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Interview mit Lars Stuhlweißenburg und Dietrich Kuhlgatz von Bosch Automotive Tradition

Foto: Bosch

Motor Klassik sprach mit den Bosch-Mitarbeitern Lars Stuhlweißenburg und Dietrich Kuhlgatz über die Pläne von Bosch Automotive Tradition.

19.11.2008 Bernd Woytal Powered by

Bosch hat die Sparte Bosch Automotive Tradition gegründet. Was hat der einzelne Oldtimer-Besitzer davon?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Bosch kann auf eine über hundert Jahre lange Erfahrung als Automobilzulieferer zurückblicken. Mit dem in dieser langen Zeit erworbenen Know-how können wir viel dazu beitragen, das Kulturgut Oldtimer durch Teile und Informationen fahrfähig zu erhalten. Zum einen, indem wir die Ersatzteilversorgung sichern und verbessern. Zum anderen werden wir den Markt mit einem umfassenden Angebot an technischem Wissen zur Wartung und Reparatur von Bosch-Komponenten versorgen.

Wo kann ich erfahren, ob und welche Bosch-Teile in meinem Fahrzeug ab Werk eingebaut wurden?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Bosch Automotive Tradition greift hier auf die umfangreichen Bestände des Bosch-Archivs zurück, welches seit über 75 Jahren Informationen dazu sammelt. Dieser Schatz wird jetzt für die Marktversorgung gehoben und aufbereitet. Der Klassiker-Besitzer kann heute schon Automotive Tradition kontaktieren und alle Ausrüstungslisten für sein Fahrzeug in elektronischer Form anfragen. Diese umfassen dann nicht nur die ab Werk eingebauten „Erstausrüstungserzeugnisse“, sondern auch Ersatzteile zu ihrer Reparatur sowie alle Bosch-Erzeugnisse, die im funktionsgleichen Tausch Wettbewerberprodukte ersetzen können.

Wo kann ich mich nach der Verfügbarkeit eines bestimmten Bosch-Teils erkundigen?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Viele Ersatzteile für Young- und Oldtimer werden von Bosch aktuell produziert oder sind im Zentrallager Karlsruhe verfügbar. Diese Erzeugnisse werden in jedem Bosch-Katalog aufgeführt, der Kunde kann sie beispielsweise beim örtlichen Bosch Car Service anfragen oder bestellen. Außerdem ist bis Mitte dieses Jahres ein Katalog über alle noch verfügbaren Oldtimer-Ersatzteile geplant.

Was geschieht, wenn ein Teil nicht mehr im Zentrallager in Karlsruhe verfügbar ist?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Fahrzeugbesitzer und Bosch Car Service können dann unter der Telefonnummer 09 00/1 94 20 10 oder unter der E-Mail-Adresse kundenberatung.kfz-technik@de.bosch.com die Rechercheleistungen von Bosch Automotive Tradition in Anspruch nehmen. Unsere erste Recherche gilt einbau- und funktionsgleichen Ersatzerzeugnissen. Werden wir im Zentrallager nicht fündig, recherchieren wir im globalen Bosch-Lagerverbund nach Original- beziehungsweise Ersatzprodukten. Durch Rückverlagerung nach Karlsruhe können wir das im Ausland gefundene Teil dann beliebig über die etablierten Vertriebspartner an den Kunden liefern.

Manche Originalteile, die irgendwo auf der Welt noch gefunden werden, weisen womöglich Altersschäden auf. Ist eine Prüfung solcher Teile vor Weitergabe an den Kunden vorgesehen?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Ja. Denn jedes bei Bosch gelagerte Erzeugnis hat eine fest definierte, technisch bedingte Höchstlagerzeit. Daher werden lange Zeit eingelagerte Erzeugnisse bei Rücklagerung nach Karlsruhe technisch geprüft und gegebenenfalls nachbehandelt, um die Lager- und Funktionssicherheit auch künftig zu gewährleisten. Alle Produkte von Bosch Automotive Tradition haben die gleiche Garantie wie die Neuteile von Bosch.

Sie kündigen eine Langzeitlagerung von Ersatzteilen an. Geht es dabei um Teile, deren Produktion jetzt ausläuft oder um ältere Produkte, die aus den weltweiten Lagerbeständen zusammengeführt und nun zentral gelagert werden?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Sowohl als auch. Langzeitlagerung betrifft generell die notwendige technische Prüfung und Nachbehandlung der gelagerten Erzeugnisse, sodass sie auch weit über die definierte Höchstlagerzeit bei voller Funktion sicher aufbewahrt werden können. Der weltweite Bosch-Lagerverbund ist eng vernetzt. Es spielt für uns eine nur untergeordnete Rolle, an welchem Standort Erzeugnisse gelagert sind. Daher ist nicht geplant, alle weltweit vorhandenen Young- oder Oldtimer-Teile in ein zentrales Lager zu überführen. Unseres Erachtens ist die durch Recherche initiierte spezifische Rücklagerung einzelner Ersatzteile bei Kundenanfrage ausreichend. Zumal Oldtimer- Ersatzteile ja nicht nur in Deutschland, sondern weltweit benötigt werden.

Sie kündigen auch die Nachfertigung von Teilen an. Kann denn jedes beliebige Teil noch nachgefertigt werden?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Die nötigen Komponenten müssen vorhanden und die Nachfertigung technisch möglich sein, zudem muss sich alles auch rechnen. Ob und in welcher Technik eine Nachfertigung möglich ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern nur im Einzelfall.

Welche Teile planen Sie nachzufertigen?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Wir fertigen ausschließlich Bosch- Komponenten, die der Markt ausdrücklich verlangt. Im nächsten Schritt überprüfen wir das mengenmäßige Marktpotenzial, das Marktpreisniveau, die technischen Rahmenbedingungen und mögliche Dienstleister für eine Nachfertigung. Mit diesem Wissen beurteilen wir, ob und wie die Nachfertigung technisch und wirtschaftlich umsetzbar ist. Es gibt also kein fest eingeplantes Nachfertigungssortiment, sondern eine fallspezifische Beurteilung der Möglichkeiten.

Eine Nachfertigung muss rentabel sein. Macht es trotzdem Sinn, dass ein einzelner Restaurierer Bedarf für ein bestimmtes Teil anmeldet?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Ja, unbedingt. Im aktuell verfügbaren Young- und Oldtimersortiment klaffen leider große Lücken. Diese bedarfsgerecht zu schließen, ist unser Ziel. Um unsere Ressourcen bestmöglich einzusetzen, benötigen wir detailliertes Wissen zur Marktbeurteilung,auch von außen. Daher suchen wir den Kontakt zu Restaurierern oder Clubs, die uns dieses Wissen geben. Ergibt unsere Recherche, auch auf einzelne Kundenanfragen hin, einen größeren Bedarf hinsichtlich eines bestimmten Teils, und sind die nötigen Randbedingungen erfüllt, kann dies zur Nachfertigung führen. Bis dahin versuchen wir, Einzelkunden durch weltweite Bestände oder Instandsetzungshilfe in Form von Information oder Kontaktadressen zu bedienen.

Wer fertigt die Teile nach?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Die durch uns initiierten Nachfertigungen werden nicht in Bosch-Werken, sondern extern organisiert. Externe Dienstleister werden durch das von uns bereitgestellte Fertigungswissen beziehungsweise Werkzeuge in die Lage versetzt, die unseren Ansprüchen entsprechende Qualität zu fertigen. Hierzu plant Bosch Automotive Tradition einen kleinen Fertigungsverbund mehrerer Produzenten. Heute bereits aktive Werkstätten bringen dabei natürlich schon einen großen Erfahrungsschatz mit.

Welche Rolle spielen bei Ihrer Planung die Klassik-Abteilungen der Automobilhersteller?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Die Klassik-Abteilungen der Automobilhersteller sind nicht nur wichtige Kunden für Bosch Automotive Tradition, sondern für unsere Nachfertigung sogar unverzichtbar. Sie fragen Nachfertigungen bei uns an und verfügen darüber hinaus auch über die notwendigen Marktdaten, unterstützen die Applikation durch fundiertes Detailwissen und ermöglichen durch ihre Freigabe beispielsweise die Weiterentwicklung von Erzeugnissen. Der in der Organisation der Klassik-Abteilungen zusammengefasste Bedarf schafft zusätzlich eine solide Kalkulationsbasis.

Werden dann manche Teile nur über die Klassik-Abteilungen der Automobilhersteller erhältlich sein?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Bosch beliefert im Aftermarket generell beide Vertriebswege, sowohl den freien Handel als auch über die Aftermarket-Zentralen die Service- Netzwerke der Fahrzeughersteller. Produkte, die die Markenzeichen von Fahrzeugherstellern tragen, sind nur über diese zu erhalten.

Speziell die Werkstätten befürchten, dass die Preise der neu aufgelegten Teile eskalieren. Ist diese Angst berechtigt?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Unsere Preisgestaltung ist kostenorientiert. Lagern wir ein Ersatzteil unverkauft über viele Jahre und verursachen so Lagerkosten, werden sich diese in der Preisgestaltung niederschlagen. Ist ein nachgefertigtes Erzeugnis auf Grund des geringer automatisierten und kostenintensiveren Kleinserienprozesses nur teurer zu fertigen, gilt das Gleiche.

Stichwort Qualität. Schon jetzt klagen manche Restaurierer über die Qualität von Teilen. Da ist die Rede von gebrochenen Isolatoren bei Zündkerzen oder übermäßigem Verschleiß bei Anlaufnocken von Unterbrecherkontakten. Sind sie in der Lage, Erstausrüsterqualität zu garantieren?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Bosch Automotive Tradition greift bei Nachfertigungen wo immer noch vorhanden auf das Know-how der Großserienfertigung, deren Werkzeuge und deren Qualitätssicherung zurück. Maßstab ist für uns bei jeder Nachfertigung Erstausrüsterqualität. Hierfür setzen wir alle notwendigen Ressourcen ein. So bauen wir zum Beispiel eine spezielle Stelle zur Qualitätssicherung und Fertigungsbetreuung bei Bosch Automotive Tradition auf. Können wir eine adäquate Qualität der Produkte nicht sicherstellen, werden wir von einer Nachfertigung absehen.

Manche Teile für Vorkriegsfahrzeuge sind besonders schwierig zu bekommen. Eine Nachfertigung lohnt aber kaum. Könnten Sie sich vorstellen, als Service eine Überholung bestimmter Bauteile anzubieten?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Die so genannte Serieninstandsetzung ist für uns von besonderer Bedeutung. Dabei wird die jeweilige Komponente zerlegt und gereinigt, zudem werden sämtliche Verschleißteile des Produkts in einem Kleinserienprozess ersetzt. Damit genügt das Austauscherzeugnis Erstausrüstermaßstäben, und wir geben darauf eine Garantie wie bei Neuware. Reichen die Stückzahlen nicht aus oder sind die notwendigen Verschleißteile für Serieninstandsetzungen nicht verfügbar, recherchieren wir nach Serviceunternehmen im Markt, welche wir guten Gewissens weiterempfehlen können. Eine solche Instandsetzung wird dann jedoch nicht in unserem Auftrag erfolgen, sondern im direkten Kontakt zwischen Fahrzeug- Besitzer und Werkstatt.

Sie versprechen auch ein Angebot an Service-Wissen. Wie muss man sich das vorstellen?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Dank unseres Archivs steht Bosch Automotive Tradition eine fast vollständige Sammlung an Service-Wissen zu Bosch-Komponenten zur Verfügung. Bei unserem Angebot handelt es sich um fahrzeugbezogene Ausrüstungslisten oder Testwertetabellen, produktbezogene Instandsetzungs- und Reparaturanleitungen sowie Prüfwerte. Hinzu kommen produkt- oder fahrzeugbezogene Montage- und Einbauanleitungen – alles in allem ein riesiger Fundus an Informationen.

Wer hat darauf Zugriff?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Wir heben diesen Schatz für die gesamte Oldtimer-Gemeinde. Autofahrern, Bastlern, Enthusiasten,Werkstätten, Restaurierern und selbst den Klassik-Abteilungen der Fahrzeughersteller wird dieses Wissen ab Mitte 2006 zur Verfügung stehen.

Wo bekommt man diese Informationen, und was kosten sie?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Man erhält sie entweder im direkten Kontakt mit der Automotive Tradition oder schnellstmöglich per Download von unserem Internet-Portal, das nach und nach ausgebaut wird. Wir arbeiten zurzeit an einer entsprechend umfangreichen Datenbank. Vieles wird kostenlos sein, für weiter reichende Informatonen wie etwa Reparaturanleitungen denken wir über eine Gebühr nach.

Die Weitergabe von Theorie ist eine Sache. Aber viele Klassiker-Besitzer klagen, dass schon heute die meisten Bosch-Service-Stellen mit einer D- oder K-Jetronic überfordert sind. Ist denkbar, dass ausgewählte Bosch-Mitarbeiter zu Klassik-Service- Spezialisten ausgebildet werden?

Stuhlweißenburg/Kuhlgatz: Ein sehr interessanter Ansatz, wir sehen die Problematik ebenso. Das bekannte Bosch-Service-Training-Center hat in der Vergangenheit Schulungen zu diesen Themen angeboten – leider sind diese nicht mehr im Schulungsprogramm. Daher sind viele junge Mitarbeiter des Bosch Car Service nicht mehr spezialisiert in diesen Systemen. Wir werden prüfen, inwieweit und wo der Neuaufbau einer Schulung für diese Youngtimer-Systeme möglich ist, und wie wir diese Schulungen anbieten können. Doch dies braucht noch etwas Zeit.

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