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Das Duell des Jahrtausends

Foto: McKlein 35 Bilder

Zugegeben, das Jahrtausend ist noch ein wenig jung, aber fest steht, einen knapperen Zweikampf wie den von Gigi Galli und Daniel Carlsson in Schweden (3. bis 5.2.) hat die Rallye-WM in 27 Jahren des alten und rund sechs Jahren des neuen Milleniums nicht gesehen. Doch trotz überragender Vorstellung ist bei beiden Kontrahenten die Zukunft ungewiss.

07.02.2006 Markus Stier

Es war vielleicht nicht Ali gegen Foreman oder Deutschland gegen Holland 1974, aber wer an diesem Februar-Wochenende 2006 dabei war, wird noch in Jahrzehnten davon schwärmen: "Hast du Carlsson gegen Galli gesehen?", fragte sich Schweden am Montag nach der Rallye.

Dass einen Sieger vom Zweiten im Ziel nur Sekunden trennen, ist nicht neu. (der knappste Zieleinlauf liegt bei 3,4 Sekunden), aber dass sich zwei Fahrer über ein komplettes Wochenende so heftig verfolgen, dass der Abstand auf 19 Prüfungen nie über zehn Sekunden anwächst, hat es noch nie gegeben.

Gigi Galli: "Wie lange geht das gut?"

Nach drei von 19 Prüfungen lag Gianluigi Galli im Mitsubishi Lancer mit 8,5 Sekunden vor Daniel Carlsson im baugleichen Auto, größer wurde der Vorsprung nie mehr. Am ersten Tag lag Galli 5,5 Sekunden vor Carlsson, nach Tag zwei waren es 0,7 Sekunden, und der ganze Service-Platz fragte sich, wann einer von beiden den entscheidenden Fehler macht. "Ich weiß nicht, wie lange das gut geht", sagte Galli.

Doch es kam anders. Am Sonntag beharkten sich der Schwede und der Italiener auf fünf Prüfungen innerhalb von 1,7 Sekunden, auf jeder einzelnen wechselte die Führung. Erst die letzten elf Kilometer der WP "Malta 2" brachten die Entscheidug. Ex-Mitsubishi-Werksfahrer Galli lag zwei Zehntelsekunden hinter Carlsson. An Gallis Lancer WRC brach der dritte Gang, er verlor 6,8 Sekunden und damit Rang drei um sieben Sekunden.

Daniel Carlsson schleppte sich nach der letzten Prüfung auf drei Zylindern ins Ziel. "Nie zuvor hatte ich solche Angst", gestand Carlsson. "Das ist fantastisch, einfach unglaublich", sagte der 29-jährige nach seinem ersten Sprung aufs Podium in der WM. "Glückwunsch an Daniel Carlsson", sagte der vier Jahre ältere Galli zerknirscht.

Daniel Carlsson: "Vielleicht rufen sie jetzt mich an"

Beide Piloten fuhren an diesem Wochenende um ihre Zukunft, beide machten auf 349 WP-Kilometern keinen Fahrfehler. Der durch den plötzlichen Mitsubishi-Rückzug arbeitslos gewordene Galli hat nach den zwei von Pirelli und dem italienischen Verband finanzierten Rallyes keine weiteren WM-Einsätze in Aussicht. Carlsson schaffte erst eine Woche vor der Schweden-Rallye den Sprung auf die Nennliste. "Jeden Abend nach dem Training habe ich mit Sponsoren telefoniert, um das Geld für diese Rallye zusammenzukriegen. Vielleicht rufen die jetzt mich an."

Abgesehen von der Angst um die eigene Karriere müssen beide Fahrer auch noch den Druck ihrer Nation aushalten. Seit über zwei Jahrzehnten hat Schweden keinen Landsmann mehr als Weltmeister gefeiert (zuletzt Stig Blomqvist 1984). Daniel Carlsson ist seit langem die erste Rallye-Hoffnung der Blaugelben. Italien wartet seit Miki Biasion (Champion 1988 und 1989) auf einen echten Weltklasse-Fahrer.

Das Super-Duell in Sekunden:

WPGalliCarlssonAbstand
1+1,6+1,6
2+0,9+2,5
3+5,9+8,4
4+0,4+8,0
5+3,6+4,4
6+1,1+5,5
7+6,2-0,7
8+1,1+0,4
9+5,8+6,2
10+4,9+1,3
11+3,7-2,4
12+0,9-1,5
13+1,2-0,3
14+0,5-0,8
15+2,5+1,7
16+2,4-0,7
17+1,4+0,7
18+0,9-0,2
19+6,8-7,0



P.S. Die Highlights der Schweden-Rallye zeigt Eurosport am Mittwoch (8.2.) um 18 Uhr.

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