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Zu Gast beim Skoda-Oldtimer Spezialist

Der Skoda Restaurierungs-Papst

Skoda Odltimer Experte Foto: Lindloff 8 Bilder

Gäbe es einen Doktortitel für Skoda-Oldtimer, Jens Herkommer hätte ihn. auto motor und sport online schaut hinter die Kulissen des Kfz-Meisters aus dem Erzgebirge, der für jede Aufgabe rund um die betagten Tschechen eine Lösung findet.

20.06.2010

Wer Jens Herkommer besuchen will, muss hoch hinaus. Vom Schwarzwasser, dem durch die ehemalige Bergbaustadt Schwarzenberg rauschenden Flüsschen, führt
eine Straße mit 16 Prozent Steigung hinauf zur Adresse des Skoda-Oldtimerspezialisten. Dort weckt Herkommer gerade sein jüngst fertiggestelltes Projekt zu einem zünftigen Frühstück: dem Probelauf über die kurvigen Bergstraßen seiner Heimat, die gut 15 Kilometer von Tschechien entfernt liegt. In nur einem Jahr entstand aus dem braven Familienauto, das der Skoda-Enthusiast an der holländischen Grenze erstand, ein 130 PS starker Rallyewagen im Stil eines Skoda 130 LR.

Der Skoda 130 LR-Repro ist ein Leichtgewicht

"Das Auto wiegt nur 850 Kilogramm", betont der Sachse und weist auf das akribisch durchlöcherte Heck. Das Spiel zwischen dem Entfernen unnötiger Pfunde und dem Aufbau erforderlicher Muskelmasse hat er am Schreibtisch fein austariert. Herkommer startet den Motor. Bitte Platz nehmen. "Allein die Sicherheitszelle wiegt 55 Kilogramm", erklärt er während der Fahrt via Gegensprechanlage und Kopfhörer.

Muss denn der Kofferraumdeckel bei einem solchen Auto aus Kohlefaser sein? "Das spart 30 Pfund", sagt er und orgelt den Vierzylinder im Heck zur Höchstdrehzahl. "Ist das erste Mal für den Motor", grinst Herkommer und legt mit dem Schalthebel den dritten Gang ein. "Sequenziell, sechs Gänge, die Gangräder kommen aus Tschechien, der Rest ist selbst gebaut."

Eigenbau-Elemente am Skoda 130 LR-Repro sind der ganze Stolz

Im Stil eines Rallyebeifahrers auf einer Sonderprüfung erklärt Herkommer sein Auto. Das Eigenbaugetriebe ist dabei sein größter Stolz. Der Motorsport spendete zwar den Zündfunken für Herkommer, doch der gesamte Antrieb des Erzgebirglers funktionierte schon immer anders als bei den meisten Altersgenossen. Erst tüftelte er den Einzylinder seiner 50er Simson bis zur letzten Schraube aus, bevor er bei ADMV Bergsprints startete.

Drei Mal gewann er den gedrechselten Wanderpokal aus Holz, ehe er ihn behalten durfte. Bis heute hat die Trophäe von 1987 einen Stammplatz in seinem Büro. Einer, der sich mit bestehenden Verhältnissen nicht zufrieden gibt, passte allerdings nicht ins politische System der DDR. Trotz bester Noten in der Berufsschule durfte er die Lehre zum Automechaniker nicht vorzeitig beenden, wie es bei diesen Schulleistungen üblich war.

In der DDR war ein Cabrio kaum zu bekommen

Neben seiner eigentlichen Ausbildungsstelle in der örtlichen Skoda-Werkstatt zog es ihn auch immer wieder zu einem zweiten Lehrherren: einem mit alten Skoda Octavia- und Felicia-Modellen erfahrenen Meister. "Zum Glück kam die Wende", erinnert sich Herkommer, der bald der jüngste Kfz-Meister Sachsens wurde. Mit seinem Wissen um die Skoda Modelle aus den fünfziger und sechziger Jahren fasste er den Mut, eine Simson S50 und eine Schwalbe gegen einen restaurierungsbedürftigen Skoda Felicia zu tauschen. "In der DDR war an ein Cabriolet praktisch nicht ranzukommen", erzählt der 40-Jährige.

Die Skoda Felicia war Herkommers erstes großes Projekt

Mit einem Freund im Auto, seinem Werkzeug und Ersatzteilen im Gepäck sowie den beiden Zweirädern auf dem Hänger fuhr er zum Vorbesitzer nach Passau. Dort schraubte er einen ganzen Samstag und einen halben Sonntag, um den Skoda Felicia zumindest für den Weg von der Donau ins Erzgebirge fit zu machen. "Einen Transportanhänger für Autos hatten wir nicht." Auf der Fahrt gab es zahlreiche Probleme.

Erst um zwei Uhr in der Nacht rollte Herkommer auf den heimischen Hof. "Mein Vater öffnete das Schlafzimmerfenster und meinte nur: Du bist bekloppt." Das war 1992. Der offene 2+2-Sitzer in restauriertem Zustand gehört bis heute zu Jens Herkommers Sammlung. "Der blaue Metallic-Lack ist allerdings eine Jugendsünde." Daneben besitzt er einen zweiten Felicia in Dunkelrot. "Den habe ich restauriert, als meine Frau in Ravensburg studiert hat", erzählt er mit einem schelmischen Grinsen über das Cabriolet im Traumzustand. "Da hatte ich viel Zeit". Neben Skoda-Oldtimern dreht sich das Hauptgeschäft um moderne Autos.

Oldtimer-Restaurierung nach Feierabend

In Schwarzenberg wartet derzeit ein weiteres Exemplar auf eine Überholung: "Den habe ich von Uwe Steimle bekommen." Neben dem Skoda Felicia des Dresdner Schauspielers und Kabarettisten soll ein Bus der Baureihe 1203 zum historischen Rallye-Werkstattwagen aufgebaut werden. Nebenan in der Werkstatt harren Motoren, Getriebe und Hinterachsen aus Skoda-Oldtimern von Kunden auf die Überholung.

"Ich erledige diese Arbeit nachmittags und in meiner Freizeit", betont der Werkstattbesitzer, der sich mit vier Mitarbeitern im Hauptgeschäft um moderne Autos kümmert. "Ich frage mich manchmal, woher ich die Zeit für die Oldtimer nehme", sinniert Herkommer beim Mittagsessen im traditionsreichen Gasthof Zur Eisenhütte. "Für mich ist es wichtig, hier in diesem Umfeld zu leben."

Er schmiedet bereits weitere Pläne. Ganz in der Nähe der benachbarten Eisenwerks, des wichtigsten Arbeitgebers im Tal, will Herkommer eine neue Halle bauen. Darin sollen die Oldtimer ebenso Platz finden wie ein Motorsportteam, das er mit seinem Freund, dem sechsfachen Deutschen Rallyemeister Matthias Kahle, betreibt. Einer, der sich nicht mit dem Bestehenden zufrieden gibt, muss immer weiter hoch hinaus.

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