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Rallye Generationen-Vergleich

Mini Countryman WRC vs. Mini S

Mini S vs. Mini Countryman Foto: Andreas Beil/BMW 22 Bilder

In den sechziger Jahren lehrte Mini die scheinbar übermächtigen Rallye-Konkurrenz das Fürchten. Der Contryman WRC soll nun an diese großartigen Erfolge anknüpfen. Bei auto-motor-und-sport.de treten die beiden Rallye-Generationen zum Vergleich an.

16.03.2011 Claus Mühlberger

Ist der niedlich! Als der 33,5 DIN-PS leistende Mini im Jahr 1959 das Licht der Autowelt erblickte, eroberte die neueste Kreation von BMC (British Motor Corporation) die Herzen des Publikums in Rekordzeit. Auch in auto motor und sport wurde der Kleine von der Insel damals sehr wohlwollend besprochen: "BMC rechnet damit, dass es überall auf der Welt genügend Menschen gibt, die mit einem Auto nicht unbedingt nur das Auge befriedigen wollen, sondern auch zu kleinen Preisen angenehm zu reisen wünschen."

So geschah es. Der Mini wurde tatsächlich ein Verkaufsrenner - und auch zu einem Dauerbrenner: Der Ur-Mini wurde bis zum Oktober 2000 gebaut. Es dauerte nicht lange, da schlüpften die kleinen Fronttriebler im Motorsport in die Rolle der Maus, die brüllte. Von wegen "süß"! Drei Siege bei der Rallye Monte Carlo zwischen 1964 und 1967 sprechen für sich.

Minis als Kurvenkönige der Rallye-Szene

Dabei waren die Gegner nicht gerade von Pappe. Ob die grimmig röhrenden, wegen ihres geringen Radstands aber ziemlich kitzlig zu fahrenden Porsche 911, ob die dank ihrer kugeligen Form bei Überschlägen oft so geschmeidig abrollenden Saab 96 oder die sich in ihrer Hydropneumatik-Federung sanft wiegenden Citroën ID - alle mussten sich im Gesamtklassement hinter dem Mini einreihen.

Die leichtgewichtigen Mini waren die Kurvenkönige der Rallyeszene: Flinker wetzte keiner um die Ecken als die nicht mal 700 Kilo schweren Kleinwägen aus Großbritannien auf ihren putzigen Räderchen im 10-Zoll-Schubkarrenformat. Da spielte es auch nur eine untergeordnete Rolle, dass die Motorleistung der Fronttriebler eher bescheiden war.

Der 1.071 Kubikzentimeter messende Vierzylinder des Jahrgangs 1964, mit dem Paddy Hopkirk den ersten Mini-Sieg bei der Rallye Monte Carlo holte, entwickelte gerade einmal 70 PS, bei damals atemberaubenden 6.200 Umdrehungen. Spätere Versionen, wie der ab April 1964 eingesetzte Cooper S, holten um die 90 PS aus 1.275 Kubikzentimeter Volumen.

Mini-Crew setzt Maßstäbe im Rallye-Sport

Die vom legendären Rallye-Taktiker Stuart Turner geleitete BMC-Crew setzte Maßstäbe in Bezug auf die Professionalisierung des Rallyesports. Turner perfektionierte das Präparieren der Autos, das Training samt Aufschrieb - Stichwort "Gebetbuch" - und vor allem den Service. Turner dachte an alles, an strategisch günstig postierte Ersatzteillager, er ersann flinke Reparaturmethoden und er ließ sogar die braven Service-Kombis vom Typ Austin Westminster kräftig aufrüsten - mit 210 PS starken Dreiliter-Aggregaten aus dem Austin Healey-Sportwagen.

Um die Sicherheit der Fahrer kümmerte man sich damals allerdings noch nicht besonders intensiv: Zwar gehörten Gurte zur Ausstattung, und die Besatzung trug auch Helm - immerhin. Aber Überrollkäfige, vielleicht sogar mit Seitenaufprallschutz, oder feuerfeste Anzüge? Fehlanzeige.

Die beste Versicherung gegen einen Unfall war die Vermeidung desselben, was aber nicht immer gelang. Bei der Rallye Monte Carlo 1962 zum Beispiel schulterte Rauno Aaltonen seinen Mini. Das Auto blieb auf dem Dach liegen und fing Feuer. Sein Leben hat Aaltonen dem tapferen Beifahrer Geoff Mabbs zu verdanken, der den bewusstlosen Finnen aus dem Wrack zog.

Rallye-Historie in Zeitlupe?

Mit den atemberaubenden Driftexzessen der Rallye-Neuzeit, wo erbittert um Zehntelsekunden und um jeden Millimeter Strecke gerungen wird, hatte das Rallyefahren der sechziger Jahre wenig zu tun. Beim Betrachten alter Rallyefilme beschleicht einen heute rasch das Gefühl, man habe aus Versehen den Knopf für die Zeitlupe gedrückt. Dabei waren die damaligen Fahrer keineswegs verzärtelte Burschen. Aber bei den Rallyes handelte es sich damals um richtige Langstreckenprüfungen und nicht etwa um die heute üblichen 25-Kilometer-Sprints.

Zudem war die Fahrwerkstechnik der Rallyeautos doch noch sehr seriennah, und die Motorleistung konnte man am besten mit dem Attribut "sehr überschaubar" charakterisieren. Und, zum Vierten, hielt der für eine zünftige Rallyeshow eigentlich unabdingbare Allradantrieb erst zwei Jahrzehnte später Einzug in den Sport.

Neuer Mini Countryman in der WRC

Der neue Mini WRC, der im Frühsommer in der WM debütieren wird und den Sonderprüfungs-Matadoren von Citroën und Ford zeigen soll, wo der Hammer hängt, verfügt natürlich über Allradantrieb und all die anderen für Rallyeerfolge unabdingbaren Accessoires. Zum Beispiel die fabelhaft robuste Sicherheitszelle, die gripfreudigen Reifen von Michelin, das sequenziell schaltbare Sechsgang-Getriebe, die kompromisslos zubeißenden Bremsen oder den 1.600er-Turbomotor.

Das Aggregat kommt direkt von BMW und ist ein Verwandter jenes Triebwerks, das ab 2011 auch in der Tourenwagen-WM verwendet wird. Um Kosten und Leistung zu limitieren, hat die Sportbehörde zügelnde Maßnahmen vorgeschrieben: Der Ladedruck des mit Benzin-Direkteinspritzung arbeitenden Vierzylinders ist auf 2,5 bar limitiert, zudem muss er seine Verbrennungsluft durch einen 33-Millimeter-Air-Restrictor schnorcheln. "Mehr als 300 PS sind so kaum drin", verrät David Lapworth, der Technikchef des englischen Motorsport-Spezialisten Prodrive, wo die Rallye-Mini in Handarbeit entstehen.

Countryman WRC überragt die Konkurrenz

Genau genommen ist der neue Mini eher ein Maxi. Im direkten Vergleich wirkt sein historischer Vorgänger von 1967 wie ein Modellauto. Der neue World Rallye Car basiert auf dem Modell Countryman, dem breitschultrigen Kompakt-SUV mit stattlichen Radhausverbreiterungen, vier Türen und steil emporragender Frontpartie. Im Vergleich zum Ford Fiesta und dem Citroën DS3, den Basismodellen für die WRC-Boliden der Konkurrenz, ist der Countryman ein wahrer Kuckuck.

Besonders auffällig: die Höhe. Der Countryman ist um sieben Zentimeter größer gewachsen als die Konkurrenzmodelle. Laut Lapworth kein Nachteil: "Das macht weniger aus, als man denken mag", behauptet der Brite. "Und in Bezug auf Radstand, Karosserieüberhänge und Radaufhängungen hat unser Mini WRC die beste Basis."

Wie seine Geschwister aus der Großserie schaut der WRC-Countryman mit seinem niedlichen Happyface unschuldig in die Welt. Diese Designtricks mit großen, kugelrunden Scheinwerferaugen, kurzer Stupsnase und freundlichem Kühlergrill könnten schnell einen falschen Eindruck vermitteln. Doch unterschätzt worden sind die niedlichen Mini schon vor 50 Jahren. Aber im Rallyesport gilt auch für Newcomer die eiserne Regel: Welpenschutz gibt es nicht.

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