Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Hyundai i20 WRC

Zweiter Anlauf in der Rallye-WM

Hyundai i20 WRC Foto: Hyundai 15 Bilder

Vor zehn Jahren war Hyundai in der Rallye-WM kläglich gescheitert. Jetzt wagen die Koreaner mit dem Hyundai i20 WRC den Neuanfang. Die jüngere Geschichte der Rallye-WM zeigt aber: Nur drei von acht Newcomern erzielten nennenswerte Erfolge.

11.01.2014

Die Statistik spricht eher gegen die Neuen. Seit Einführung des World Rally Car-Reglements im Jahr 1997 gab es lediglich acht Hersteller, die sich in die höchste Automobilsport-Kategorie nach der Formel 1 wagten, in der neben einem möglichst schnellen auch ein möglichst robustes Sportgerät gefragt ist. Aber nur drei Konzerne waren mit ihrem Engagement auch wirklich erfolgreich. Neben den generalstabsmäßig vorbereiteten Debüt-Weltmeistern von VW 2013 zeigte vor allem der PSA-Konzern, wie es geht.

Peugeot fuhr 1999 ein paar Probeeinsätze, von 2000 bis 2003 heimsten die Löwen drei Marken-Titel ein. Noch erfolgreicher war die Konzernschwester Citroën mit acht Marken-Titeln in den Jahren zwischen 2003 und 2012. Und die anderen fünf Hersteller? Egal ob Seat, Skoda, Mini, Hyundai oder Suzuki: Sie gewannen keine einzige WM-Rallye.

Seat und die Konzernschwester Skoda hatten zum Ende des vergangenen Jahrtausends kein optimales Sportgerät, scheiterten aber nicht zuletzt auch durch ein deutlich zu niedriges Budget. Gleiches gilt für das nur drei Jahre währende Mini-Experiment, das aber vor allem wegen fehlendem Rückhalt in der Konzernspitze den Bach runterging.

Hyundai wagt zweiten Anlauf in der Rallye-WM

Sehr ähnlich verlief auch der erste Anlauf von Hyundai. Mangels eigener Sportabteilung tat man sich zur Jahrtausendwende mit dem englischen Team MSD zusammen. Nach kurzer Zeit gab es Querelen ums Budget und Löcher in der Kasse. Man schob sich gegenseitig die Schuld zu. Obwohl für die komplette WM eingeschrieben, zogen die Koreaner 2003 im Sommer die Notbremse. Die FIA verhängte eine Geldstrafe wegen des vorzeitigen Ausstiegs, Zulieferer und Fahrer blieben auf ihren Rechnungen sitzen - ein Gesichtsverlust für die Asiaten und eine offene Wunde.

Auf der Motorshow in Genf 2013 betonte Hyundai-Sportchef Choi nicht umsonst: "Wir haben da noch eine Rechnung offen." Hatte die Führung der aufstrebenden Marke aus Asien vor einem Jahrzehnt noch schnell die Lust am WRC-Thema verloren, ist im aktuellen Engagement deutlich mehr Zug zu spüren. Nahe der Europa-Zentrale in Frankfurt gründete man eine eigene Motorsport GmbH, die in einer ehemaligen Solarfabrik residiert.

Selbst Teamchef zu Beginn skeptisch

Teamchef ist Michel Nandan, seit den 80er Jahren für Toyota, Peugeot und Suzuki in der Rallye-Szene verwurzelt. Der Franzose war zunächst skeptisch, denn beim dreijährigen Gastspiel von Suzuki hatte er ein Desaster erlebt. Es gab kaum Geld aus Japan, keine nennenswerte Weiterentwicklung, keine Tests. Der SX4 war langsam und unzuverlässig. Das Einsatzteam Monster Sports kochte sein eigenes Süppchen, Suzuki nutzte die Finanzkrise 2009 als Ausrede, um das WRC-Engagement zu beenden. Nandan war schon ein Jahr zuvor frustriert ausgeschieden.

Weil nach der Ankündigung der WM-Rückkehr lange Zeit wenig passierte, war Nandan auch beim Hyundai-Angebot skeptisch, ließ sich aber überzeugen: "Es ist genügend Geld vorhanden und auch der deutlich spürbare Wille, das Projekt zum Erfolg zu führen", sagt der Teamchef. Er hätte sich nur gewünscht, mehr Zeit zu haben. Noch im Frühjahr 2013 standen in Alzenau nur leere Hallen, im Herbst waren auf der Besetzungsliste des Teams immer noch 20 Posten offen.

Hyundai i20 WRC jetzt schon ein Auslaufmodell

Eine Unbekannte ist das Auto. Das Grundkonzept das i20 WRC haben koreanische Ingenieure ohne jede Rallye-Erfahrung umgesetzt. Laut Nandan haben sie aber keinen schlechten Job gemacht, und das Reglement ist zu eng gefasst, als dass man einen totalen Flop landen könnte. Anders als bei Suzuki oder anfangs bei Skoda ist die Hyundai-Truppe nicht eigenbrötlerisch. Nandan kauft Leute ein, ohne auf Nationalitäten zu achten.

In der Zulieferer-Liste finden sich nur große Namen. Den Motor bereitet Pipo vor. Die Franzosen arbeiten seit Jahren auch mit Ford zusammen. Antriebs-Spezialist X-trac beliefert alle Top-Teams mit Getrieben und Differenzialen. Michelin-Reifen fahren alle Werksteams. Reiger gilt als eine der besten Adressen für Stoßdämpfer, die Schlüsseltechnik an modernen Rallye-Autos.

Um die Ernsthaftigkeit des Neueinstiegs zu untermauern hat Hyundai schon durchsickern lassen, man plane nicht nur für die bereits verkündeten drei Jahre, sondern gleich für sechs. Schließlich wollen die Koreaner erstens Lieblingsgegner und Vorbild VW angreifen und sich zweitens auch mit sportlichen Serienautos einen Namen machen. Das fällt leichter mit Sporterfolgen.

Sollte der i20 WRC in der anlaufenden Saison kein Siegertyp sein, ist das noch kein Drama. Bereits 2015 steht der Modellwechsel an. Nach nur einem Jahr hat Nandans Truppe mit einem komplett neuen Auto einen zweiten Versuch.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden