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Rallye Spanien 2015

Ogier patzt auf den letzten Metern

Rallye Spanien 2015 Siegerpodium Mikkelsen Foto: VW

Den sicheren Sieg vor Augen flog VW-Fahrer Sébastien Ogier beim vorletzten WM-Lauf in Katalonien in die Leitplanke. In einem Herschlagfinale holte der Norweger Anderas Mikkelsen im dritten Werks-Polo seinen ersten WM-Sieg.

26.10.2015 Markus Stier

Andreas Mikkelsen öffnete die Tür, um sich für Rang zwei feiern zu lassen. Um 1,7 Sekunden hatte er den angreifenden Teamkollegen Jari-Matti Latvala auf der letzten Prüfung geschlagen. Doch der Radioreporter gratulierte zum Sieg: "Ogier ist draußen“, sagte er. Mikkelsen fragte zwei Mal: "Sicher?“

Er ist erst 26-Jahre alt, hat aber schon vor neun Jahren sein WM-Debüt gefeiert. Im 64. Anlauf gelang dem Strahlemann aus Oslo der große Durchbruch. "Ich habe lange daraufhin gearbeitet. Der erste Sieg war schwer, ich denke, beim nächsten Mal wird es leichter“, sagte er selbstbewusst. Sportchef Jost Capito, der Mikkelsen gegen interne Widerstände 2013 unter Vertrag nahm, standen im Ziel die Tränen in den Augen. "Ich habe immer geglaubt, dass er ein Siegertyp ist. Er hat sich nur ein bisschen Zeit gelassen.“

Ogier-Crash mit Folgen

Völliger Unglaube herrschte dagegen im VW-Kommandotruck über Ogiers Abflug. Noch bevor die leicht verzögerten Fernsehbilder von einem in eine Leitplanke einschlagenden VW Polo auf dem Bildschirm erschienen, hatte Beifahrer Julien Ingrassia den Funkspruch abgesetzt: "We crashed.“ Es war totenstill. Wie sagte Mikkelsen im Ziel: "Ein Ogier macht keine Fehler.“

Der strahlte, OlaFloene weinte. Latvala umarmte die Sieger. Er hatte im Finale alles gegeben. "Ich hätte nicht schneller fahren können.“ Er hatte zuvor sicherheitshalber zwei Ersatzräder an Bord genommen, Mikkelsen nur eines. Die Balance seines Polo war einen Hauch besser als die des Finnen. Ogier saß zunächst benommen und fassungslos auf der Leitplanke, er wurde sicherheitshalber zum Check ins Krankenhaus gebracht, wurde aber – abgesehen vom angekratzten Ego – ohne ernsthaften Befund entlassen.

51 Sekunden Vorsprung hatte der Weltmeister, der auf dem Weg zum sicheren 31. WM-Sieg war und aus Jux und Tollerei mal wieder versuchte, auch noch die drei Punkte für den Gewinn der abschließenden Powerstage mitzunehmen und dieses eine Mal grandios scheiterte. Auf der Auftaktetappe auf Schotter Freitag hatte sich die Verfolger Latvala, der mit Samstags mit Bremsproblemen kämpfte, mit einem Reifenschaden selbst um die Siegchance gebracht, Lokalheld Dani Sordo im Hyundai konnte zwar den Anschluss halten, aber gerade auf den folgenden Etappen auf seinem geliebten katalanischen Asphalt musste der Spanier zusehen, wie ihn alle drei VW langsam distanzierten.

Citroën überholt Hyundai

Die ganze Familie war da, und feierte wie in Deutschland bereits Platz vier und den Rang als bester Nicht-VW-Fahrer, da rief ein Cousin an und vermeldete Ogiers Ausscheiden. Plötzlich stand Sordo beim Heimspiel auf dem Treppchen und freute sich noch mehr als in Trier.

Die Teamkollegen hatten weniger Grund zur Freude. Hayden Paddon, frisch für drei Jahre zum Hyundai-Angestellten befördert, schüttelte den Kopf, als Thierry Neuville mal wieder im Graben landete. "Das macht es in der Marken-WM noch schwerer“, sagte der Neuseeländer. Doch der Belgier war unschuldig, ein schlagartig gebrochenes Frontdifferenzial machte seinen i20 plötzlich zur Heckschleuder. Es dauerte über vier Minuten, bis das Auto wieder auf der Straße stand. Zuvor war er Paddon mit nur zehn Sekunden Abstand gefolgt. Für die Marken-WM breitete man sich bei den Koreanern auf einen späten Platztausch vor, am Ende wurde Paddon Sechster und Neuville mit rund acht Minuten Rückstand nur Achter.

Citroën, vor dem Spanien-Wochenende nur einen Punkt vor Hyundai hat dank eines geschlossenen Mannschaftsergebnisses nun sechs Zähler Vorsprung. Mads Östberg, am Freitag noch mit einem Reifenschaden aufgehalten, zeigte die stärkste Asphaltvorstellung seiner Karriere und hielt den angreifenden Teamkollegen Kris Meeke im Kampf um Platz fünf knapp auf Distanz. Ogiers Missgeschick spülte ihn auf Platz vier vor, 1,9 Sekunden vor Meeke.

Eine echte Pleite erlebte das M-Sport-Team. Ott Tänak glänzte auf den Schotterprüfungen des Freitags als Dritter, montierte aber auf dem Asphalt früh ein Rad ab. Elfyn Evans flog mit seinem Ford Fiesta ebenfalls von der Straße. Beide blieben punktelos wie Ogier.

al Attiyah wieder WRC2-Weltmeister

Dessen Abflug hatte noch weitreichendere Folgen, denn er entschied mit seinem Fehler die WRC2-WM. In der zweiten Liga hatte sich Esapekka Lappi im Werks-Skoda mit einem Crash am Samstag aus dem Rennen gebracht, aber Teamkollege Pontus Tidemand hätte noch Chancen gehabt, wenn Titelverteidiger Nasser al Attiyah es nicht aufs Podium schaffen würde. Skoda schickte mit Jan Kopecky erstmals noch ein drittes Werksauto ins Rennen, um den Katari in Schach zu halten.

Während Tidemand dem Feld früh enteilte, lag al Attiyah im Kunden-Skoda von Erik Wevers nach 22 Prüfungen auf dem nötigen dritten Platz, aber von hinten drohte Gefahr. Ohne Testfahrt vor der Rallye benötigte Armin Kremer im Baumschlager-Skoda ein paar Kilometer, um sich einzuschießen, aber der Mecklenburger kam mit jeder Prüfung besser in Fahrt. Nach einem Fahrfehler von al Attiyah am Sonntagmorgen waren aus 24 Sekunden Rückstand auf den Araber noch knapp sieben geblieben. Nach der vorletzten Prüfung war es noch eine Zehntelsekunde. Als den am Start der letzten Prüfungen stehenden Recken mitgeteilt wurde, dass der abgewrackte Ogier-Polo die Strecke blockiere und WP23 folglich abgesagt werden müsse, erhielten alle Wartenden die gleiche Zeit. Folglich blieb al Attiyah einen Wimpernschlag vor Kremer, war erneut WRC2-Weltmeister und musste sich von allen Betroffenen die Frage gefallen lassen, wie viel er dem WRC-Weltmeister Ogier gezahlt habe. "Ich habe die Summe nicht mehr im Kopf“, sagte der alte und neue Titelträger schlagfertig.

Beifahrer Matthieu Baumel staunte: "Wir haben in diesem Jahr drei Meisterschaften, die Dakar und 16 von 22 Rallyes gewonnen. Ich glaube, das hat noch keiner geschafft.“ Seinem Fahrer gehen langsam die Herausforderungen aus. Bliebe nach Bronze in London im Tontaubenschießen allenfalls noch eine olympische Goldmedaille. "Also gut,“ sprach der Mann aus Katar. "Das probiere ich dann im nächsten Jahr.“

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