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"Zurück in die Zukunft"

So fuhr Marty McFly in der Zukunft

De Lorean Foto: Archiv 26 Bilder

Am 21. Oktober 2015 ist "Zurück in die Zukuft"-Tag. Dorthin gelangt Marty McFly mit seinem gepimpten DeLorean DMC-12. Blick auf die groteske Geschichte der Marke und auf das legendäre fliegende Skateboard - das gibt es jetzt tatsächlich.

20.10.2015 Gregor Hebermehl

21. Oktober 2015 - an diesem Tag kommt Marty McFly im Film "Zurück in die Zukunft" im 21. Jahrhundert an. Seine Zeitreisemaschine ist ein von Dr. Brown umgebauter DeLorean DMC-12. Im Original-Drehbuch sollte eigentlich ein schlichter Kühlschrank als Zeitreise-Hilfe herhalten, aber die Filmproduzenten hatten Sorge, dass sich Kinder beim Versuch Zeitreisen durchzuführen, in Kühlschränken einsperren könnten. So fiel die Wahl mit dem DeLorean auf einen Wagen, der mit einer schick gebürsteten aber schweren und damals auch schwer auszubeulenden Edelstahlkarosserie, müdem 132-PS-V6 im Heck und extrem viel Stil daher kam. Und Stil hilft auch im Filmgeschäft ungemein. Zudem verpassten dem DMC-12 gewichtige Flügeltüren im geöffneten Zustand fast echten Ufo-Look: Der perfekte Katalysator für den SciFi-Part der Story.

DeLorean DMC-12 ist ein echtes Filmauto

Umgekehrt war der Film für die Marke die Rettung vor dem Vergessenwerden: Dass die Automarke DeLorean heute Kult ist, liegt vor allem an dem großartigen Streifen und seinen Fans. Die dramatische Geschichte der Marke wäre sonst vielleicht eher ein Fall für die Mottenkiste der Auto-Fails.

Mit großen Ambitionen von Ex-GM-Manager John Zachary DeLorean gegründet, hing die Firma am Steuergeld-Tropf und lieferte lausig verarbeitete Ware. Dabei steht der DMC-12 bis heute optisch gut da. Kein Wunder, orientierte sich dessen Design doch an der Studie Maserati Medici von Giorgio Giugiaro. Leider findet sich die optische Rasanz nicht in dynamischen Fahrwerten wieder: Von null auf 100 km/h schleppt sich der beinahe 1.300 Kilogramm schwere Wagen in über elf Sekunden und Schluss war zwei km/h unter der 200-km/h-Schallmauer - das riss auch Anfang der 1980er Jahre keinen Sportwagen-Fan mehr vom Hocker. Ein 13.850 Mark teurer VW Golf GTI zog damals in 9,2 Sekunden auf Tempo 100, für einen DMC-12 verlangte DeLorean 75.000 Mark.

DeLorean mit filmreifer Markengeschichte

Allerdings waren die fast 200 km/h Vmax des DeLorean angesichts des drögen 2,8-Liter-V6 gar nicht schlecht. Skurril: Dank einer damaligen US-Vorschrift reichte die Tacho-Skala nur bis 85 Meilen pro Stunde, umgerechnet zirka 137 km/h. Der Fluxkompensator des Zeitreise-DeLorean funktioniert aber erst ab 88 Meilen pro Stunde, so dass die Tachos der drei Filmautos geändert werden mussten. Absatzeinbrüche auf dem Hauptmarkt USA und fehlende weitere Subventionen brachten der Marke ein rasantes Ende.

Aber es ging dramatisch weiter: Das FBI versuchte John DeLorean filmreif Drogengeschäfte anzuhängen und scheiterte vor Gericht peinlich. DeLoreans Ruf war trotzdem gründlich ruiniert. Später bedankte er sich bei Zurück-in-die-Zukunft-Regisseur Robert Zemecki dafür, dass der Film-Mann seinen Traum gerettet hätte.

Als Ende 1982 die Produktion des DMC-12 zu Ende ging, wurden noch drei Exemplare vergoldet. Unter Fans kursiert das Gerücht, dass es ein viertes Exemplar geben soll, welches mit Gold überzogen wurde. Auf diese vierte Gold-Variante gibt es kaum konkrete Hinweise - ist sie in Raum und Zeit verloren gegangen?

Optische Erkennungssoftware statt Barcode

Wie zukunftsträchtig sind weitere technische Details aus dem Film? Der DMC-12 trägt ein auffälliges Barcode-Nummernschild. Bisher gibt es keinerlei Überlegungen, solche Barcode-Nummernschilder in der Realität zu benutzen. Zum einen sind die Streifenwagen vieler US-Polizeibehörden inzwischen mit einem Nummernschild-Erkennungssystem ausgerüstet, welches die erkannten Schilder umgehend mit Fahndungslisten und anderen Ermittlungsdatenbanken abgleicht. Dieses System funktioniert mit herkömmlichen Nummernschildern problemlos. Des Weiteren können andere Verkehrsteilnehmer mit einem Barcode-Schild kaum etwas anfangen, das Weitermelden von Verkehrssündern würde deutlich erschwert.

Lade-Schlange statt Tankroboter

Der im Film auftauchende Tankroboter dürfte auch schlechte Karten haben – weil er den Einkünften der Tankstellenpächter im Weg steht. Schließlich wird an einer Tankstelle nicht unbedingt mit Kraftstoff-Verkauf viel verdient. Zigaretten und die ein oder andere tiefgekühlte Salami-Pizza lassen die Kassen klingeln. Dafür muss der Kunde aber in den Laden – das Aus für den Tankroboter. Zumal es Tankroboter auch in Deutschland schon gab: Einige Wasserstofftankstellen für Brennstoffzellen-Fahrzeuge waren damit ausgerüstet, um den Kunden die Angst vor dem neuen Kraftstoff zu nehmen. Die Tankstellen-Lobby fand das verständlicher Weise gar nicht lustig. Und so verschwanden die mechanischen Helfer wieder. Allerdings hat Tesla eine "Lade-Schlange" für seine Elektroautos erfunden – sie könnte in Zukunft wichtig werden, wenn Teslas womöglich autonom fahren oder gar als selbständige Taxis umherfahren sollen und daher auch laden sollen. Schließlich gibt es neben Ladestationen von Tesla eh keinen Shop – schade eigentlich. Da hat der Elektropionier noch was von der Vergangenheit zu lernen.

Polizei droht mit Drohnen, Militär hat sie längst

Polizeidrohnen waren im Film noch eine irre Spinnerei. Heutzutage erleben wir eine Drohnen-Schwemme. Schon auf der L.A. Auto Show 2012 zeigten viele große Autohersteller im Rahmen der Design Challenge ihre Vorstellungen von einem Polizeifahrzeug der Zukunft. Viele Entwürfe basierten auf einem Hauptfahrzeug, welches verschiedenste Drohnen ausklinken kann. Streitkräfte setzen Drohen seit Jahren ein, die Polizei nutzt sie aktuell zur Überwachung von Menschenansammlungen.

Zurück in die Zukunft: deutscher Fluxkompensator

Die Zeitreise-Fähigkeit ermöglichte dem Film-DMC-12 der aufs Heck gepflanzte Fluxkompensator. Diese Wortschöpfung hat sich als Bezeichnung für komplizierte technische Geräte, die wundersame Dinge tun, ebenfalls in die Zukunft gerettet. Allerdings heißt das Gerät im englischen Original "flux capacitor", was im Deutschen sehr technisch mit "Flusskondensator" übersetzt werden müsste - gut, dass die damaligen Übersetzer den Fluxkompensator erfunden haben.

Das Hoverboard fasziniert bis heute

Als weiteres Reisemittel steht Marty McFly ein Hoverboard, also ein selbstschwebendes Skateboard, zur Verfügung. 1985 noch ein visionärer Traum, der im Film mit Drahtseilen, die später wegretuschiert wurden, realisiert wurde, gibt es solche Boards inzwischen tatsächlich. Mitte 2015 stellte zum Beispiel Lexus mit dem "Slide" ein Hoverboard vor. Damit dieses funktioniert, braucht es allerdings einen magnetischen Untergrund und eine permanente Stickstoff-Kühlung für die im Board arbeitenden Supraleiter.

Beim bereits Ende 2014 vorgestellten Hendo-Hoverboard sitzen die Magneten an der Unterseite des Boards, der Untergrund muss lediglich aus einem leitfähigen Material bestehen. Aktuell reicht der zur Erzeugung des Magnetfeldes nötige Akku dafür, sieben Minuten lang drei Zentimeter hoch über dem Boden zu schweben. Beim Lexus-Modell muss zirka alle 15 Minuten kühlender Stickstoff nachgefüllt werden.

DeLorean ist praktisch unsterblich

In den Schwebezustand, wie der DeLorean bei Zurück in die Zukunft, hat es bisher kein Auto geschafft. Natürlich gab es immer wieder Flugauto-Prototypen, aktuell gerade den optisch unförmigen "Transition" des US-Herstellers Terrafugia, aber einen eleganten Schwebezustand konnte bisher keines der Vehikel erreichen. Und die Zeit, dies bis zu Marty-McFlys Zeitreise-Datum doch noch zu schaffen, ist abgelaufen: Der 21. Oktober 2015 ist auf dem Weg in die Vergangenheit.

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