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Rallye Spanien, Tag 1

Ogier fährt allen davon

Rallye Spanien 2014 Foto: McKlein 39 Bilder

Die Hoffnung auf eine Vertagung der Fahrer-WM bis zum Finale schwindet. VW-Werksfahrer Sébastien Ogier nutzte seine günstige Streckenposition und setzte sich schon nach einem Tag deutlich ab.

24.10.2014 Markus Stier

So schnell ändern sich die Vorzeichen. Man könnte dem Wind die Schuld geben, dem Veranstalter oder dem Schicksal. In jedem Fall hieß der Profiteur des Tages Sébastien Ogier. Eigentlich rechnete der Tabellenführer mit erheblichem Zeitverlust, weil er als Erster auf der Strecke für die anderen den Weg frei fahren musste. Doch der Franzose bot eine weltmeisterliche Leistung, vor allem auf der mit 34 Kilometern längsten Prüfung des Tages schenkte er der Konkurrenz reichlich Sekunden ein. Zudem half ihm, dass er als einziger komplett freie Sicht hatte. Hinter ihm litten die Gegner unter reichlich Staubentwicklung.

Staub bremst Verfolger

Andreas Mikkelsen, der im dritten VW Polo eigentlich angreifen wollte, blies die Attacke noch am Morgen ab. "Das war zeitweilig, wie wenn dir jemand ein Handtuch vor die Scheibe hängt“, klagte der Norweger über den Staub, der sich auf den Schotterprüfungen vor allem in den Tälern fing, in denen Windstille herrschte. Hyundai-Fahrer Thierry Neuville fand deutlichere Worte: "Das ist wirklich gefährlich. Vielleicht muss sich erst wieder einer umbringen, bis jemand reagiert.“ Robert Kubica musste lachen: "Es war letztes Jahr genau das gleiche, jetzt sind wir wieder hier und reden über das gleiche Thema.“ Die Veranstalter hatten den Vorschlag zurückgewiesen, den ohnehin auf drei Minuten vergrößerten Startabstand auf vier Minuten zu verlängern. Sie haben die Befürchtung, Zuschauer könnten in der längeren Pause auf die Strecke laufen, um den Standort zu wechseln.

Der Verlierer des Tages wollte den Staub nicht als Ausrede nutzen. Ogier hatte den Rest des Feldes vor allem auf einem sechs Kilometer langen Zwischenstück auf Asphalt am heftigsten abgeduscht. Jari-Matti Latvala klagte zwar auch über mangelnde Sicht in der ein oder anderen Kurve, die Erklärung für seinen Rückstand von 36,6 Sekunden suchte er aber weitgehend bei sich selbst: "Ich bin nicht gut gefahren. Ich hatte Probleme, die Bremspunkte zu finden und war mit dem Setup auch nicht zufrieden. Am Ende fehlte mir dann einfach das Selbstvertrauen.“ Der Finne räumt ein, dass er Ogier aus eigener Kraft kaum noch vom Weltmeistertitel abhalten kann. Sein letzter Strohhalm ist die Hoffnung, mit Reifen schonender Fahrweise auf den langen Prüfungen am Samstag dem Kontrahenten etwas Zeit zu stehlen.

Neuville scheitert an Fliege

Sich selbst bestohlen hatte am Ende er ersten Etappe der Mann, der zuvor Rang zwei belegte: Thierry Neuville profitierte als Sechster auf der Strecke immerhin von einer frei gefahrenen Piste und, setzte im Hyundai eine Bestzeit und lag sicher auf Rang zwei, als er sich auf der letzten Tagesprüfung von einer Fliege im Cockpit aus dem Tritt bringen ließ. Das Resultat war ein Reifenschaden und eine krumme Hinterachse. Neuville musste das Rad hinten rechts in der Prüfung wechseln und über zwei Minuten. Mit 2:29 Minuten Rückstand endete der Tag unbelohnt auf Platz neun.

Teamkollege Dani Sordo haderte bei seinem Heimspiel zunächst mit einem untauglichen Setup, fühlte sich aber mit weicherer Abstimmung und besserer Traktion am Nachmittag wohler und liegt auf Rang sieben. Eigentlich hätte Junior Hayden Paddon bester Hyundai-Fahrer des Tages sein können. Dem Neuseeländer gelang seine erste Bestzeit in der Weltmeisterschaft und war nach drei Prüfungen Dritter, aber schon auf Prüfung vier fuhr er gleich zwei Plattfüße ein, musste beide bei laufender Stoppuhr wechseln und fiel mit knapp sechs Minuten Zeitverlust auf Platz 22 zurück. Bei der Aufholjagd drehte sich der Neuseeländer am Nachmittag. Er liegt nun auf Rang 14.

Immerhin sah Paddon das Etappenziel, denn die Hyundai gingen mit zwei Ersatzreifen in die Schotterprüfungen des Morgens. Citroën-Fahrer Kris Meeke dagegen hatte nur ein Ersatzrad dabei. Der Nordire zerstörte zwei Räder, weil er auch den Raum neben der Piste in die Ideallinie einbezog. Weil das Reglement auf den Verbindungsetappen im öffentlichen Straßenverkehr vier intakte Räder fordert, musste Meeke schon vor der ersten Mittagspause aufgeben, obwohl sein DS3 nahezu unversehrt war. Meeke wird Samstag gemäß der Superally-Regeln mit 20 Strafminuten wieder ins Rennen gehen.

Latvala profitiert vom Pech der Gegner

Gleiches gilt für Elfyn Evans, der sich in seiner ersten WRC-Saison nur wenig Fehler leistete, aber dieses Mal den Ford Fiesta des M-Sport-Teams in die Büsche stopfte. Der Waliser musste aufgeben, weil der Kühler leckgeschlagen war. Bester Ford-Mann ist demnach wieder einmal Mikko Hirvonen, der sich unauffällig und fehlerlos auf Platz fünf einrichtete, und dem nur 4,8 Sekunden auf Rang zwei fehlen, denn 4,1 Sekunden vor ihm liegt auf Rang vier Andreas Mikkelsen, der wiederum nur eine Zehntel hinter Landsmann Mads Östberg im überlebenden Citroën lauert.

Östberg allerdings hatte zwei Mal Pech. Am Morgen lief er auf seinen havarierten Teamkollegen Kris Meeke auf und konnte im dichten Staub nicht überholen. Am Nachmittag passierte ihm das Gleiche mit Thierry Neuville. "Das allein hat mich bestimmt zehn Sekunden gekostet“, sagte der Drittplatzierte.

Die Probleme der Konkurrenten hievten einen am Nachmittag entschlossener agierenden Jari-Matti Latvala auf der letzten Schotterprüfung von Rang sieben auf Platz zwei. Am Abend bauten die Teams in 75 Minuten die Autos auf Asphaltspezifikation um, denn am Samstag und Sonntag wird nur noch auf festem Belag gefahren. Gute Nachrichten für die Publikumsmagneten Ken Block und Robert Kubica. Der Pole auf Rang sechs fühlt sich im Ford Fiesta auf Asphalt ohnehin wohler, Markenkollege Ken Block haderte mit mangelnder Erfahrung mit den Schotterreifen. "Die Jungs hier fahren damit das ganze Jahr, ich zum ersten Mal“, klagte der Amerikaner, der auf Rang elf im Etappenziel einlief und sich die gute Laune trotzdem nicht verderben ließ. Der Youtube-Star nutzt die Spanien-Rallye zwischen zwei anderen Terminen in Europa als Familien-Urlaubstrip und bekennt: "Ich bin hier eigentlich nur Rallye-Tourist."

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