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Creme 21 Youngtimer-Rallye

Qualm-Sonntag

Youngtimer-Rallye Creme 21, 2009 Foto: Hardy Mutschler 60 Bilder

Die achte Creme 21 führte durch den Schwarzwald, durch die Pfalz, den Hunsrück, Luxemburg und die Eifel. Einige der Teilnehmer behaupten, es könnte sich diesmal um die bisher kurvenreichste Ausgabe der Youngtimer-Rallye gehandelt haben.

26.10.2009 Michael Schröder Powered by

Wie aus dem Nichts schießt der silberfarbene Isdera Imperator aus dem Nebel hervor und hängt sich für einen Moment an des Heck eines Volvo 780 Bertone, um das Schweden-Coupé bei nächster Gelegenheit aufzuschnupfen.

Das knallbunte Starterfeld geht in Ludwigshafen auf die Strecke

Nur Sekunden später sind der potente Flügeltürer, powered by Mercedes , und der elegante Volvo wieder in jener grauen Suppe verschwunden, die sich am vorletzten Sommerwochenende erbarmungslos über den Schwarzwald gelegt hat. Bisweilen reicht der Blick kaum 100 Meter weit, was für die Teilnehmer der Creme 21 jedoch noch lange kein Grund ist, Trauer zu tragen. Die 125 Teams haben sich auf vier Tage Autofahren eingestellt - und so, wie es aussieht, lässt sich niemand durch etwaige Wetterumschwünge den Spaß verderben.

Gut zwei Stunden zuvor war in Ludwigshafen der Startschuss zur achten Ausgabe der bereits lange ausgebuchten Youngtimer-Rallye gefallen. Ein BMW M 635 CSi führt das Feld an, als ginge es ab dem ersten Kilometer um den Gesamtsieg in der Tourenwagenmeisterschaft, ihm folgt im Minutenabstand ein knallbunter Konvoi aus den Jahren 1968 bis 1989. VW, Audi, BMW, Porsche und Mercedes dominieren traditionell, zusätzlich sind ein paar Kandidaten im Feld der Biedermann-Schüsseln unserer Väter erschienen, die einige Teilnehmer bis dahin nicht einmal vom Namen her kannten (Lotus Eclat) oder die einst beim Quartett-Spielen leistungs- und hubraummäßig nur schwer zu schlagen waren (Aston Martin V8 Vantage).
Keine Pokale, kein Zeitdruck - dafür jede Menge Fahrspaß und Gaudi

Das untere Ende der PS-Skala markieren ein Fiat 500 sowie ein Panda 34. Dessen Besatzung ist bis zur letzten Minute damit beschäftigt, einen Tripmaster zu kalibrieren, der vermutlich so teuer wie das komplette Auto gewesen sein dürfte. Doch eigentlich hat es sich in der Szene längst herumgesprochen, dass die Creme anders funktioniert, dass man Stoppuhren und ähnliches Rallye-Zubehör getrost zu Hause lassen darf. Und dass es auch keine Pokale gibt.

Weil man am Ende aber doch irgendwie einen Sieger ermitteln muss (und weil so ein Event ohne Wettbewerbscharakter einfach viel zu langweilig wäre), haben sich die Veranstalter auch diesmal wieder ein paar Spielchen am Straßenrand ausgedacht. Zum Beispiel aus einer Unmenge von Buchstaben innerhalb einer Minute möglichst viele Wörter legen. Oder munteres Automobilhersteller-Raten, wenn einem nur das Firmenlogo vor die Nase gehalten wird. Klingt einfach. Ist es aber nicht. Viele erkennen zwar gerade noch Mazda oder Subaru, die meisten müssen jedoch bei Holden, Vauxhall, De Tomaso, Pontiac, Maybach, Oldsmobile oder Infiniti passen. So etwas sorgt natürlich für Diskussionsstoff.

Und weil man zudem auch noch jede Menge Punkte vergeigt hat, kommen Ehre und Sportgeist ins Spiel. Die Creme 21 gerät allmählich in Fahrt. Das muss sie auch, weil am ersten Tag rund 400 der insgesamt knapp 1.200 Kilometer langen Route abzuspulen sind. Alles Landstraße, Ehrensache. Die formidable Streckenführung (Kompliment an die Roadbook-Scouts) windet sich auch noch über die hinterletzte Kurve im nördlichen Schwarzwald, führt den Tross durch tief eingeschnittene Täler und bewaldete Hochplateaus. Die Region präsentiert sich vielerorts weltabgeschieden, herb und bisweilen so, als sei die Zeit - ganz im Sinne der Creme 21 - in den siebziger und achtziger Jahren stehen geblieben.

Auf 23 PS getunter Fiat 500 donnert über die Schwarzwaldhochstraße

Trotz eingeschränkter Sicht ist besonders für die vielen Nordlichter im Starterfeld der Abstecher über die Schwarzwaldhochstraße der eindeutige Höhepunkt. "Zum Glück haben wir die Leistung unseres Autos zuvor um satte 30 Prozent steigern können", schmunzelt Marita Deckers, die zusammen mit Michael Fletzoreck den zuvor erwähnten Fiat 500 bewegt. Die Rede ist von stolzen 23 anstelle der serienmäßigen 18 PS. "An den Steigungen wären wir sonst erst recht verhungert."

Bergab - dass mussten einige Teilnehmer zu großen Überraschung feststellen -, ist es dagegen gar nicht so einfach, sich an diesem hochmotiviert bewegten Floh vorbeizudrücken, wenn er erst einmal in Schwung ist. Für das Team aus Grevenbroich ist es bereits die vierte Creme 21. Und ganz im Geist der Veranstaltung treten die beiden stets in historisch korrekter Freizeitkleidung an, deren prilblumenartige Farbgebung heutzutage bei einigen Mitbürgern vermutlich halluzinogene Störungen hervorrufen würde.

Der Tag endet für viele erst sehr spät im Automuseum Dr. Carl Benz in Ladenburg, dessen Anmutung und Inventar jedoch kaum zum Spirit der Veranstaltung passt. Nicht wenige (vor allem die Beifahrer) wirken arg strapaziert, hätten sich für den Anfang vielleicht weniger Kilometer, dafür umso mehr Stopps gewünscht, um Autos zu bewundern und um mit deren Besatzungen zu plaudern.

Abflug ins Grüne: Aston Martin auf der Rennstrecke Colmar-Berg

Tag zwei. Das Roadbook führt durch den Pfälzer Wald und weinig späterdurch den Hunsrück. Die stärkeren im Feld, allen voran die Porsche-911-, BMW-M- und Audi- Quattro-Fraktion, leiden angesichts der bisweilen girlandenartigen Streckenführung unter akutem Rallye-Fieber. Ein Z1-Pilot stellt fest, dass Felsen nun einmal härter als Alu-Felgen sind, und in Orten wie Kirrweiler oder St. Wendel sorgt der Auftritt eines flügeltürigen De Lorean oder grollenden Plymouth Valliant für überraschte Bewohner. Hannibal und seine Elefanten wären vermutlich kaum weniger aufgefallen.

Am Nachmittag wagt sich die Creme mit einer Runde durch Luxemburg samt Übernachtung zum ersten Mal ins Ausland. Eines der Etappenziele, das Goodyear- Technikzentrum in Colmar-Berg, hat bereits vorab für glänzende Augen gesorgt. Exklusiv für die Creme 21 öffnet der Reifenhersteller seine hauseigene Teststrecke und gestattet jedem Team drei Runden auf dem rund 4,5 Kilometer langen Kurs, hinter einem Pacecar wohlgemerkt. Vermutlich wären ein paar ohne Führungsauto gleich beim ersten Turn über den Rand der Steilkurve hinausgeschossen. So bleibt es nur bei einem Abflug ins Grüne, weil der V8 Vantage von seinem Piloten eine Spur zu hastig durch eine der Kehren getrieben wird.

Alle anderen wundern sich darüber, was auf dem klebstoffartigen Asphalt mit ihren Autos in der Quere geht und haben endlich was zu reden, diskutieren Fahrstil, Reifenwahl und Fahrwerkseinstellungen. Das Feld lernt sich kennen, entwickelt sich zu einer verschworenen Gemeinschaft.

Monumente der Zeitgeschichte fliegen am Wegesrand vorbei

Dritter Tag. Gleich nach dem Start fegt der Tross durch das von Felsen gesäumte Müllerthal in der sogenannten Luxemburger Schweiz. Großes Kino, wie auch die folgende Etappe quer durch die Eifel. Dort scheitern ein Golf GTi und ein Elfer über viele Kilometer grandios an den Fahrkünsten von Sandra Haberkorn, die einen selbstverständlich in Orange gehaltenen T2 Westfalia von der Creme 21 GmbH fast schon im Stil einer Michelle Mouton durch den Streckenwirrwarr scheucht. Lachend gesteht sie wenig später ihr Geheimnis: Fahren ohne zu bremsen. Ihre Stopper seien schon bei der letzten Creme am Ende gewesen.

Gerolstein, schließlich der Schluss-Spurt für heute in Richtung Düsseldorf, vorbei am Großkraftwerk Niederaußem. Ein rascher Blick aus dem fahrenden Auto heraus muss reichen. Monumente der Zeitgeschichte entlang der Strecke entdecken, bisher eine Stärke der Creme 21, war diesmal offensichtlich nicht vorgesehen. Am letzten Tag servieren die Organsiatoren schließlich doch noch eine Prise Industriekultur: die Rallye endet direkt vor dem Bayer Kommunikationszentrum (Bay Komm) in Leverkusen. Dort präsentiert der Konzern seinen K 67, das erste vollkommen aus Kunststoff hergestellte Auto der Welt. Die Farbe des kleinen Sportwagens? Natürlich Orange. 

VeranstaltungInternetseite
Le Mans Classicwww.lemansclassic.com
Silvretta Classicwww.silvretta-classic.de
Creme 21 Rallyewww.creme21-rallye.de
AvD Histo-Montewww.avd-histo-monte.com
Goodwood Festival of Speedwww.goodwood.co.uk
Techno Classica Essenwww.siha.de
Klassikwelt Bodenseewww.klassikwelt-bodensee.de
Classic Days Schloss Dyckwww.schloss-dyck-classic-days.de
Mille Migliawww.1000miglia.eu
Eifel Classicwww.eifelclassic.de
Goodwood Revivalwww.goodwood.co.uk
Eifelrennenwww.adac-eifelrennen.de
Schloss Bensberg Classicswww.SBC2009.de
ADAC Trentino Classicwww.adac.de
Gran Premio Nuvolariwww.gpnuvolari.it
Gaisbergrennenwww.src.co.at
Retro Classicswww.oldtimermesse.com
Sachsen Classicwww.sachsen-classic.de
AvD-Oldtimer-Grand-Prixwww.avd-oldtimer-grand-prix.de
Retro Classic meets Barockwww.retro-classics-meets-barock.de
Villa d‘Estewww.concorsodeleganzavilladeste.com
Tour Autowww.tourauto.com
LeJogwww.hero.org.uk
Vintage Nürburgringwww.vintage-nuerburgring.de
Ennstal Classicwww.ennstal-classic.at
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