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World Mobility Forum 2004

"Die Zukunft braucht Visionen" - Visionen müssen immer attraktiv sein

Foto: ams

Der abschließende Diskussionspunkt auf dem diesjährigen World Mobility Forum in Stuttgart stand unter dem Thema: Gibt es eine Vision für die Entwicklung des Verkehrs? Der Moderator der Gesprächsrunde Günter Sabow fragte zurück: "Gibt es feste Ansprüche an Visionen?" Er führte grundsätzlich aus, dass eine Vision, welchen Bereich sie auch immer tangiert, attraktiv sein muss, da sie sonst nicht akzeptiert würde.

24.04.2000

Klaus Töpfer, UN-Umweltdirektor mit Sitz in Nairobi schränkte diesen Standpunkt sogleich ein: "Wir legen Visionen zu langfristig an, und wundern uns dann, das sie nie eintreten." Töpfer führte das Beispiel China an, wo die Regierung die offizielle Vision ausgab, das Bruttosozialprodukt des Reiches bis zum Jahr 2020 zu vervierfachen. "Welche Vision würde für China taugen, für 1,3 Milliarden Menschen? Dies ist mit den gegenwärtigen Strukturen nicht zu erreichen." "Die Frage ist vielmehr," betonte Töpfer weiter, "wann wir denn eine Vision realisieren wollen. Oder anders ausgedrückt: Wir brauchen reale Visionen."

Klaus Töpfer mahnte jedoch auch zur Nachdenklichkeit und zu einer gewissen intellektuellen Verantwortung: "Wir können anderen Menschen auf dieser Welt, diesen 6 Milliarden, nicht die selben Ansprüche an Mobilität absprechen, die wir selbst haben."

"Dass Auto und Schiene bei einem kontinuierlichen Ausbau der Mobilität koordiniert werden müssen", ist für Hartmut Mehdorn, Chef der Bahn AG, keine Frage. "Bahnhöfe zum Beispiel sind auch Teil mobiler Visionen." Die Prozesse ganzheitlich zu sehen, das Miteinander hervorzuheben und nicht das Gegeneinander, ist für Mehdorn der Schlüssel. "Jeder der sich mit Mobilität befasst, ist gut beraten, das Umfeld genau anzusehen. Mobilität ist Teil des Wohlstands. Die Politik muss Veränderungen nachvollziehen. Die Frage ist erlaubt: Brauchen wir noch einen Verkehrsminister, oder brauchen wir nicht eher einen Mobilitätsminister?"

Jürgen Gallmann von Microsoft Deutschland wagte die These, dass es nicht darum geht, "ob wir mehr Verkehr haben oder weniger." Sondern darum, moderne Mittel einzusetzen. Gallmann rechnete vor: "1970 legte der statistische Deutsche pro Tag 17 Kilometer zurück. Bis 2010 werden es 50 bis 70 Kilometer pro Tag sein. Aber es gibt ja auch Möglichkeiten, unterwegs Informationen zu nutzen." Informationen jederzeit und überall verfügbar zu machen, ist nach seiner Meinung nach auch eine Form der Mobilität. "Wir befinden uns auf dem Weg in eine Echtzeitgesellschaft. Der Zugriff auf Informationen aller Art muss und wird immer einfacher werden."

Rainer Grohe von Galileo Joint Undertaking bestätigt diese Auffassung: "Ich habe das Glück, mit Galileo an einer Vision mitarbeiten zu können, die auch realisiert werden wird." Und er begründet die Notwendigkeit eines eigenen europäischen satellitengestützen Navigationsystems: "Das amerikanische Global Positioning System GPS ist ein rein militärisches System, gebaut von und für Militärs."

Auch und gerade weil dieses GPS "einen immensen Einfluss auf die Volkswirtschaft weltweit hat, wäre es fahrlässig, sich lediglich auf ein einziges System zu verlassen." Und er verspricht: "Die Leistungsfähigkeit von Galileo wird präziser sein. Der eigentliche Zweck von Galileo aber ist die bessere Verfügbarmachung der bestehenden Infrastruktur."

Der amerikanische Architekt Greg Lynn führte an: " Elemente der Infrastruktur sind nicht nur Straßen, sondern auch Brücken und öffentliche Monumente. Dies hat ja auch etwas mit Image zu tun."

Die Diskutanten waren sich gegen Ende der Diskussion darüber einig, dass Mobilität als ein ganzheitlicher Prozess zur Gestaltung einer Gesellschaft gesehen werden muss. Allerdings mahnte Klaus Töpfer: "Die Zuständigkeit für Visionen darf nicht verstaatlicht werden."

Die Aussichten für die Auswirkungen der steigenden Mobilität speziell in der erweiterten EU sind komplex, aber durchaus positiv. Der Gesprächsbedarf wird nicht geringer werden. 2005 steht ein weiteres hoch interessantes und zunehmend aktuelles Thema auf der Agenda des nächsten World Mobility Forum: China und der asiatische Raum als der größte Wachstumsmarkt der Welt.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster schloss das Forum mit den Worten ab: "Wir brauchen Visionen. Auch als Grundlage staatlichen Handelns." Uwe Brodbeck, Geschäftsführer des World Mobility Forum, hatte nur einen Wunsch zum Abschied: "Kommen Sie alle im nächsten Jahr wieder."

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