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Max Mosley

"Rallye-Leute sind extrem konservativ"

Foto: dpa

Der FIA-Präsident spricht im Interview über rückständige Rallyefans, Kosten, Sicherheit und seinen Glauben an einen Rallye-Einstieg von Volkswagen.

20.02.2004

Warum gab es gegen den Widerstand von Fans und Teilnehmern in den letzten Jahren so viele Regeländerungen?

Mosley: Die Rallyeleute sind extrem konservativ und hassen jede Art von Veränderung. Wir haben viele Dinge geändert, aber wir hätten sie schon vor zwei Jahren machen sollen. Wenn wir nichts ändern würden, würden noch mehr Hersteller aussteigen. Was immer wir bisher getan haben, unterlag einer Gesetzmäßigkeit. Der Erfolg der Maßnahme war umso durchschlagender, umso größer zunächst die Opposition war.

Welches sind denn die Erfolge?

Mosley: Beispiel Super-Special (3 km): Wir haben gesagt, dass es für diese drei Kilometer keinen eigenen Satz Reifen gibt. Riesengeschrei, aber es geht. Beispiel Service: Wir haben ihn in den Servicepark verbannt und auf den Verbindungsetappen gestrichen. Die Reaktion: Geht nicht. Warum haben wir das gemacht? Früher hatten die Teams für zwei Autos auf der Akropolis-Rallye 32 Servicefahrzeuge, drei Helikopter und ein Flugzeug im Einsatz. Damals gab es drei Hersteller. Das ist unvernünftig teuer. Dann kam die Idee mit dem Servicepark. Unmöglich, klagten die Teams, was passiert, wenn es ein Problem davor gibt? Antwort: Dann fliegt er aus der Rallye.

Aber der zentrale Service-Park ist doch gar kein Streitpunkt.

Mosley:: Inzwischen hat sich jeder damit abgefunden, eine Art Fahrerlager zu haben. Dadurch wurde die ganze Struktur viel handlicher und flexibler. Der nächste Schritt war, dass die Autos während des Tages nicht mehr angefasst werden durften. Das war die totale Revolution. Wir sagen: Es ist absurd, ein Wettbewerbsauto alle 50 Kilometer zu reparieren, wenn auf der Straße der Trend dahin geht, die Wartungsintervalle zu strecken. Wir sagen: Ein Satz Reifen pro Tag muss reichen. Die Teams klagen, dass sie dann weniger Grip haben. Gut so, meinen wir, damit sinken die Geschwindigkeiten.

Mancher Fahrer klagt, die Abschaffung der Schotterspione (Gravel Cars) sei eine ernsthafte Gefährdung der Sicherheit.

Mosley: Die erhöhen nur die Transportkosten. In der EM kommen sie auch ohne Gravel Cars aus. Ist das unsicherer? Der Einsatz war nur gerechtfertigt, weil er im Resultat vielleicht eine schnellere Sonderprüfungszeit erlaubt. Nehmen wir dieses Hilfsmittel allen weg, ändert sich nichts. Die Schnellen sind immer noch die Schnellen. Es gibt auch nicht mehr Unfälle.

Was kommt als Nächstes?

Mosley: Jetzt wollen wir gemeinsame Komponenten, zum Beispiel ein Einheitsgetriebe. Die Hersteller haben Angst, dass ihre Identität verloren geht. Sie alle aber kaufen bei X-Trac ein. Auf der Straße stört sie die Übernahme von gemeinsamen Plattformen und Komponenten ja auch nicht. Das ist der Trend.

Warum ist der Widerstand so groß?

Mosley: Es gibt bei den Herstellern einen Sportchef, der ein bestimmtes Budget bekommt. Das will er ausschöpfen. Das birgt aber die Gefahr, dass eines Tages der Big Boss kommt und sagt: Das ist mir alles viel zu teuer. Dann sperrt er den Laden zu.

Warum dürfen nur zwei Fahrer für das Team punkten?

Mosley: Weil sonst jeder drei einsetzt und das die Kosten hoch treibt. Wenn drei Autos punkten, dann ist es eine Notwendigkeit, drei Autos einzusetzen, um die WM zu gewinnen. Genauso gut könnten wir drei Autos vorschreiben. Und für Hersteller, die gerne würden, aber nicht dürfen, weil es zu teuer ist, ist das abschreckend. Ich bin überzeugt, dass VW sich einen Wiedereinstieg überlegt, wenn alles billiger wird.

Bei der Rallye Monte Carlo waren nur noch 43 Autos am Start, und es gab nur noch 12 WP’s. Die Rallyefans waren sauer.

Mosley: Die Leute vergessen eines: Wenn ein Auto heute in die Zuschauer fliegt und eine Reihe Leute tötet, dann gibt es gar keine Rallyes mehr. Zumindest in Europa. Wir müssen alles tun, um das zu verhindern, auch um den Preis, dass sich die Traditionalisten darin nicht mehr wiederfinden. Rallyesport ist heute ein Hochleistungssport, und er ist im Focus der Öffentlichkeit. Den kann man nicht mehr mit den Regeln von früher durchführen.

Warum gibt es zwei Rallyes mehr, wenn Sie doch Kosten sparen wollen?

Mosley: Die Extrakosten für Japan und Mexiko sind nichts im Vergleich zu den Kosten sparenden Maßnahmen. Um die WM zu einer echten WM zu machen, können wir nicht nur in Europa fahren. Nach Japan müssen wir gehen, weil dort die Mehrzahl der vertretenen Hersteller herkommt. Das soll ein Anreiz für sie sein.

Warum gibt es 2005 ein neues Punktesystem, in dem es jeden Tag Punkte gibt. Sollten Rallyes nicht ein Zuverlässigkeitswettbewerb sein?

Mosley: Das ist prinzipiell richtig. Das Problem aber ist, dass es für die Zuschauer enttäuschend ist, wenn die Topfahrer schon am ersten Tag ausfallen.So können sie weiter mitfahren und noch ein bisschen punkten Das erhöht das Spektakel. Wenn dann einer nach zwei Tagen komfortabel führt, wird er nach dem alten System den Vorsprung vorsichtig nach Hause fahren. Bekommt er die Chance, weiter zu punkten, gibt er Gas. Der Gesamtsieger wird dadurch nicht bestraft. Er ist am Ende immer noch derjenige, der die meisten Punkte bekommt. Ein ähnliches System hat sich in Asien und Australien bewährt.

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