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Rallye Schweden 2016

Ogier gewinnt turbulente Schweden-Rallye

Sebastien Ogier - Rallye Schweden 2016 Foto: McKlein 22 Bilder

Die einzige Winter-Rallye der Saison stand mangels Winter kurz vor der Absage. Bei zurückkehrender Kälte behielt VW-Werksfahrer Sébastien Ogier am Ende mit dem Glück des Tüchtigen die Oberhand.

15.02.2016 Markus Stier

Bis eine Woche vor der Schweden Rallye suchte ein strenger Winter mit großen Schneemassen die schwedische Provinz Värmland heim. Doch dann ließen warme Winde und Regen sämtliches Weiß wegtauen und die Straßen aufweichen. Rallyeleiter Glenn Olsson setzte auf eine frische Kaltfront, die rechtzeitig zum Start am Donnerstag (11.2.2016) den Boden wieder anfrieren ließ. Die lokalen Zeitungen beschworen schon das Ende des schwedischen WM-Laufes. Gerüchte von einem Umzug nach Kanada machten die Runde. Die Chefs der Top-Teams trafen sich mit Olsen und der FIA zur Krisensitzung. Aber just zum Start am Donnerstagabend fiel das Thermometer wieder unter Null, und am Freitag zuckerte frischer Schnee die Landschaft in Weiß, als wäre nichts geschehen.

Aber Olsson musste 9 von 21 geplanten Prüfungen streichen, nur die Prüfungen in Norwegen am ersten Tag waren weitgehend eissischer. Lediglich die wegen ihrer berühmten Sprungkuppe Colin’s Crest extrem populäre Prüfung Vargasen am Samstag wurde auf schwedischer Seite doppelt befahren. Die Auftaktprüfung auf der Trabrennbahn in Karlstad musste ausfallen. Am Ende absolvierten die Piloten gerade einmal 68 Prozent der Strecke, ab 50 Prozent gibt es volle Punkte. Mit rund 226 Kilometern war die Schweden-Rallye 2016 die kürzeste der WM-Geschichte.

Künstliches Eis und Aquaplaning

Wäre es nach der Mehrzahl der Top-Fahrer gegangen, wären es noch weniger Kilometer geworden. Weltmeister Sébastien Ogier hielt die komplett auf Schotter zu fahrende Auftaktprüfung in Thorsby für zu Reifen mordend und die glatten Passagen bei herausgerissenen Spikes zu gefährlich. Den Fahrern standen in Schweden aber ausschließlich Spike-Reifen zur Verfügung. Hyundai-Werksfahrer Haydon Paddon mochte sich aus Furcht um seinen Job dem Boykott nicht anschließen, und so wurde Thorsby gefahren und zum Erstaunen der Fahrer anschließend für durchaus gut befunden. Über Nacht hatte der Veranstalter die Piste planiert und mit Wasserwagen für frisches Eis gesorgt.

Eine große Wasserlache wäre einigen Akteuren auf der zweiten Prüfung fast zum Verhängnis. Sébastien Ogier segelte bei Aquaplaning mit 120 km/h als Erster von der Piste und traf eine Baumgruppe. Der Franzose konnte sich mit schielenden Vorderrädern aus der Prüfung retten und zur Mittagspause selbst einen verbogenen Lenkerarm austauschen. Ebenfalls mit einem blauen Auge kam Teamkollege Andreas Mikkelsen davon. An gleicher Stelle abgeflogen zerfledderte es seinem Polo WRC die Front. Technisch war alles heil geblieben. Selbst ein Dreher mit Baumstumpftreffer konnte die Radaufhängungen beim Norweger nicht knicken. Nur sein Kampfgeist erhielt einen Dämpfer: "Wir sind froh, dass wir hier sind", sagte er im Ziel der ersten Etappe, die weitgehend auf seinem norwegischen Heimatboden stattfand. Mikkelsen konzentrierte sich fortan auf sicheres Ankommen. Er wurde am Ende Vierter und belegt in der Fahrertabelle Rang zwei.

Sebastien Ogier Rallye Schweden 2016Foto: VW
Action am Sprunghügel in Colin’s Crest.

Und am Ende steht wieder Ogier vorn

Wie schon in Monte Carlo mit null Punkten ging Vize-Weltmeister Jari-Matti Latvala nach Hause. Schon auf der ersten Prüfung brach die linke vordere Antriebswelle. Mit Heckantrieb kämpfte sich der dreimalige Schweden-Sieger tapfer bis zur letzten Prüfung des Tages durch, dann zertrümmerte ein Stein die Radaufhängung. Mit 10 Strafminuten auf dem Buckel war trotz dreier Bestzeiten am Samstag nicht mehr als Platz 26 zu retten. Da fiel eine weitere Minute Zeitverlust wegen eines Reifenschadens kaum mehr ins Gewicht.

Ein Duell des Blinden gegen den Lahmen hatte sich Latvala am Freitag mit Thierry Neuville geliefert. Dem Belgier, im Vorjahr Zweiter in Schweden und im neuen Hyundai mit heimlichen Siegeshoffnungen gestartet, zerriss es wegen eines Öllecks das trocken gelaufene Hinterachsdifferenzial, worauf Neuville sich mit Frontantrieb gen Etappenziel arbeitete. Auch er blieb unbelohnt. Neuville kam als 14. ins Ziel.

Weniger dramatisch aber hinderlich für ein gutes Ergebnis war der Reifenschaden bei Teamkollege Dani Sordo. Der Spanier wurde trotz guter Leistung nur Sechster. Instinktiv hatte Teamchef Michel Nandan den Galizier aber in Schweden nicht für die Marken-WM nominiert. Er musste ins B-Team, von dort rückte Nachwuchsmann Hayden Paddon in den zweiten i20 auf. Und der Neueeländer dankte das in ihn gesetzte Vertrauen mit Rang zwei. Auf dem ersten Durchgang in Vargasen hatte der Kiwi profitierend von einer späten Startposition dem Führenden Ogier über eine halbe Minute abgeknöpft und sich bis auf knapp 9 Sekunden an den Champion herangerobbt. Weil Ogier als Vorderster auf der Piste auf den folgenden Prüfungen aber kaum noch frischen Schnee fegen musste, konnte der Franzose den Abstand wieder herstellen. Dabei hatte er allerdings abermals das Glück des Tüchtigen. "Er war mehrere Male schon halb draußen", befand Michel Nandan nach dem Video-Studium des zweiten Durchgangs in Vargasen.

Der Teamchef brauchte seinen Fahrer nicht zurückzupfeifen. Paddon hatte nicht vor, Ogier noch einmal anzugreifen. Allerdings war Platz 2 kurz vor dem Ziel noch in Gefahr, als Paddon einen Holzpfahl am Wegesrand niederritt, der den Kühler leckschlug. Er konnte das Leck allerdings flicken. Ogier holte sich am Ende wieder einen ungefährdeten Sieg und auch noch die 3 Punkte für den Gewinn der abschließenden Powerstage. Der Titelverteidiger liegt nach seinem 34. WM-Erfolg nach zwei Rallyes komfortabel in Führung. In der Marken-WM sieht das Ergebnis knapper aus. Weil Neuville vor Latvala ins Ziel kam, liegt Hyundai mit 49 Zählern nur 5 Punkte hinter VW.

Ford nur beim Weitsprung vorne

Beim dritten eingeschriebenen Top-Team M-Sport-Ford herrschte leichte Enttäuschung. Mit Mads Östberg hatte Teamchef Malcolm Wilson ein heißes Eisen für den Gesamtsieg im Feuer, aber der Norweger hätte dafür bessere Schneebedingungen gebraucht. Als Östberg in Fahrt kam, war die halbe Rallye schon vorbei. Platz 3 war ein Trostpreis für Fahrer und Team. Auf der Kostenseite steht nach Monte Carlo ein weiteres Wrack von Teamkollege Eric Camilli. Der Franzose fühlte sich bei seinem zweiten Auftritt im World Rally Car gerade etwas sicherer auf dem ungewohnten Geläuf, da ging der Fiesta auch schon übers Dach.

Auf den Rädern blieb dagegen sein Vorgänger Elfyn Evans, der wie in Monte Carlo mit dem schwächeren Fiesta R5 unter die Top Ten fuhr und die WRC2-Kategorie gewann. Dabei setzte sich der Waliser gegen starke Nordmänner wie die Skoda-Werkspiloten Pontus Tidemand und Esapekka Lappi in ihren Werks-Skoda und Finnlands Top-Talent Teemu Suninen in einem weiteren Fabia R5 durch. Dem norwegischen Meister Eyvind Brynhildsen in einem zweiten Fiesta R5 musste sich der Waliser Evans nur in der Kategorie Weitsprung geschlagen geben. Brynhildsen hechtete beim zweiten Anlauf über die Kuppe Colin’s Crest 45 Meter weit, und damit schlug der Norweger in Sachen Mut nicht nur die WRC2-Kollegen, sondern das gesamte Feld der Top-Stars, die mit 40 PS mehr unterwegs waren. Brynhildsen sicherte sich damit nicht nur den Colin’s Crest Award, sondern einen Eintrag in die Annalen. Nie zuvor war ein Auto im Wald von Vargasen weiter gesprungen.

Eher kurz war der Höhenflug von Kris Meeke. Der Citroën-Werksfahrer abermals im Nicht-Werks-Citroën von PH Sport am Start, verknackste sich an seinem DS3 WRC die Lenkung, an einem Felsbrocken, was ihn bis auf Rang 23 zurückwarf. Immerhin machte der Ire beim Weitsprung mit 42 Metern den zweitweitesten Satz des Tages.

Überraschend weit nach vorn robbte sich der frühere Peugeot-Werksfahrer Craig Breen bei seinem ersten Auftritt im Citroën WRC. Meekes Landsmann wurde Achter, nur 4,6 Sekunden hinter Henning Solberg. Der norwegische Routinier war sichtlich stolz. Er war ohne einen einzigen Testkilometer auf den siebten Platz gefahren, ein Jahr nach seinem letzten WM-Auftritt. Selbst im Shakedown konnten Solberg und Beifahrerin Ilka Minor nicht vorher proben. Der Abschlusstest am Donnerstagmorgen war dem da noch zu warmen Wetter zum Opfer gefallen.

Warm ums Herz wurde es nach all den Klimmzügen zur Rettung der Rallye dem Veranstalter. Trotz fehlender Garantie für Schnee und Kälte in der Zukunft erhielt Glenn Olssons Team einen neuen Dreijahresvertrag. In unserer Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal ein paar Impressionen von der Rallye Schweden 2016.

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