Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Zulassungs-Prognose 2009

Vertriebsexperte Fricke sieht nur 2,4 Millionen Neuzulassungen

Foto: ams 6 Bilder

Trotz der Umweltprämie und des aktuellen Aufschwungs beim Automobilabsatz sieht Vertriebsexperte Klaus Fricke die Lage der Nation nicht so rosig wie viele Vertriebschefs. Im Interview mit auto-motor-und-sport.de erklärt er, warum.

03.04.2009 Harald Hamprecht

Herr Fricke, was bringt die Umweltprämie Ihrer Meinung nach?
Fricke: Die Abwrackprämie wird bei der Bilanz des Kraftfahrtbundesamtes keine Wunder bewirken. Denn viele Käufer hatten bereits eine feste Kaufabsicht und nehmen das Geld des Staates jetzt einfach als Geschenk mit. Viele Verkäufe sind schlicht vorgezogen. Ich halte deshalb die meisten Prognosen, die für 2009 in Deutschland mehr als drei Millionen Neuzulassungen versprechen, für übertrieben euphorisch und unrealistisch. Ich erwarte bestenfalls 2,4 bis 2,6 Millionen Neuzulassungen im Gesamtjahr 2009.
 

Eine sehr düstere Prognose.
Fricke: Überhaupt nicht. Man muss die Situation aber vernetzt betrachten. Und der Auftragseingang wird auch etwas höher liegen - bei geschätzten 2,6 bis 2,8 Millionen Fahrzeugen. Aber das sind eben nicht alles Neuzulassungen, sondern jene Fahrzeuge, welche die Händler schon im Dezember 2008 zugelassen haben - sprich vor allem Tageszulassungen und Vorführwagen. Diese Autos haben die Händler in den ersten Monaten des Jahres bevorzugt verkauft, damit sie ihre Höfe wieder leer bekommen und ihre Liquidität verbessert haben. Die Umweltprämie ist damit eine historische Chance gewesen, Überbestände zu bereinigen.
 

Worauf basieren Sie diese These?
Fricke: Das ist das Ergebnis, wenn man folgende Indikatoren betrachtet: die Auftragseingänge der Vorindustrien, sprich die Nachfrage nach Rohstoffen, wie Stahl; die Produktionsrückgänge durch Kurzarbeit und Arbeitsplatzabbau, aber auch die Kaufzurückhaltung der Autokunden im Premium-Segment und vor allem im gewerblichen Verkauf, zum Beispiel an Flotten und Autoverleiher.

Händler von Volumenmarken, gerade von Importeursmarken, kamen in den ersten drei Monaten dem Ansturm der Käufer zwar kaum nach, doch handelt es sich dabei nahezu ausschließlich um Privatkunden. Außerdem stehen die Details für eine Verlängerung der Umweltprämie ja noch nicht fest. Im ersten Quartal hat sie nur temporär für eine Sonderkonjunktur bei Privatkunden der Segmente A bis C gesorgt. Da bin ich mir sicher. Auch wenn die Vertriebschef vieler Marken aus psychologischen Gründen gerade schön Wetter machen.

Was erwarten Sie mittel- bis langfristig für die Absatzentwicklung in der Automobilindustrie?
Fricke: Das allseits erwartete Wachstum der kommenden zehn bis 15 Jahre wird in den heutigen Schwellenländern mit den Schwerpunkten in China, Indien und Russland gesehen, während die entwickelten Märkte USA, Japan und Europa stagnieren beziehungsweise relativ an Bedeutung verlieren. Dies muss nicht zwangsläufig mit Produktionsverlagerungen verbunden sein. Die Wachstumsgeschwindigkeit des anhaltenden Verdrängungswettbewerbes wird ohne Berücksichtigung der aktuellen Krise mit drei bis vier Prozent jährlich angenommen. Der Wettbewerb wird durch neue Hersteller aus China und Indien noch härter werden, die Anzahl der Hersteller sicherlich zweistellig bleiben.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden