Die Rallye Spanien sieht auf den ersten Blick einfach aus, hat es aber in sich. Die flüssigen Straßen verleiten die Piloten gerne einmal zu überhöhtem Risiko. Die ultra-tief gelegten Boliden finden auf dem griffigen Untergrund viel Halt, früh können die Fahrer am Kurvenausgang beschleunigen.
Um die Piloten vor noch größere Herausforderungen zu stellen haben die Veranstalter seit 2011 auch Schotter-Passagen eingebaut. 30 Prozent macht der lose Untergrund seitdem aus. Wer auf den wechselnden Belägen schnell den Rhythmus findet, ist im Vorteil.
Rallye Spanien: Kurvenschneiden mit Augenmaß
Ein wichtiges Thema ist auch das Kurvenschneiden auf den Asphalt-Prüfungen. Wer die Abkürzungen über den Schotter nicht in die Ideallinie einbezieht, verliert Zeit. Das Problem: Mit jedem Fahrzeug wird mehr Dreck auf den Asphalt geschaufelt, so dass die Pisten der Rallye Spanien auf der zweiten Schleife oft deutlich weniger Grip bietet als noch bei der ersten Durchfahrt.
Gefährlich ist das Kurvenschneiden auch für die Reifen. Eine bereits tief ausgefurchter Straßenrand kann zu plötzlichem Luftverlust im Gummi führen. Im Extremfall wird aus einem normalen Plattfuß eine gebrochene Felge.
Für die Piloten gilt es möglichst schnell in einen guten Rhythmus zu kommen, um die weiten und flüssigen Richtungswechsel gut attackieren zu können. Ein exakter Aufschrieb ist für die Rallye Spanien von entscheidender Bedeutung. Besonderes Augenmerk sollte schon bei den Erkundungsfahrten auf die zu schneidenden Kurven gelegt werden. Unter dem Gras können Baumstümpfe oder Felsbrocken lauern.
Rallye Spanien im Experten-Check: Mikko Hirvonen
"Über viele Jahre hinweg war die Rallye Spanien ein reines Asphalt-Event. Das hat sich neuerdings geändert. Ungefähr ein Drittel der Wertungsprüfungen wird auf Schotter ausgetragen. Ich finde, dass dies eine gute Idee war.
Was mir aber nicht gefällt ist, dass sich manchmal auf ein- und derselben Prüfung Schotter und Asphalt abwechseln. Hier muss man sein Auto auf Schotter abstimmen, das heißt, mit weicherer Federung, viel mehr Bodenfreiheit, 15-Zoll-Schotterreifen und deswegen auch kleineren Bremsen zu fahren.
Mit dem "Schotter-Auto" auf Asphalt muss man sehr darauf achten, die Reifen und die Bremsen nicht allzu schnell zu ruinieren. Es wäre auf der anderen Seite völlig unsinnig zu versuchen, mit einem straff abgestimmten "Asphalt-Auto" auf Schotter schnell zu sein. Das funktioniert niemals. Die auf Asphalt ausgetragenen Prüfungen haben Rennstrecken-Charakter. Es gibt fast keine Schlaglöcher und Bodenwellen."



