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ATS-Lola T320 Super V

Zurück zum Sport: Die V-Mann-Affäre

ATS-Lola T320 Super V Foto: Fact 17 Bilder

Lothar Panten, Mitglied im Historischen Formel V Club Europa, brachte einen ATS-Lola T320 Super V der 70er Jahre zurück auf die Rennstrecke. Großer Vorteil bei dieser Restaurierungs-Aktion: Der Bausatz war fast komplett, es fehlten nur zwei Schrauben.

25.07.2009 Bernd Woytal Powered by

Wenn ein Rennwagen-Restaurierer Hilfe bei einem Landmaschinen-Mechaniker oder in einer Kneipe sucht, klingt das nach einer Verzweiflungstat. Stimmt aber nicht. Lothar Panten hatte gute Gründe für sein Handeln, wie man noch sehen wird.

Am Anfang steht ein klassischer Fehler
 
Zugegeben, manchmal macht der 50- Jährige Sachen, die andere nicht tun. Wie zum Beispiel morgens in aller Frühe beim Oldtimer-Grand Prix am Nürburgring auf der Tribüne zu sitzen. Da ihn zu dieser frühen Stunde kein anderer Zuschauer störte, konnte sich Panten voll auf die trainierenden Formel-Renner konzentrieren, was ihn auf die Idee brachte: "Das mache ich auch mal."
 
Mittlerweile sind zwölf Jahre vergangen - und siehe da, er macht es. Genau genommen dauerte es nicht einmal zwölf Monate, bis er dabei war. Schon damals hatte er ein Auge auf die Formel V geworfen, um die sich gerade eine Szene zu formieren begann. Doch zunächst beging Panten den klassischen Fehler: Er erstand einen solchen Wagen, ohne einen Experten zu Rate zu ziehen. "Ich dachte, das ist ja nur einfache Käfer-Technik", erinnert er sich. Doch das war ein Irrtum, denn er kaufte sich ausgerechnet das etwas kompliziertere 1300er-Zweivergaser-Modell, das er nicht recht zum Laufen brachte, weil er damit schlicht überfordert war. Seiner optimistischen Nennung zum OGP folgte ein eher kläglicher Auftritt mit dem unfertigen Auto. "In dieser Anfangsphase musste man einen gewissen Humor mitbringen, um dabeizubleiben", sieht Panten es im Rückblick locker.
 
Die erste Restaurierung in Eigenregie
 
Doch mit dem Kauf eines Tasco Formel V Einvergaser-Modells, mit dem er viel Spaß hatte, wurde alles besser. Er trat dem Club der historischen Formel V Europa bei, erweiterte seinen Erfahrungsschatz und so ganz nebenbei seinen Bestand an Rennfahrzeugen. Als plötzlich drei Tasco und ein Reynard Formel Ford in der Garage standen, entschied der Familienrat: Jetzt reicht‘s. Panten beschloss, sich auf die Formel Super V zu konzentrieren und trennte sich zunächst mal von dem Reynard. Im Juni 2007 stieß er zufällig auf ein Inserat in einem Fachmagazin, in dem ein Lola T320 zum Kauf angeboten wurde. Anbieter war ein Renningenieur. Nachdem Panten einige Fotos des Lola gesehen hatte, machte er sich umgehend auf den Weg. "Gleich mit einem Anhänger, den ich aber zunächst um die Ecke parkte, damit mein starkes Interesse an dem Auto nicht ganz so offensichtlich wurde", erzählt er mit einem Grinsen.
 
Was er vorfand, überzeugte ihn. Ein teilzerlegter, aber scheinbar kompletter ATS-Lola mit dokumentierter, mehrjähriger Renngeschichte. "Tatsächlich fehlten am Schluss nur zwei Schrauben", freut sich Panten noch heute. Der Vorbesitzer hatte 1978 mit der Zerlegung des Lola begonnen, war aber aus Zeitgründen nie dazu gekommen, die Restaurierung zu beenden.
 
Panten wollte das nun in die Hand nehmen. Er schaffte die Einzelteile in seine Werkstatt, um sich erst einige Monate später wieder damit zu beschäftigen. Schließlich musste erst noch die Rennsaison beendet werden. Aber dann ging es los. Panten warf die vor knapp 30 Jahren beim Aufmöbeln britischer Roadster erworbenen Schrauberkenntnisse und die bisher gesammelten Erfahrungen an den Formel Rennern in eine Waagschale: "Ich wollte mal ein Auto weitgehend in Eigenregie aufbauen."
 
Klar, etwas Hilfe würde er brauchen, aber mit den engagierten und hilfreichen Clubmitgliedern im Rücken sollte das kein Problem sein. Zunächst ordnete er die vielen Einzelteile und steckte sie provisorisch zusammen, um eine Vorstellung vom Gesamtbild des Autos zu bekommen. Besonders das Heckteil mit den vielen Streben, Stäben und Stützen forderte das Kombinationsvermögen eines Kriminalisten.

Ersatzteile fanden sich beim Landmaschinen-Spezialisten
 
Nachdem diverse Bekannte ihm seine Probe-Montage als korrekt bestätigten, konnte er beginnen. Das Monocoque hatte eine kleine Macke, war aber gerade und musste nur gereinigt werden. Er zerlegte alle Chassisteile, so weit noch nicht geschehen, reinigte sie, machte Gelenke gängig und ersetzte Gelenkköpfe durch Neuteile.
 
"Die Gelenkköpfe bekommt man noch, wenn man die genauen Maße kennt", erklärt Panten. Während die verbauten VW-Teile mit metrischen Schrauben fixiert sind, ist alles andere mit Zollschrauben befestigt. Um kein Risiko einzugehen, ersetzte Panten die meisten durch neue. Dabei erwies sich die Landmaschinen-Technik als ergiebige Quelle. Selbst spezielle Bolzen in Zollmaß zog der oft konsultierte Landmaschinen-Mechaniker aus dem Regal, oder auch die benötigten Ölleitungen.
 
Stück für Stück konnte Panten die überholten Teile wieder montieren. An den Motor und das Hewland-Getriebe wagte er sich jedoch nicht. Club-Freund Albrecht Kußmaul sagte spontan seine Hilfe zu. Doch bei der Demontage des von Max Heidegger getunten VW Typ 4-Motors gab es eine Überraschung: Nur die Kurbelwelle musste neu gelagert werden, ansonsten präsentierte sich alles nahezu im Neuzustand. Und das Getriebe war genauso gut in Schuss.
 
Lediglich die Schrägstrom-Vergaser, eine Besonderheit dieses Wagens, benötigten etwas Pflege. Aber auch hier hatte Panten Glück. Erstens besaß er Angaben über die Bedüsung, die ein Vorbesitzer damals von Solex bekommen hatte, zweitens konnte er auf die Hilfe des Vergaserexperten Harry Stapf zählen.

Die GFK-Reparatur war der zeitraubendste Posten
 
Auch bei der Aufarbeitung und Lackierung der Karosserie fand er Unterstützung durch den Fachmann Jürgen Dietrich. Die nachträglich an der Kunststoff-Karosse vorgenommenen Veränderungen machte er mit Hilfe einer Flex rückgängig. Er strebte jene Form an, die das ATS-Team dem Wagen einst verpasst hatte. Und dann waren da noch die zahlreichen Unebenheiten, Einschlüsse und Verwerfungen zu beseitigen. Laminieren, Spachteln, Schleifen - diese Arbeiten quälten ihn tagelang.
 
Welch eine Erleichterung, als endlich die Teile fertig und lackiert waren. Aber dann fehlten noch die damaligen Aufkleber. Um sie nachfertigen zu lassen, benötigt man Muster, was im Fall des Hannen Alt-Aufklebers nicht ganz einfach war. Fündig wurde Panten in einer Kneipe, wo er auf einem alten Aschenbecher ein zeitgenössisches Hannen Alt-Logo fotografieren konnte.
 
Endlich stand der Renner komplett auf den Rädern, doch fertig war er noch nicht. Das Fahrwerk bietet an einem solchen Auto unzählige Einstellungsmöglichkeiten. Für eine Grundeinstellung konnte Panten auf Daten in alten Unterlagen zurückgreifen, aber für die Feineinstellung bedarf es noch etlicher Probefahrten.
 
Und die finden bei Autos dieser Art nun mal auf der Rennstrecke statt. Die ersten Runden drehte Panten bei der Hockenheim Historic im April dieses Jahres. Der Lola lief zwar noch nicht optimal, aber immerhin hielt er durch - sicherlich auch ein Grund, in die Kneipe zu gehen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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