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Rallye Polen (Tag 2)

Große Spannung und große Langeweile

Ogier Rallye Polen 2014 Foto: McKlein 35 Bilder

Ein packendes Duell an der Spitze, eine lange Reise ins Nachbarland Litauen und die Absage von zwei Prüfungen bestimmten die erste Etappe der Polen-Rallye.

28.06.2014 Markus Stier

Am Freitag (27.6.2014) hatten die Fahrer noch gute Laune. Sie genossen auf dem Weg nach Osten die schöne Seenlandschaft Masurens und fuhren nach Litauen in ein völlig neues Rallye-Land. Niemand aus der Riege der Top-Teams hatte einen Ausritt oder technische Probleme zu ertragen, ganz anders der Veranstalter.

Prüfung 8 und 9 wurden nach schwerem Regen abgesagt

Nach über eine Woche dauernden, schweren Regenfällen waren die ohnehin nicht allzu harten Sandböden so aufgeweicht, dass sich die Fahrer durch bis zu einem halben Meter tiefen Rinnen frästen. Kurz nach dem Mittags-Service kam die schlechte Nachricht: Absage der Prüfungen acht und neun. Erstere war schon vor der Rallye wegen zu tiefen Bodens von 26 auf 13 Kilometer gekürzt worden. Einige Fahrer wurden erst kurz vor dem Start informiert und zurückgeleitet "Das war wie ein Déjà-vu. Wir fuhren zurück zum Regrouping, und ich denke, da war ich doch gerade erst", sagte Henning Solbergs Beifahrerin Ilka Minor lachend.

Offizieller Grund für die Absage des halben Litauen-Ausflugs waren laut FIA-Sicherheits-Chef Jacek Bartos vor allem nicht zu kontrollierende Zuschauermassen. "Hätte ich auch gesagt", ätzte Hyundai-Werksfahrer Thierry Neuville, der wegen überhitzter Hinterradbremsen am Nachmittag 20 Sekunden verlor und nur auf Rang zehn liegt. Der Belgier konnte sich jedenfalls nach dem ersten Durchgang an keine gefährlich postierten Menschenmassen erinnern.

"Da hätten wir auch am Strand fahren können"

Gerade um den erwarteten Zuschaueransturm der rallyebegeisterten Polen zu managen, entschloss sich der Veranstalter zu dem Ausflug ins Nachbarland, mit dem man beste Beziehungen pflegt. Und es war nicht zuletzt der Wunsch der FIA, grenzüberschreitend neues Territorium für die WM zu erschließen, schließlich kann die Sportbehörde nicht mehr als 13 Ländern ein WM-Prädikat verleihen.

Die Fahrer sahen den wahren Grund der Absagen im schlechten Zustand der Strecken schon beim ersten Durchgang. "Zum Einen ist es lustig, weil du in der Spur viel schneller durch die Kurven fahren kannst, aber wehe da ist eine Bodenwelle oder ein Stein, der dich aus der Spur bringt, dann wird es unkontrollierbar und gefährlich", sagt Neuville. Und das ausgerechnet am Tag des Besuchs von FIA-Präsident Jean Todt, der sich das Thema Sicherheit ganz groß auf die Fahnen geschrieben hat. Als Todt Weltmeister Sébastien Ogier nach den Verhältnissen fragte, sagte der VW-Pilot: "Da hätten wir auch am Strand fahren können."

13 Stunden unterwegs für eine halbe Stunde Spaß

Die Piloten waren wenig begeistert von der langen Verbindungsetappe. "Für eine halbe Stunde Spaß waren wir 13 Stunden unterwegs", rechnete Ogier vor. Gerade 60 Prüfungskilometer blieben vom Tage übrig. Demgegenüber standen über 550 Kilometer Überführungsetappen. Trotz der Langeweile unterstützten die Top-Fahrer einhellig die Streichung der zwei Prüfungen.

FIA-Rallye-Managerin Michele Mouton verstand die Welt nicht mehr: "Ich verstehe nicht, wie die Fahrer von heute ticken. Bedeutet Rallye-Fahren nicht seit jeher, dass ich mit den Streckenbedingungen zurechtkommen muss?" fragte die Vize-Weltmeisterin von 1981. Jari-Matti Latvala entgegnete: "Natürlich wären wir mit unseren World Rally Cars irgendwie da durchgekommen, aber für die kleineren Autos mit Frontantrieb wäre es wirklich hart geworden." Tatsächlich wurden die Furchen schon im ersten Durchgang nur deshalb nicht mehr tiefer, weil die Autos mittig bereits mit dem Unterboden auf der Fahrbahn aufsaßen. "Für uns als Neuntem auf der Strecke ging es noch, aber wenn du auf Platz 30 oder 40 losfährst, ist das kein Spaß", sagte Privatfahrer Martin Prokop.

Riedemann mit guten Aussichten nach Litauen-Prüfung

Einer, den das direkt betraf, ist Christian Riedemann. Mit seinem Setup am Donnerstagabend noch nicht zufrieden, müht sich der Sulinger in der Junioren-WM mit seinem Citroën DS3 und dem von den Allradern aufgewühlten Boden ab. Der einzige deutsche Starter kam allerdings gerade mit den Prüfungen in Litauen gut zurecht und verbesserte sich vom sechsten auf den fünften Rang. Das angestrebte Podium ist noch in Reichweite. Auf Platz drei fehlen nur acht Sekunden.

Bei den chaotischen Verhältnissen ging das Sportliche ein bisschen unter, dabei ist der Kampf an der Spitze an Spannung kaum zu überbieten. Seit dem Start haben sich die VW-Piloten Sébastien Ogier und Andreas Mikkelsen auf acht gefahrenen Prüfungen sechs Mal an der Spitze abgewechselt. Mit einer Bestzeit auf der Superspecial am späten Abend holte sich der Weltmeister schließlich den Tagessieg mit gerade 0,9 Sekunden Vorsprung.

Polen-Rallye bleibt am Samstag spannend

Jari-Matti Latvala im dritten Polo kann dem Duell nach verwachstem ersten Tag nur zuschauen. Ziel des WM-Zweiten ist es, den 12,5 Sekunden vor ihm liegenden Mads Östberg im besten Citroën von Platz drei zu verscheuchen. Der Norweger kam auf dem weichen und trotzdem sehr schnellen Geläuf bestens zurecht und ließ Teamkollege Kris Meeke klar hinter sich. Der Nordire belegt hinter Latvala Rang fünf vor dem besten Hyundai mit Juho Hänninen. Wegen eines zu defensiven Aufschriebs müht sich ausgerechnet Routinier Mikko Hirvonen im Ford Fiesta auf Platz sieben ab. Trotz eines Überschlags am ersten Tag sitzt ihm Teamkollege Robert Kubica als Achter mit nur 9,3 Sekunden Abstand im Nacken.

Ganz vorn wähnten am Freitag sowohl Ogier als auch Mikkelsen jeweils den anderen in der besseren Startposition und wittern bessere Chancen am Samstag, wo sie bei umgedrehter Startreihenfolge der Top-Teams nahezu identische Bedingungen vorfinden. Es bleibt spannend.

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