Zetsche: Trennung von Chrysler in letzter Minute

Der Daimler-Konzern hat sich nach den Worten seines Vorstandschefs Dieter Zetsche angesichts der Immobilien- und Finanzkrise in den USA in letzter Minute von seiner US-Beteiligung Chrysler getrennt.

Nur eine Woche nach dem Abschluss des Handels Anfang August wäre die Transaktion nicht mehr durchsetzbar gewesen, sagte Zetsche am Mittwochabend (21.11.) vor dem "Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten". Nun sei Daimler mit einer kerngesunden Bilanz wieder auf einem guten Weg. Die Produktqualität habe sich deutlich verbessert und der Konzern werde vor Steuern und Zinsen (EBIT) mindestens 8,5 Milliarden Euro verdienen.

Die Risiken aus dem verbleibenden Chrysler-Engagement von 19,9 Prozent bezeichnete Zetsche als begrenzt. Der Konzern verfüge über reichlich Liquidität. Zetsche bestätigte, dass Daimler in Gesprächen mit BMW stehe, um mögliche gemeinsame Projekte auszuloten, etwa im Bereich der Motorenentwicklung. Das stehe aber nicht im Zusammenhang mit möglichen Änderungen im Aktionärskreis. Der Daimler-Vorstand strebe nicht unbedingt nach einem Großaktionär wie bei BMW und VW. "Das wir auf der Lichtung stehen, halte ich nicht für schlecht", sagte Zetsche.

Das Management müsse unter jeder Eigentümerkonstellation den Wert des Unternehmens optimieren. Wegen des hohen Streubesitzes bei Daimler hatte es Gerüchte gegeben, nach denen sich Investoren wie etwa die BMW-Eignerfamilie Quandt bei Daimler einkaufen könnte. Über eine mögliche Zusammenarbeit werde jedoch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden, sagte Zetsche.

EADS-Anteil halten

An der Beteiligung an dem Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS will Zetsche vorläufig festhalten, obgleich es nicht zum Daimler-Kerngeschäft gehört. Er erwarte von EADS und Airbus erhebliche Wertsteigerungen. Insofern wäre es im Sinne der Aktionäre eine schlechte Entscheidung, die Anteile zu verkaufen, erklärte Zetsche. EADS benötige auch eine gewisse Stabilität. Daimler habe die Kapitalbindung bei EADS durch den Verkauf von Anteilen bereits halbiert. Nach 2010 werde man weitersehen.

Im Zusammenhang mit der aktuellen Klimadiskussion setze Daimler mittelfristig auf die Brennstoffzelle, sagte der Daimler-Chef weiter. Bis diese Technik marktreif sei, arbeite der Konzern an benzinsparenden und abgasarmen Verbrennungs- und Dieselmotoren. Ab 2010 solle eine S-Klasse angeboten werden, die auf 100 Kilometer nur noch 5,4 Liter verbrauche. Auch setze Daimler auf Bio-Kraftstoffe der zweiten Generation.

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dpa

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