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VDA erneuert EU-Klima-Kritik

VDA-Präsident Matthias Wissmann hat auf dem World Mobility Forum in Stuttgart am Dienstag (29.1.) die EU wegen ihrer Klimapolitik erneut scharf angegriffen und ihr vorgeworfen, die Einsparpotentiale, die neue Techniken im Automobil bieten, nicht zu nutzen.

29.01.2008 Ralph Alex

"Die EU-Kommission hat einen starren, bürokratischen Vorschlag gemacht, der sich zu sehr auf die Motortechnik konzentriert", sagte Wissmann. Auch außerhalb der Motortechnik böten sich erhebliche Möglichkeiten, um den CO2-Ausstoß zu senken. Wissmann nannte die Einigung der deutschen Hersteller auf umweltfreundliche Kühlmittel für Klimaanlagen, deren Global Warming Faktor 1.500-mal geringer ist als bei herkömmlichen Mitteln. Neue Reifentechnik erlaube mehr als jene fünf Gramm weniger CO2 pro Kilometer, die von der EU vorgesehen ist. Bis 2020 strebe man außerdem bis zu 20 Prozent Beimischung von Biokraftstoffen der zweiten Generation an. Der Entwurf der EU-Kommission nutze dagegen die Potenziale nicht. Wissmann: "Das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn Bürokraten technische Lösungen vorschreiben."

Wissmann verteidigte die deutschen Autohersteller gegen den Vorwurf, bislang beim Klimaschutz versagt zu haben. "Der CO2-Ausstoß ist seit 1999 um zwölf Prozent gesunken", so Wissmann. Nach neuesten Zahlen ist laut Wissmann der Ausstoß bei Neuwagen aus deutscher Produktion im vergangenen Jahr stärker gesunken als bei ausländischen Herstellern. "Der CO2-Ausstoß neu zugelassener Autos deutscher Hersteller ist 2007 um zwei Prozent gesunken", so Wissmann. Im Vergleich dazu sei der Ausstoß japanischer Neuwagen nur um 0,6 Prozent zurückgegangen. Der Absatz von Autos mit weniger als 130 Gramm CO2-Ausstoß sei 2007 in Deutschland um 35 Prozent gestiegen. "Wir sind noch nicht toll", so Wissmann, "aber es gibt Innovationen."

Bundesumweltamt verteidigt EU-Vorschlag

Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, verteidigte die EU-Kommission und betonte, dass die Entwicklungen deutscher Hersteller zu spät kommen. Troge: "Das hätten wir alles viel früher haben können." Troge erinnerte an die Gespräche 1998 zwischen Autoindustrie und der damaligen Umweltministerin Angela Merkel, in denen sich die Autohersteller zu einer Reduzierung auf 140 Gramm pro Kilometer bis 2008 und 120 Gramm bis 2012 verpflichtet hatten. "Die Zeit seitdem ist weitgehend nicht genutzt worden", so Troge. Dass die Deutschen inzwischen mehr Kleinwagen kaufen, hält Troge für verständlich angesichts steigender Benzinpreise und sinkender Realeinkommen.

Troge warnte vor der Hoffnung, die Grenze von 120 Gramm sei noch verhandelbar. "Hier wurde ein Pflock eingerammt", so Troge. Er mahnte zudem, dass die Grenzen für den CO2-Ausstoß in den nächsten Jahren noch weiter sinken werden. Als nächstes Ziel strebe die EU 95 Gramm bis 2020 an. Es sei deshalb auch aus ökonomischen Gründen bei steigenden Treibstoffkosten sinnvoll, dass die deutschen Hersteller ihre Autos verkaufbar halten, vor allem durch einen geringeren Verbrauch.

Nach Einschätzung des EU-Parlamentariers Kurt J. Lauk (CDU) haben die deutschen Hersteller die freiwillige Selbstverpflichtung erfüllt. In der Selbstverpflichtung seien nämlich auch Faktoren aufgeführt, die zu einem höheren Ausstoß führen dürfen wie zusätzlichen Sicherheitsauflagen und das reale Kaufverhalten der Kunden. So sei aufgrund von Airbag und Fußgängerschutz der Ausstoß um fünf bis acht Gramm gestiegen. Der Flottenausstoß sei außerdem um zehn Gramm durch den Trend zu schweren SUV gewachsen. Bei einem aktuellen Durchschnitt von 158 Gramm pro Kilometer erfüllten die deutschen Hersteller die Selbstverpflichtung 2008 von 140 Gramm.

Deutsche Hersteller im Nachteil

Wissmann kritisierte auf dem Forum erneut, dass die Folgen der EU-Vorschläge die deutschen Hersteller deutlich stärker treffen als die Hersteller in Frankreich und Italien. "Die deutsche Automobilindustrie würde nach dem Dimas-Barroso-Vorschlag besonders hart getroffen. So müsste beispielsweise Daimler den durchschnittlichen CO2-Wert seiner Flotte um 26 Prozent und damit um mehr als das Doppelte senken, verglichen mit dem PSA-Konzern, obwohl Daimler heute nur um knapp ein Drittel höhere CO2-Emissionen hat als PSA", so Wissmann. "Rund ein Drittel der französischen Produkte würde schon heute den Zielwert für das Jahr 2012 erfüllen. Auf diesem bequemen Polster könnten sich unsere Wettbewerber jenseits des Rheins ausruhen, während für die deutschen Hersteller die Latte immer höher gelegt wird. Die EU-Kommission hat sich offensichtlich weniger in den Dienst der Klimapolitik, sondern eher in den der frankophonen Industriepolitik gestellt."

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