen wir weder Skoda noch Seat. Für Seat gibt es noch sehr viel Aufholpotenzial in Westeuropa. In Deutschland etwa haben wir 2007 rund 46.000 Neuzulassungen verbuchen können. Vor sechs Jahren waren es noch mehr als 100.000. Auch in Spanien wollen wir spätestens 2010 wieder Marktführer werden. Das heißt aber nicht, dass wir dem amerikanischen Kontinent komplett fern bleiben. In Mexiko sind wir mit der Marke Volkswagen bereits seit 1954 als Importeur und seit 1967 mit eigener Produktion aktiv und im vergangenen Jahr haben wir dort über 125.000 Fahrzeuge Volkswagen Pkw aber auch 16.500 Seat verkauft. Dieser Seat-Erfolg animiert dazu, das Geschäft in angrenzende südliche Länder auszudehnen.

Der größte weiße Fleck auf Ihrer Weltkarte ist die ASEAN-Region. Wann werden Sie dort endlich richtig Fuß fassen und mit einem eigenen Werk den Absatz ankurbeln?

Wittig:
Die ASEAN-Region ist aus Unternehmenssicht ein besonders schwieriges Thema. Denn es handelt sich dabei nicht um einen einzigen Wirtschaftsraum, sondern um mindestens vier große, unterschiedliche Blöcke mit unterschiedlichen Schutzzöllen: Thailand und Malaysia, Vietnam, Indonesien und Philippinen. Nachdem wir in Malaysia mit Proton zu keinem Ergebnis gekommen sind, prüfen wir derzeit unsere Chancen unter anderem in Thailand. Wie andere Autohersteller auch haben wir uns dort an einer Ausschreibung über eine Fabrik mit 100.000 Fahrzeugen jährlich beteiligt. Bis zu einer Entscheidung seitens der thailändischen Regierung wird es aber noch eine Weile dauern.

Welche Modelle wollen Sie in Ihrem neuen Werk in ASEAN produzieren?
Wittig:
Falls wir uns für Thailand entscheiden, wäre dort der Polo in einer Emerging-Markets-Version denkbar, vielleicht auch in der Blue-Motion Variante.

Wie viele Werke sehen Sie für diese neue Einstiegsvariante vor?

Wittig:
Wir wollen dort produzieren, wo wir verkaufen. In Europa für Europa, in Indien für Indien, in Russland für Russland und in der Asia-Pazifik-Region für eben diese Staaten.

Wie viele Einheiten des Up! wollen Sie fertigen?

Wittig:
Sicher gut eine halbe Million Einheiten pro Jahr weltweit, verteilt auf verschiedene Modell- und Markenvarianten.

Bleibt es beim Marktstart 2010?
Wittig:
Ja, bei einer positiven Entscheidung unserer Gremien könnten wir ab Ende 2010 loslegen.

Wird Ihr bisheriges VW-Einstiegsmodell, der Fox, aus dem Programm genommen, sobald die Up!-Familie auf den Markt kommt?
Wittig: Der Fox ist ein hervorragendes Auto. Sein Absatz leidet in Europa unter dem starken Real. Aber in Südamerika läuft er stark und bleibt im Programm.

Wie lange stehen Sie dem Konzern noch als Vertriebschef zur Verfügung?
Wittig: Ich stehe dem Konzern solange zur Verfügung, wie er mich braucht. Mein Vertrag sieht hier jedenfalls keine kurzfristige Aushilfstätigkeit vor. Die Position des Vertriebschefs für die Marke Volkswagen werden wir kurzfristig besetzen können. Aber auch hier gibt es derzeit noch keine Entscheidungen.

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