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Zentralschweiz mit Wohnwagen und Triumph

Foto: Reinhard Schmid 13 Bilder

Pässetaumel und Kurvenglück– erfahren mit einem Wohnwagengespann samt Triumph-Motorrad im Heck. Vom Kurvensurfen de luxe in der Zentralschweiz, frei von Risiken und Nebenwirkungen.

12.07.2007 Jörn Thomas

Aufgeregt hüpft sie in ihrem strammen Haltegeschirr, stiert wie paralysiert aus den Scheinwerferaugen. Sie will raus. Jetzt. Runter von der Rampe, Federn entspannen, Gummis stretchen, Motoröl anwärmen. Die Triumph Speed Triple scheint zu ahnen, dass sie kurz vorm Ziel ist und es für sie losgeht. In Andermatt, Zentralschweiz. Unscheinbar, verschlafen, aber gesäumt von einer mordsmäßigen 3.000er-Korona: Gotthard, Furka, Oberalp, Grimsel, Nufenen. Hier trifft Gourmet-Asphalt auf Kehren- Inflation. Ein Dorado nicht nur für 130 PS starke Naked Bikes.

Wohnwagen mit 6,40 Meter Länge

Wer die Preise für Kost und Logis bei den Eidgenossen scheut und seinen Allerwertesten nicht schon auf der Motorrad-Anreise wundscheuern und regentränken möchte, der greift zum tandemachsigen Multifunktions-Tool. Dethleffs Vari, rund 6,40 Meter lang: Transportkompetenz trifft Herberge. Vulgo Wohnwagen, geliebt und verdammt. Doch Vorurteilspfleger können entspannen. Es gibt ein Deichsel-Leben abseits von Jägerzaun und Gartenzwerg.

Zumal im Innern die Zeit des Gelsenkirchener Barocks abgelaufen ist. Heute kocht Mann am dreiflammigen Gourmet-Center mit geteilten Glasabdeckungen mehr als nur Dosenravioli. Und umgeben von swingenden Formen, warmen Holztönen und dezent-robusten Stoffen bekommt nicht mal die Ikea 2.0-Generation einen Geschmackskrampf. Sogar der Fußboden in authentischer Parkett-Optik fügt sich ins Bild. Er ist aus abwaschbarem Kunststoff – falls mal ein Schuss Oliven- oder Motoröl danebengeht.

Zugmaschine: Audi A6 2.7 TDI Avant

Motoröl, genau. Schließlich logiert das Motorrad auf der Anreise im Wohnwagen. Geschützt vor den Elementen – dunklen wie wetterseitigen. Einlass bietet das Heck in Gestalt einer großen Klappe mit herausziehbarer Rampe. Ist alles verpackt, gleitet man mit der beruhigenden Gewissheit hinter das Zugwagen-Steuer, das komplette Freizeit-Equipment unter Dach und Fach zu haben. Motorrad, Fahrräder, Kinderwagen, Klappstühle – alles passt hinein. Der Trailer macht beim Volumen fast auf 7,5-Tonner, ist aber limitiert durch Anhängelast und Zuladung. Und die wringt beim ersten Achtprozenter jedes der 380 Newtonmeter aus unserem Audi A6 2.7 TDI. Auf der Autobahn hilft das Gespann bei der Entdeckung der Langsamkeit. Tempomat auf 100, da blubbert selbst bei Speedfreaks der Puls um 60.

Bis zur ersten Kehren-Packung, wenn im Extra-Rückspiegel nur noch die Flanken des Trailers auftauchen – ohne Ahnung davon, wo sich die Zwillingsachsen gerade rumtreiben, ob das Heck schon auf der Gegenspur streunt. Da möchte man dem offensichtlich Pässe sammelnden Turbo-Elfer-Piloten "Lusche!" hinterherrufen.

Nichts für Luschen ist der Campingplatz Andermatt. Ein geharkter Schotterplatz samt aus dem Boden ragenden Strom-Zapfpunkten. Frontalpragmatismus in Reinkultur. Immerhin sind die Waschräume sauber und die Duschen heiß. Das Bier fröstelt im Kühlschrank, während die Bergflanken im Abendlicht zu verglühen drohen. Auf dem Weg zum Waschraum ein Camper-Plausch mit Ernst. Er, 72, urlaubt seit den Sechzigern mit seiner Frau, 75, und im VW Bus. Sie, aktuell von einer Hüft-OP genesen, erfüllt sich den Traum, den Gotthard erstmals zu Fuß zu erwandern – erfolgreich, wie Ernst glückselig rapportiert.

Karawanen auf den Pässen

Auch der nächste Tag beginnt glückselig: Die Berge liegen da wie ein Faller-Diorama. Satt begrünte Hänge, hellgrau aufgefaltete Felsen umkurvt von Straßen, durchzogen von Tunnels. Erst auf den zweiten Blick registriert man die in den Fels oder unter die Erde implantierten Bunkeranlagen. Fanale der Wehrhaftigkeit, von denen uns Karl berichtet, ein knorriger Einheimischer, der mit seinem ledrigen Luis-Trenker-Gesicht bei jedem Heimatfilm-Casting abräumen würde. Und von der Ruhe schwärmt, als das Urserental noch nicht vom Reiseverkehr geflutet wurde und keine Wohnmobil-Karawanen die Passstraßen im Sommer blockierten.

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