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WRC Rallye Italien 2016

Großes Zittern bei Hyundai

Thierry Neuville - WRC Rallye Italien 2016 Foto: xpb 18 Bilder

Eigentlich war Thierry Neuville auf Sardinien souverän zu seinem zweiten WM-Sieg gefahren, aber dann begann die Technische Nachuntersuchung am Hyundai i20 und das große Zittern.

13.06.2016 Markus Stier

Am frühen Abend dröhnten im Hafen von Alghero noch ein letztes Mal die Motoren. Der Parc Fermé war aufgehoben, die Teams holten ihre Autos zum Verladen ab. Aber obwohl der sechste WM-Lauf schon sechs Stunden vorbei war, gab es noch kein endgültiges Ergebnis.

Der Weltmeister war bereits glücklich abgereist. Als Tabellenführer 2 Tage lang als Straßenfeger für den Rest des Feldes fungierend, sah sich Sébastien Ogier ohnehin chancenlos. Der VW-Pilot hatte es dennoch auf Rang 3 geschafft. Und weil seine direkten WM-Verfolger Andreas Mikkelsen im dritten Werks-Polo und Hayden Paddon im Hyundai beide von der Straße geflogen waren, hatte er seine Führung noch ausgebaut. Mit 132 Punkten hat er nahezu doppelt so viel Zähler wie der neue Verfolger Dani Sordo (68). Ogier konzentrierte sich umgehend auf Wichtigeres und reiste heim zu Gattin Andrea Kaiser, die jeden Augenblick ein Kind erwartete.

Beim Mannschaftsdinner saß ein zufriedener Jari-Matti Latvala, der fehlerlos auf Rang 2 gefahren war und damit seine frühere Pannenserie auf der Insel mit 3 Reifenschäden in 3 Jahren vergessen machen konnte. Beifahrer Miikka Anttila saß mit einem Teil der VW-Crew hockte gebannt vor dem Fernseher, die mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft um den Sieg beim EM-Auftakt gegen die Ukraine zitterte.

Neuville trotz Fehlern ganz vorne

Im Rallye-Hauptquartier in der Altstadt zitterten die Rallyesieger um ihren Erfolg. Drei Tage lang hatte Thierry Neuville der Rallye den Stempel aufgedrückt, auf den 19 Wertungsprüfungen neun Bestzeiten gesammelt und souverän gewonnen. Trotz nicht übermäßig großem Vorsprung von 16 Sekunden, verkündete er schon am Abend vor dem finalen Sonntag, er fühle sich bestens und sähe keine Probleme, den Sieg nach Hause zu bringen. Sébastien Ogier staunte: „Wenn man überlegt, wie viele Fehler er schon gemacht hat.“

Mit dem Sieg hatte sonst niemand etwas zu tun. Dani Sordo im zweiten Werks-Hyundai freute sich zwar über das von Kollege Neuville gezeigte Potenzial des i20, doch er selbst kam nicht richtig in Tritt und landete nur auf Rang 4. Der hievte ihn immerhin auf den zweiten Tabellenrang, einen Punkt vor Andreas Mikkelsen. Der Polo-Pilot war nach seinem verwachsten Wochenende die abschließende Powerstage besonders gemächlich angegangen um sicherzugehen, dass er keinen der 3 möglichen Extra-Punkte kassieren würde: „Ich will auf keinen Fall beim nächsten Lauf in Polen schon als Zweiter auf die Piste müssen“, sagte der Norweger. Die sandigen Pisten in Masuren benachteiligen die vordersten Starter ähnlich wie auf Sardinien.

Dort zeigte nach einer zähen Saison auch M-Sport-Fahrer Mads Östberg mal wieder eine gute Leistung. Der Norweger, der 4 Rallyes lang wahlweise über fehlende Motorleistung oder ein störrisches Getriebe klagte, fuhr mit neuer Getriebesoftware auf Rang 3, ehe er an einem Stein die Aufhängung nachhaltig zerdepperte.

Teamkollege Eric Camilli fasst im Fiesta World Rally Car langsam aber sicher Fuß und freute ich über eine Bestzeit und Platz 6 hinter Ott Tänak im DMack-Ford. Bester Privatfahrer war Henning Solberg als Siebter in einem weiteren Fiesta. Die WRC2-Wertung gewann Finnlands Nachwuchshoffnung Teemu Sunin in einem Skoda Fabia R5 vor dem Werksauto von Jan Kopecky. Der einzige deutsche Starter Armin Kremer fuhr mit Pirmin Winklhofer im Skoda des Baumschlager-Teams auf einen soliden vierten Platz und einen guten zwölften Gesamtrang.

Seitenscheibe lässt Hyundai zittern

Ganz vorn aber ließ Hyundais Speerspitze Neuville, 2015 mit einer desaströsen Saison in die Kritik geraten, und 2017 mit Fehlern und Defekten als WM-Siebter auch nicht gerade mit Glück gesegnet, seinen Worten Taten folgen. Latvala gedachte ohnehin nicht, sein gutes Ergebnis durch erhöhtes Risiko zu gefährden, und Neuville zeigte mit einer Bestzeit schon auf der ersten der verbleibenden 4 Prüfungen des Sonntags, dass er nichts mehr anbrennen lassen würde. Für den Mann aus St.Vith war es nach dem glücklichen ersten Erfolg bei der Deutschland-Rallye 2014 sein zweiter WM-Sieg, doch der hing plötzlich am seidenen Faden.

Bei der Schlussabnahme wurden die Technischen Kommissare auf die hinteren Seitenscheiben am i20 aufmerksam, die in ihrer Form nicht der Homologation entsprachen. Bei der Zulassung im vergangenen Herbst waren laut Teamchef Michel Nandan andere Scheiben verbaut, die jedoch nie eingesetzt wurden, da sie bei Verwendung eines Sicherheitsschaums zum Abdichten nur noch schwer demontierbar gewesen seien. Nandan gestand den Fauxpas sofort ein.

Im Regelfall erfolgt bei Teilen, die nicht exakt dem Homologationsblatt entsprechen, die sofortige Disqualifikation. Aber die Stewards unter Leitung der Deutschen Waltraud Wünsch ließen nach dreistündiger Verhandlung Gnade vor Recht ergehen, da die geänderten Fenster keinerlei Wettbewerbsvorteil bringen. Hyundai muss die satte Strafe von 50.000 Euro berappen, darf den zweiten Saisonsieg aber behalten.

VW baut Führung in Marken-WM aus

Nicht nur Thierry Neuville, der seinen Sieg seinem exakt vor 4 Jahren verstorbenen Mentor Philippe Bugalski gewidmet hatte, war über das Resultat erleichtert. „So hätte ich nicht gewinnen wollen. Thierry war einfach über das ganze Wochenende der beste Mann“, verkündete Jari-Matti Latvala. Der Finne merkte allerdings an, dass er den Eindruck habe, es werde zuweilen mit zweierlei Maß gemessen. Er selbst war mit den Teamkollegen Marcus Grönholm und Mikko Hirvonen 2007 das Opfer eines Fabrikationsfehlers bei den Seitenscheiben der Werks-Ford, die zu dünn ausgefallen waren. Damals kassierten sämtliche Focus-Fahrer 5 Minuten Zeitstrafe.

Hyundai ist allerdings trotz des Erfolges zusätzlich gestraft. In der Markenwertung baute VW seine Tabellenführung auf 178 Punkte und damit 70 Punkte Vorsprung aus, denn Neuville war zugunsten des 2015 in Sardinien enorm starken Hayden Paddon nicht für die Markenwertung nominiert worden.

Aber bei Kontrahent VW war das am späteren Abend in Alghero eher Nebensache. Da war es schon wichtiger, dass der andere deutsche Teamchef beim anderen deutschen Weltmeisterteam Bastian Schweinsteiger einwechselte, der in den letzten Minuten gegen die Ukraine prompt das erlösende 2:0 schoss. Damit war auch die letzte Zitterpartie des Abends beendet.

In der Galerie haben wir einige Bilder der Action auf Sardinien gesammelt.

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