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Rallye Mexiko 2016

Latvala siegt in Mexiko

Jari-Matti Latvala - Rallye Mexiko 2016 Foto: McKlein 23 Bilder

Die erste Schotter-Rallye des Jahres wurde zu einer leichten Beute für VW-Werksfahrer Jari-Matti Latvala. Teamkollege Sébastien Ogier gab sich knurrend mit Rang 2 zufrieden.

03/07/2016 Markus Stier

Der Ausdruck Elfmeter ohne Torwart wäre übertrieben, aber der desaströseste Saisonstart in 13 WM-Jahren sollte sich für Jari-Matti Latvala als Schlüssel zu seinem 16. Sieg in der höchsten Spielklasse des Rallyesports werden. Laut Reglement wird auf den ersten 2 Etappen nach WM-Klassement gestartet. Mit null Punkten zum dritten Lauf in Mexiko angereist, hatte der Finne als Achter auf der Piste nahezu perfekte Streckenbedingungen und zog dem Feld ab der vierten Prüfung unaufhaltsam davon.

Nach 19 von 21 Prüfungen lag Latvala im Polo WRC bereits mit über eineinhalb Minuten in Front, so dass er auf der mit 80 Kilometern längsten Prüfung der Saison am Sonntagmorgen bereits mit Halbgas Richtung Ziel cruisen konnte. Mit Rang 2 auf der abschließenden Powerstage holte Latvala neben den 25 Zählern für seinen ersten Saisonerfolg 2 weitere Punkte, schob sich aber lediglich auf den sechsten WM-Rang, was ihm auch für die folgende Schotter-Veranstaltung in Argentinien Ende April ebenfalls beste Erfolgsaussichten bietet.

Ogier zeigt seine Klasse

Tabellenführer Sébastien Ogier wusste schon vor dem Start, dass es ohne Schützenhilfe schwer werden würde, den dritten Saisonsieg in Folge einzukassieren. Nach den Regeln des Vorjahres hätte er auf der zweiten Etappe immerhin den früh ausgefallenen Thierry Neuville als Straßenkehrer vor sich gehabt, aber seit diesem Januar muss der Punktbeste zwei Etappen von vorn eröffnen.

Mit Zorn im Bauch zeigte der Franzose, wie schnell er unter Bestbedingungen fahren kann. Auf den 80 Kilometern von Guanajuato am Sonntagmorgen nahm er Latvala 25 Sekunden ab, jeder weitere Starter kassierte mindestens eine Minute.

Auch die Powerstage wurde eine Beute des Weltmeisters, der trotz der Niederlage gegen den Teamkollegen seine WM-Führung ausbauen konnte. Dazu verhalfen ihm die restlichen Verfolger. Andreas Mikkelsen, der dritte VW-Mann im Bunde beschädigte seinen Polo bei einem Abflug am Samstag so schwer, dass an einen Restart am Sonntag nicht zu denken war.

Hyundais schnellster Mann war zu diesem Zeitpunkt schon 2 Mal neben der Straße und musste ebenfalls aufgeben. Thierry Neuville war auf der ersten Zuschauerprüfung am Freitagabend zunächst in Führung gegangen. Ob er im neuen Hyundai i20 das Tempo der VW hätte mitgehen können, wird die Welt nie erfahren, denn schon auf der ersten ernsthaften Schotterprüfung montierte sich der Mann aus St. Vith ein Rad ab.

Hyundai patzt

Die Kohlen aus dem Feuer holte für die Koreaner zunächst Daniel Sordo, der sich im spanischsprachigen Mexiko wie zu Hause fühlte und sich früh auf dem dritten Rang einnistete. Doch für den Galizier war die Rallye ein langer Leidensweg. Ein ausgefallener Kühlventilator sorgte für hohe Motortemperaturen, am Sonntag spielten ausgerechnet auf den langen 80 Kilometern von Guanajuato die Bremsen nicht mehr mit.

Aber das dicke Ende kam noch. Nach glücklicher Champagner-Dusche musste er den dritten Rang anschließend räumen. Weil der Spanier beim letzten Reifenwechsel 3 statt 2 Räder tauschte, hatte er sein Kontingent von 28 Reifen um einen überzogen und kassierte eine zweiminütige Zeitstrafe, die ihn auf den vierten Platz zurückwarf. Teammanager Alain Penasse sprach nebulös von einem "Kommunikationsproblem" und kündigte an, den Vorfall nach der Rückkehr in Alzenau genau untersuchen lassen zu wollen.

Schwerer als Sordos Missgeschick wiegt in der Marken-Tabelle allerdings Neuvilles Nullnummer. Nach zwei Läufen trotz Niederlagen gegen VW noch in Schlagdistanz, beträgt der Rückstand nach dem ersten WM-Quartal jetzt schon 36 Punkte, denn der auf Rang 5 eingelaufene Haydon Paddon war lediglich für das Hyundai-B-Team nominiert.

Ford-Team nicht wirklich erfolgreich

Von den Problemen im Kopfrechnen bei den Koreanern profitierte ein ansonsten eher farbloser Mads Östberg, der nach Schweden seine zweite Podiums-Platzierung als Dritter feierte und in der Fahrer-Wertung mit 42 Zählern Rang zwei belegt. Sein M-Sport-Team feierte in Mexiko zudem die 200. Zielankunft in den Punkten in Folge seit 2002 . "M-Sport schreibt WM-Geschichte", verkündete die Mannschaft aus Cumbria stolz.

Dabei ließ man allerdings unter den Tisch fallen, dass ausgefallene Teams dank des Rally2-Reglements auch nach Ausfällen wieder starten dürfen und im Gesamtklassement punktetechnisch gegen nicht eingeschriebene Teams aufrücken dürfen. Wer ein Werksauto ins Ziel bringt, kann gar nicht ohne Punkte nach Hause fahren. So holte auch der nur auf Platz 16 von 20 im Ziel eingelaufene Eric Camilli noch 4 Zähler für die Marken-Wertung.

Für den 28-jährigen Franzosen war Mexiko erst die achte Schotter-Rallye seiner Karriere. Ein früher Reifenschaden und ein muckendes Getriebe, dem am Freitag die zwei ersten Gänge fehlten, ließen ihn schon früh weit zurückfallen. Ein Felstreffer zwang dann zum Rückzug. Camilli beschränkte sich nach 3 Unfällen bei 3 Rallyes fortan auf sichere Heimfahrt.

Ungewohnt konstant zeigt sich sein Vorgänger im M-Sport-Team. Ott Tänak konnte mit seinen Dmack-Reifen das Tempo ganz vorn zwar nicht mitgehen, holte aber als Sechster zum dritten Mal in dieser Saison Punkte. Der Tscheche Martin Prokop tritt 2016 nur sporadisch in der WM an und gab sich in Mexiko erstmalig die Ehre. Das Resultat fiel wie so oft aus: Prokop kam im drittbesten Ford Fiesta als Siebter ins Ziel und war bester Privatier, nachdem Lokalmatador Benito Guerra dieses Ziel schon auf der ersten Etappe nach verknackster Radaufhängung aufgeben musste.

Das Fahrwerk war auch beim deutschen WM-Vertreter Armin Kremer die Achillesferse. Der Mecklenburger hatte mit dem Baumschlager-Team die teure Überseereise in der Hoffnung gebucht, in der WRC2-WM günstig ein Top-Ergebnis abstauben zu können, denn Titelverteidiger Nasser al Attiyah zog seine Nennung kurzfristig zurück, und außer dem späteren Sieger Teemu Suninen aus Finnland war kein ernsthafter Titelkonkurrent in der zweiten WM-Liga am Start. Aber nach zwei Aufhängungsschäden am Skoda Fabia R5 konnte Kremer froh sein, dass er wegen des dünnen Feldes mit 1.26 Stunden Rückstand als 19. und damit Vorletzter trotzdem noch als Fünfter gewertet wurde und einige WM-Zähler mitnahm.

In der Galerie haben wir noch einmal einige spektakuläre Highlights der Rallye Mexiko.

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