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Yellow Press

24 Stunden-Projekt, Aston Martin

Foto: 12 Bilder

Die britisch/deutsche Allianz zwischen Aston Martin und sport auto hat sich beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring in mehrerlei Hinsicht als tragfähig erwiesen – dank eines äußerst souveränen Hauptakteurs 

28.08.2006 Horst von Saurma Powered by

Auf die spannende Frage, ob man es schafft, das härteste Langstreckenrennen der Welt, das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, mit einem neuen Auto, einer ortsfremden, Renn-unerfahrenen Service-Crew und einer alters- und herkunftsmäßig bunt zusammengewürfelten Fahrer-Equipe erfolgreich zu Ende zu fahren, gäbe es aus berufenem Mund wahrscheinlich nur eine Antwort: „Eindeutig zum Scheitern verurteilt – gar nicht erst versuchen!“  Unter dem Diktat einer nüchternen Risikoabwägung wäre das ambitionierte 24h-Projekt von sport auto und Aston Martin also vermutlich schon im spirituellen Ansatz zum Scheitern verurteilt gewesen.  Doch es kam wie vieles unerreichbar Scheinende trotzdem zum Laufen – und nicht nur das: Der am 17. Juni um 15 Uhr mit der Startnummer 8 an den Start gegangene, technisch so gut wie serienmäßige Aston Martin Vantage V8 beendete das Rennen in der Klasse über vier Liter Hubraum hinter den hochkarätigen Rennboliden Dodge Viper, Lamborghini Gallardo und Audi RS4 auf dem vierten Platz und fuhr im Gesamtklassement auf einen achtbaren 24. Rang.  

Was für eine glückliche Fügung, welch ein Wunder, könnte man meinen. Doch so naiv will sich natürlich keiner der Beteiligten in das Wagnis gestürzt haben – weder der Leiter des Projekts, Chris Porritt, noch sein Experten-Kollege Wolfgang Schuhbauer, die sich beide nach den einschlägigen Erfahrungen aus Tausenden von Testkilometern mit dem Vantage auf der Nordschleife sowohl vor dem Rennen, als auch währenddessen immer wieder zutiefst überzeugt zeigten: „Der schafft das!“  Ob es allein die Leidenschaft war, die ihn als Person und Fahrer auf der einen und als Vorstandsvorsitzenden von Aston Martin auf der anderen Seite zu diesem risikobehafteten Engagement an den Ring trieb, oder auch die Überzeugungskraft der übrigen Drahtzieher des Projekts, blieb im begeisterten Trubel nach der erfolgreichen Zieldurchfahrt ungeklärt. Am glänzenden Blick von Ulrich Bez ließ sich jedenfalls ablesen, dass Erfolge im Motorsport selbst in den Augen veritabler Auto-Bosse nicht zwangsläufig am Treppchen festgemacht werden müssen – wenn man nur mit der richtigen Philosophie und realistischen Vorstellungen an den Start geht.  „Wir wussten ja“, so 24-Stunden-Debütant Bez, „dass der Serien-Vantage kein Siegerfahrzeug sein kann, aber wir hatten natürlich berechtigte Hoffnungen, dass die sportlichen Gene des Vantage und seine Zuverlässigkeit ihn weit nach vorne bringen können.“ Dass es genau so gekommen ist, lag zum einen an der Strategie, die unter dem Motto „no risk – more fun“ firmierte, und zum anderen an der minutiös ausgetüftelten Regie seitens des Teamchefs Graham Humphrys, im Hauptberuf Sportkoordinator von Aston Martin. Unter den mit ausgesucht britischer Höflichkeit übermittelten Funksprüchen gab es zuweilen Durchsagen, die das Grundverständnis vom Rennfahren scheinbar konterkarieren: „ Don’t push – you’re too fast“!  Dass schnellere als die vorgegebenen Rundenzeiten wegen des damit verbundenen höheren Spritverbrauchs vor dem Hintergrund begrenzter Tankkapazität nicht immer zielführend sind, haben Rennstrategen wie Humphrys, der schon mehrere  Le Mans-Siege dirigiert hat, natürlich eher verinnerlicht, als im stetigen Konkurrenz- und Klassenkampf befindliche Fahrer.  So wurden die Rundenzeiten in Hinblick auf das minimierte Risiko bei Zeiten um 10.30 Minuten sozusagen „eingefroren“. Dass dem Vantage auf diese Weise rund eine halbe Minute pro Runde geschenkt wurde, ließ sich verschmerzen, weil so längere Stints gefahren werden konnten und das beträchtliche Risiko, bei einem der anfangs 220 Konkurrenten im Feld anzuecken oder den Aston des nächtens auf Öl in die Planken zu setzen, deutlich minimiert wurde.  Vom Cockpit des Aston Martin aus betrachtet verlief das Rennen damit in einer Regelmäßigkeit von fast schon astronomischer Ordnung: keine Panne, kein Defekt – nicht mal eine Beule oder ein Kratzer. Die ansonsten extreme Anziehungskraft des Vantage V8 zeigte bei den Konkurrenten glücklicherweise keine Wirkung, sodass abgesehen von den gleichfalls geordneten Boxenstopps während des Rennens immer mal wieder die Frage auftauchte, warum denn die anderen um einen herum solch nervöse Hektik verbreiten.  Ausgestattet mit der herrlichen Kraft eines großen Hub- raums und mit der Leichtigkeit des Seins in diesem auch im Renntempo absolut umgänglichen Sportwagen verwunderte es am Ende noch mehr, dass die Gegner im Ziel nach 24 Stunden so gottfroh waren, den Marathon hinter sich gebracht zu haben. Der Aston Martin-Mannschaft hätte eine Verdoppelung der Renndistanz gut ins Konzept gepasst – dem Vantage V8 als Hauptakteur sicher auch. 

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