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Wolf-Dieter Kurz im Interview

G-Klasse für immer?

Mercedes SL Sitzprobe Gregor Hebermehl L.A. Autoshow Foto: Gregor Hebermehl 7 Bilder

Wolf-Dieter Kurz ist bei Mercedes Leiter der Produktgruppe Sportscars und SUVs. Im Interview stellt er sich den Fragen von auto motor und sport zu aktuellen Trends sowie zur Modellpolitik der Schwaben.

26.11.2015 Gregor Hebermehl
Herr Kurz, Sie sind bei Mercedes zuständig für Sportscars und SUVs - wie passen zwei so unterschiedliche Produkte unter einen Hut?

Wolf-Dieter Kurz: Stimmt, das sind sowohl technisch als auch von den Kundengruppen her zwei vollkommen unterschiedliche Fahrzeugarten. Die Zusammenlegung in einen Verantwortungsbereich entstand letztendlich durch unsere Organisations-Entwicklung. Wir hatten mit der A-Klasse und ihren Derivaten die Frontantriebsfahrzeuge und auf der anderen Seite die Heckantriebsfahrzeuge. Mit den Sportscars und den SUVs blieben zwei Fahrzeugarten übrig, die wir dann in eine Gruppe gepackt haben.

Die Unterschiede zwischen Sportscars und SUVs werden in der Zukunft doch sicher noch ausgeprägter sein, wenn das Thema autonomes Fahren in Serie Realität wird: Sportwagenfahrer werden doch sicher eher selber fahren wollen, während sich ein SUV-Fahrer vielleicht über autonomes Fahren freut.

Wolf-Dieter Kurz: Ich glaube auch, dass es langfristig bei den SUV-Käufern einen größeren Bedarf geben wird, autonom fahren zu können und bei Sportwagen-Kunden die Themen "Fahren" und "fahraktiv" weiterhin im Vordergrund stehen. Bei den Sportwagen wird es Differenzierungen geben: Der Mercedes-AMG GT wird auch auf der Rennstrecke gefahren und der Bedarf an der Fähigkeit, autonom zu fahren, wird geringer sein als bei einem SL, der ja von den Kunden auch für komfortable Langstreckenfahrten genutzt wird.

Können Sie einen Zeitrahmen abschätzen, wann es mit dem autonomen Fahren soweit sein wird?

Wolf-Dieter Kurz: Bereits heute sind die Fahrzeuge ja mit teilautonomen Funktionen ausgerüstet und dies wird sicherlich weiter wachsen. Einen konkreten Zeitpunkt kann man jetzt noch nicht nennen. Es wird da zwischen den Baureihen und in den Systemen einen fließenden Übergang geben.

Mercedes SL Sitzprobe Gregor Hebermehl L.A. AutoshowFoto: Gregor Hebermehl
Mit dem SL ist Mercedes vor allen Dingen in den USA erfolgreich.
Sie haben den Mercedes-AMG GT im Programm und den jetzt frisch facegelifteten SL. Wie lange kann Mercedes es sich noch leisten, zwei verschiedene Plattformen für diese Sportwagen zu verwenden?

Wolf-Dieter Kurz: Wir sehen kundenseitig auf jeden Fall, dass beide Fahrzeuge in ihrem jeweiligen Charakter ihre Berechtigung haben - der GT als Sportfahrzeug und der SL mit mehr Alltagstauglichkeit in seinen Genen. Der GT unterscheidet sich mit seinem Transaxle-Getriebe vom klassischen Heckantriebskonzept, bei welchem wir bessere Platzverhältnisse im Innenraum erreichen. Wie wir damit in Zukunft umgehen werden, sagen wir jetzt noch nicht.

Wenn es schon um die Platzverhältnisse geht: Wäre es nicht sinnvoll, den SL vom reinen Zweisitzer zu einem 2+2-Sitzer zu machen?

Wolf-Dieter Kurz: Dazu kann ich heute noch nichts sagen. Natürlich machen wir uns Gedanken, wie der Nachfolger aussieht - aber es ist noch zu früh, darüber zu spekulieren.

Warum gab es den SL nie mit einem Dieselantrieb?

Wolf-Dieter Kurz: Wir haben uns das genau angeschaut. Der SL geht zu fast 50 Prozent in die USA und dort haben wir im Pkw-Markt bisher nur einen relativ kleinen Dieselanteil. Zudem ist es teuer, einen Dieselantrieb mit der aufwendigen Abgas-Nachbehandlung, wie beispielsweise einem SCR-Katalysator, zu integrieren. Hinzu kommt, dass es aufwendig wäre, einen Dieselantrieb von seiner Geometrie her in den SL zu integrieren. Aus diesen Gründen haben wir beschlossen, bis zum gegenwärtig neuen SL keinen Dieselantrieb anzubieten.

Erlkönig Mercedes SLC 450Foto: Stefan Baldauf
Der neue Mercedes SLC, hier noch als Erlkönig, löst den SLK ab.
Gilt das Gleiche auch für einen möglichen Hybridantrieb?

Wolf-Dieter Kurz: Hybrid ist sicher ein Thema, das wir uns anschauen müssen. Hybride und Elektroantriebe werden in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil zur Erreichung unserer CO2-Ziele sein. Allerdings muss man das Portfolio dann wieder in seiner Gesamtheit betrachten: Welches Auto liefert im Flottenverbrauch welchen Beitrag zur Erreichung der Gesamtverbrauchs-Ziele.

Kannibalisieren sich SL und SLC?

Wolf-Dieter Kurz: Wir sehen, dass der Automobilmarkt inzwischen viele Nischen bedient und sich viele Derivate auf ihm tummeln. Wir sehen aber auch, dass es bisher kaum Kundenwanderungen zwischen SL und SLC gibt, insofern hat jedes dieser Modelle seine Berechtigung.

Ist es denn denkbar, dass Mercedes eine Roadster-Plattform für alle Roadster entwickelt und diese Modelle dann über ihre Abstimmung differenziert?

Wolf-Dieter Kurz: Im Prinzip geht es bei dieser Diskussion weniger um die Frage der Plattform, wir integrieren ein Modulkonzept. Mit diesem Modulkonzept spielen wir Komponenten durch die unterschiedlichen Baureihen über das gesamte Portfolio. Das ergibt für uns den größten Kosteneffekt.

Könnte sich Mercedes vorstellen, auf dem boomenden SUV-Markt mit einem noch kleineren SUV, beispielsweise auf Basis des Smart, vertreten zu sein?

Wolf-Dieter Kurz: Wir beobachten natürlich auch dort die Märkte. Für Smart speziell kann ich keine Aussage treffen. Vom Umsatz her ist klar, dass das Segment der SUVs weiter wächst. Wir freuen uns, dass wir in dieser Hinsicht vom GLA bis zur seit 36 Jahren gebauten G-Klasse ein breites Portfolio im Angebot haben.

Mercedes G-Klasse Modelljahr 2015 FaceliftFoto: Mercedes
Lebt ewig: Die G-Klasse von Mercedes.
Die R-Klasse mit langem Radstand wird in China noch angeboten. Könnte es in Zukunft so einen Van auch wieder für den europäischen Markt geben?

Wolf-Dieter Kurz: Die R-Klasse verkauft sich in China nach wie vor gut. Das liegt auch an der dortigen Gesellschaftsstruktur: Zur Familie gehören auch Oma und Opa, die bei der Fahrt oft mit dabei sind. Die R-Klasse bietet viel Raum und Komfort auch für größere Familien. Fans in Europa wünschen sich eine neue R-Klasse. Aber inzwischen sind wir mit der V-Klasse gestartet, die in diesem Segment weltweit sehr gut funktioniert.

Thema SUV-Cabrio: Range Rover hat sich da jetzt mit dem offenen Evoque herangetraut, Nissan ist mit seinem Murano Crosscabrio gescheitert: Wäre ein SUV mit Cabriodach auch eine Option für Mercedes?

Wolf-Dieter Kurz: Wir sehen uns natürlich an, was der Wettbewerb macht und wie sich die Stückzahlen entwickeln. Wir hatten die G-Klasse ja bis Ende 2013 auch als Cabrio im Angebot, bis die Nachfrage nach dieser Modellvariante nicht mehr groß genug war. Insofern schauen wir mal gespannt, wie der Erfolg von Range Rover mit dem Evoque Cabrio sein wird.

Zum Schluss zur G-Klasse: Land Rover stellt gerade den Defender ein, was muss passieren, damit die G-Klasse nicht mehr weitergebaut wird?

Wolf-Dieter Kurz: Die G-Klasse hat die letzten 36 Jahre durchgehalten, wahrscheinlich hält sie auch noch die nächsten 36 Jahre durch. S-Klasse, SL und G-Klasse sind Ikonen im Mercedes-Portfolio - ich gehe davon aus, dass diese Modelle noch sehr lange fester Bestandteil unseres Angebots sein werden. In Sachen Land Rover Defender kann ich nur sagen: Ich freue mich immer über Wettbewerber, die unser Wettbewerbsumfeld verlassen (lacht). Wir haben es immer geschafft, den G innen und außen zu aktualisieren und frisch zu halten.

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