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Wales Rallye Großbritannien, 1. Etappe

Ogier, Latvala und die große Schlammschlacht

Wales Rallye GB Foto: McKlein 29 Bilder

Auf äußerst schmierigen Pisten raufen die VW-Werksfahrer Sébastien Ogier und Jari-Matti Latvala um Sekunden. Der Rest des Feldes ist abgehängt, aber auch der Kampf um die Plätze ist äußerst knapp.

15.11.2014 Markus Stier

Der Westen der britischen Insel tat, als könne er kein Wässerchen trüben. Am Donnerstag war Sturm aufgekommen, am Abend kam der Regen, der die ganze Nacht über die Wälder und Höhen von Wales fegte. Am Morgen zogen apokalyptische Wolken über den Servicepark in Deeside bei Chester. Doch plötzlich riss der Himmel auf und die Sonne strahlte über dem wilden Nationalpark von Snowdonia im Westen der Halbinsel.

"Das fühlt sich an wie auf Eis"

Dass keine der Prüfungen abtrocknen würde, war allen WM-Stars klar, das gesamte Feld war mit den Schwerwetter-Reifen von Michelin ausgerückt. Sämtliche Fahrer klagten dennoch über tückisch glatte Pisten. "Das fühlt sich an wie auf Eis", klagte Citroën-Werksfahrer Kris Meeke. Landsmann Elfyn Evans ist im Herzen der ersten Etappe geboren. Die je zwei Mal zu fahrenden vier Prüfungen des Freitags lagen allesamt im Umkreis von 30 Kilometern zur Heimat des M-Sport-Piloten. Aber von wegen Heimvorteil: "Das war ausgesprochen schwierig da draußen", klagte der Youngster im Ford Fiesta. Evans kam nur als Siebter ins Etappenziel.

Klagen kamen aber auch von ganz vorn. Weltmeister Sébastien Ogier beschwerte sich wegen der Pistenglätte über lästiges Untersteuern, Verfolger Jari-Matti Latvala über die schwer einzuschätzende Haftung. Allerdings waren die Klagen der VW-Werksfahrer Jammern auf hohem Niveau. Wie so oft komplett mit sich selbst und ihrem Duell beschäftigt, stürmten sie dem Feld auf und davon. Der führende Ogier hatte am Tagesende auf den Dritten schon einen Vorsprung von über einer Minute. Untereinander ist die Sache dagegen äußerst knapp. Beide fuhren je vier Bestzeiten. Am Morgen war Ogier knapp der schnellere Mann, am Nachmittag war es Latvala. Der Franzose rettete vor dem Finnen dürre 6,6 Sekunden Vorsprung ins Etappenziel.

Hirvonen bester Nicht-VW-Fahrer

Wie in der WM-Tabelle ist der beste Nicht-VW-Fahrer Mikko Hirvonen im M-Sport-Ford. Bei seiner Abschiedsrallye fuhr er am ersten Tag konstant schnell und fehlerlos. Mit Rang drei hält er die Ambitionen seines Teams auf den zweiten Rang der Marken-WM offen. Nur sieben Zähler trennen M-Sport auf rang drei von Citroën, aber die beiden DS3-Piloten sitzen Hirvonen im Nacken. Am Morgen war es zunächst Mads Östberg, der die Hand an den Pokal für Rang drei legte, am Nachmittag kämpfte sich Kris Meeke auf der letzten Tagesprüfung an ihm vorbei. Meeke liegt nur 7,7 Sekunden hinter Hirvonen, Östberg nur sieben Zehntel hinter Meeke auf Platz fünf. Während der Ire trotz zweier Fahrfehler in der selben Kurve in Hafren immer besser in Fahrt kommt, war der Norweger ratlos: "Ich habe kein Vertrauen. Ich habe am Mittag das Setup geändert, aber es hat nicht viel geholfen."

Auch nicht restlos zufrieden mit Auto und Abstimmung war der Vorjahres-Dritte Thierry Neuville. Doch der Belgier auf Platz sechs bleibt in Schlagdistanz zum Podium. Auf Hirvonen fehlen nur 20 Sekunden. Weitere 16 Sekunden hinter Neuville hat auch Elfyn Evans auf Rang sieben noch Chancen, sich aus eigener Kraft weiter nach vorn zu arbeiten.

Kubica mit eingedrücktem Kühler

Robert Kubica leistete sich einige kleine Fehler, kam mit eingedrücktem Kühler zurück zum Service in Deeside, aber immerhin erreichte er das Etappenziel. "Es war ein langer und schwerer Tag", sagte der Pole. Obwohl er auf Rang elf hinter den Privatfahrern Ott Tänak, Henning Solberg und Martin Prokop außerhalb der Punkteränge liegt, versucht der frühere Formel-1-Fahrer das Positive zu sehen: "Ich bin deutlich besser gefahren als im Vorjahr." Das allerdings ist keine allzu große Kunst, denn 2013 flog der Krakauer am Freitag und Samstag schon morgens von der Strecke.

Und wer fehlt in den Top Ten sonst? Andreas Mikkelsen war der erste, dem die Straße ausging. Schon auf der zweiten Prüfung rutschte der Norweger in einen Graben und riss seinem Polo das rechte Vorderrad raus. Mikkelsen muss damit seine Ambitionen auf den ersten Sieg früh begraben, kann aber immerhin am Samstag mit 35 Strafminuten für sieben unbeendete Prüfungen weiterfahren.

Mit defekter Servolenkung auf Rang 12

Wenig besser erging es Juho Hänninen im zweiten Werks-Hyundai. Der Finne rutschte auf der dritten Prüfung ins Aus und konnte seinen i20 trotz Allradantrieb nicht aus seiner misslichen Lage befreien. Unschuldig an seinem Malheur war dagegen Teamkollege Hayden Paddon. Dem Neuseeländer fiel kurz nach dem Mittags-Service in Newtown die Servolenkung aus. Vier Prüfungen wuchtete der Youngster sein Auto durch die Wälder und rettete sich immerhin als Zwölfter ins Ziel, nur 16,3 Sekunden hinter Robert Kubica.

Direkt hinter Paddon folgt mit Jari Ketomaa aus Finnland im Ford Fiesta der Führende der WRC2-Kategorie vor Markenkollege Bernardo Sousa. Die Engländer Tom Cave und Matthew Wilson auf den WRC2-Rängen können auf den Rängen fünf und sieben die Hoffnungen der Briten nicht erfüllen, aber das stört die Eingeborenen wenig. Denn da gibt es ja noch Osian Pryce. Der 21-Jährige ist international ein völlig unbeschriebenes Blatt. Auf einem frontgetriebenen Citroën DS3 wurde er Zweiter im britischen Championat, bei seinem ersten Auftritt in einem Allrad-Auto inmitten der Weltspitze liegt er auf Gesamtrang 15 und auf Platz drei der WRC 2. Die Fans bejubelten gar eine Klassenbestzeit des Fiesta-Lenkers. Der zeigt sich nämlich nicht nur schnell und talentiert, er hat vor allem die richtige Herkunft: Pryce ist Waliser.

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