Die Schweden Rallye ist jedes Jahr ein Poker-Spiel mit dem Wetter-Gott. 1990 musste sie wegen Schneemangel sogar abgesagt werden. 2008 wurde die Veranstaltung zwar durchgeführt, statt weißer Pracht, rutschten die Rallye-Boliden allerdings über braunen Schneematsch.
Mit Spikes zum Erfolg bei der Rallye Schweden
Nirgendwo bestimmt das Wetter so über den Ausgang einer Rallye wie in Schweden. Die Grip-Verhältnisse ändern sich dramatisch, je nachdem ob der Fahrbahnbelag aus einer festen Schicht aus gefrorenem Schnee und Eis, einer weichen Schicht Schnee und Matsch oder ob einer hart-vereisten Schotterschicht besteht.
Die Piloten müssen sich mit den Ingenieuren vor allem über die Länge der Spikes verständigen. Treffen die Metallzähne allerdings auf Schottersteine drohen ganze Profilblöcke mit den verankerten Spikes auszureißen. 2008 führte die Strecke der Rallye Schweden an einigen Stellen auch über Asphalt, der ohne Schnee- und Eisschicht mit Spikes fast keinen Grip bot.
Rallye Schweden in der schnellen Eisbahn
Bei optimalen Bedingungen bieten die vereisten Wege allerdings jede Menge Grip - deutlich mehr als auf Schotter. Bei bis zu -20°C Grad können die ultra-schmalen Spike-Gummis optimal arbeiten und erlauben sehr hohe Geschwindigkeiten. In den engeren Waldabschnitten der Rallye Schweden haben die Piloten außerdem die Möglichkeit, sich leicht an den Schneewällen anzulehnen. Wer es übertreibt bleibt allerdings schnell in einer der Schneemauern stecken.
Wegen der besonderen Charakteristik beherrschen vor allem die Skandinavier das Fahren auf Schnee. Ein Blick in die Siegerlisten der Rallye Schweden zeigt, dass hier von allem die heimischen Schweden und die Nachbarn aus Finnland immer zu den Favoriten zählen. Nur Sebastien Loeb konnte 2004 in die Phalanx der Nordeuropäer eindringen und einen Schweden-Sieg verbuchen.
Rallye Schweden Expertenurteil: Jari-Matti Latvala
"An Schweden habe ich sehr schöne Erinnerungen. Dort siegte ich im Februar 2008 und löste damit Henri Toivonen als jüngster Sieger eines Rallye-WM-Laufs ab. Schweden ist der einzige WM-Lauf, der auf Schnee und Eis ausgetragen wird. Das gefällt natürlich insbesondere den Fahrern aus Skandinavien.
Es geht fast nur durch den Wald. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt meist zwischen 110 und 120 km/h. Damit ist Schweden die zweitschnellste Rallye des Jahres, hinter Finnland.
Wir verwenden jetzt nicht mehr die extrem schmalen Räder, sondern Reifen mit ganz normaler Breite. Fast 400 Stahlnägel pro Rad sorgen dafür, dass das Grip-Niveau höher liegt als auf Schotter. Die Spikes ragen sechs Millimeter aus der Lauffläche.
Am Kurvenausgang kann man sich in den gefrorenen Schneewällen abstützen. Dabei muss man aber aufpassen: Wenn man etwas zu schnell ist, wird das Auto in die Bande förmlich hineingesaugt."

