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World Mobility Forum 2003

Telekommunikation, Vernetzung - Virtuelle Mobilität

Internet im Auto Foto: Beate Jeske

Im dritten Panel des World Mobility Forum 2003 diskutierten die Teilnehmer über Telekommunikation, Vernetzung und virtuelle Mobilität. Neben virtuellem Verkehr waren E-Business und die Verbreitung von Informationstechnologien weitere Themen der Diskussion.

24.03.2000

Frage nach dem virtuellen Verkehr:

Die Hoffnung „physischen“ Verkehr durch „virtuellen“ Verkehr ersetzen zu können, war von Anfang an überzogen. Die Entwicklung der Kommunikationstechnologien hat eine Reihe von Aktivitäten ermöglicht, die keine Ortsveränderungen von Personen voraussetzen, zum Beispiel Teleshopping, -banking, -ticketing und -commuting, oder auch die Videokonferenzen im Bereich der Geschäftskommunikation. Auf der anderen Seite regt vermehrte Kommunikation zu mehr Reisen an. Die Globalisierung der Produktion, Beschaffung und Güterverteilung wäre ohne die Produktions- und Transportbegleitende Information nicht möglich gewesen. Sie hat für starke
Zuwächse im Güterverkehr gesorgt. Per saldo dürften die Verkehrsvermehrenden Effekte der Telekommunikation überwiegen. Cisco-Chef Dohmen: „Die Informationstechnologie hat die Produktivität gesteigert, aber nicht den Verkehr reduziert.“

Frage nach dem E-Business:

Für Kunden und Firmen bieten die Möglichkeiten des E-Business (E-Commerce, MCommerce)
neue Spielräume. Inwieweit diese zu vermehrtem Verkehr führen, ist nicht eindeutig zu beantworten. Denn Kundenfahrten entfallen, während Lieferfahrten im Verteilerverkehr anwachsen. In jenem Falle ermöglichen es die verfügbaren Kommunikationstechniken den Lieferfirmen eher als den Kunden, Touren rational zu planen und Sendungen zu bündeln.

Frage zur Verbreitung von Informationstechnologien:

Der Nutzen neuer Informationstechnologien käme besser zum Tragen, wenn eine schnellere Durchdringung der Märkte und damit eine größere Reichweite für die Informationsübermittlung erreicht werden könnte. Dies setzt a uf der einen Seite eine Standardisierung der Informationssysteme voraus. Zumindest die Schnittstellen sollten für heterogene Informationssysteme so definiert sein, dass mit Hilfe von Middleware -Technologien ein hoher Verbreitungsgrad gesichert werden kann. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die weitere Entwicklung in der Telematik so aussehen, dass Informationen vielfältigster Art zu jeder Zeit und zu jedem Ort für den Konsumenten verfügbar sein werden. Das Problem wird also darin liegen, diese Informationsvielfalt zu ordnen und über geeignete Schnittstellen zusammenzuführen. Auch werden Agentensysteme entwickelt werden müssen, um die Information in geeigneter Form für die individuellen Bedürfnisse der Kunden aufzubereiten.

Frage zur elektronischen Erhebung von Infrastruktur-Nutzungsgebühren:

Mit der Einführung von Infrastruktur-Nutzungsgebühren und deren elektronischer
Abbuchung wird auf einen Schlag eine hohe Reichweite für die Informationstechnologie in einem Marktsegment erreicht. Die hohen Kosten für die Bereitstellung der Infrastruktur lassen sich durch umfassende Mehrdienstwerte, die von den Nutzern abrufbar sein werden, begründen. Im Bereich des Straßengüterverkehrs wird diese Technologie vom Herbst 2003 an im Rahmen der
Einführung von kilometerabhängigen Autobahnbenutzungsgebühren für schwere Lkw (ab 12t zulässiges Gesamtgewicht) eingeführt. Eine Ausdehnung auf weitere Fahrzeugkategorien (leichte Lkw, Pkw) würde die Reichweiten stark erhöhen und die Entwicklung aufwendigerer Mehrdienste eventuell lohnend machen. In der betroffenen Wirtschaft wird diese Option unterschiedlich beurteilt.

Frage zur Vernetzung und Integration von Verkehrsträgern:

Mit einer Verbesserung der Informationstechnologie geht auch die Möglichkeit einher, die Bildung kompletter Transportketten zu beherrschen, welche die Benutzung mehrerer Verkehrsträger einschließen. Im Personenverkehr werden dabei weniger Chancen gesehen (z.B. wird seit längerem Park & Ride angeboten, auf Grund der hohen Systemkosten aber nur verhalten weiterentwickelt) als im Güterverkehr. So lassen sich durchaus rentable integrierte Nachschubketten unter Benutzung von Lkw, Bahn und Schiff vorstellen. Im Bereich des europäischen Güterverkehrs gibt es noch erhebliche Schwachpunkte für die Organisation von
intermodalen Transportketten, wobei Mängel im Transportsystem eine bedeutende Rolle spielen.

Im vertakteten Transport zwischen Standorten der Produktion und des Handels spielt das „Tracking & Tracing“ von Transportgefäßen und Sendungen eine bedeutende Rolle. Unter anderem scheitern an dieser Anforderungen zur Zeit noch die Versuche, die Eisenbahnen Europas stärker am Wachstum des Güterverkehrmarktes zu beteiligen. Nach wie vor gibt es erhebliche Unterschiede bei den Standards für die Informationssysteme verschiedener europäischer Bahnunternehmen, so dass eine lückenlose Verfolgung von Güterwagen oder
Containern über die Grenzen hinweg nicht möglich ist. Weiterhin gibt es noch erhebliche Liberalisierungsdefizite bei den europäischen Bahnen, d.h. der Wettbewerb, der im Straßengüterverkehr seit der Liberalisierung dieses Marktes ab 1985 zu Qualitätssprüngen nach oben und Tarifssprüngen nach unten geführt hat, hat diese Wirkung im Bereich des Eisenbahntransports bislang nicht entfalten können. Daher bestehen Zweifel, ob eine Beseitigung der Schwachstellen bei den Informationssystemen allein ausreichend sein wird, um eine stärkere Integration der Verkehrsträger in Europa zu erreichen. Dr. Maier, Mercedes-Benz: „Eine Diskussion über Telematik für Personenwagen erledigt sich schon dadurch, dass es nicht einmal
gelingt, die Ferientermine zu entzerren.“

Frage zur weiteren Entwicklung:

Im Bereich des Güterverkehrs wird die Individualisierung der logistischen Anforderungen im Vordergrund stehen. Daher werden Standardisierungen bei den Schnittstellen zwischen verschiedenen Informationssystemen erforderlich sein. Hier wird eine starke Aufgabe für die EU-Kommission gesehen, die es zum Beispiel im Falle der Abbuchungssysteme für Verkehrsmauten versäumt hat, hierfür eindeutig Standards zu setzen. Das Satelliteninformations-System Galileo wird einen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit und permanenten Verfügbarkeit von Informationsund Ortungssystemen leisten. Verbunden mit dem UMTS und der Entwicklung von Agentensystemen lassen sich neue Informationsprodukte im Bereich von Mobilität und Transport vorstellen, die den „neuen Markt“ der Zukunft beflügeln können.

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