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Sébastien Loeb

Der Größte aller Zeiten

Foto: McKlein 168 Bilder

Sébastien Loeb ist auf dem besten Weg, der Schumi des Rallyesports zu werden. Nur wenige Rekorde fehlen dem Elsässer noch, um in allen wichtigen Kategorien der Hall of Fame ganz vorn zu stehen. Was den fast dreimaligen Titelträger noch auszeichnet: Er ist auch Weltmeister in Bescheidenheit.

05.09.2006 Markus Stier

Als Sébastien Loeb mit 5,6 Sekunden Vorsprung beim japanischen WM-Lauf ins Ziel fuhr, überwog fast die Erleichterung die Freude: "Jetzt ist es endlich geschafft. Keiner wird mich mehr fragen, wann ich den Rekord mit den meisten WM-siegen knacke." Mit 27 WM-Erfolgen seit seinem WRC-Debüt in einem Toyota Corolla bei der Rallye Korsika 2000 liegt der Franzose nach knapp sieben Jahren allein an der Spitze der Bestenliste. Kontrahent Marcus Grönholm stöhnt: "Er ist der schwerste Gegner, den man sich vorstellen kannn." Petter Solberg verneigt sich tief: "Seb ist ein großer Champion."

Loebs Vorbild Carlos Sainz mühte sich 19 Jahre ab, um 26 Rallyes zu gewinnen. Dennoch scheut der aktuelle zweimalige Weltmeister mit dem zweifachen Titelträger aus Spanien. "Ich kann mich mit den früheren Rekordhaltern nicht vergleichen. Ich habe zwar 27 Siege, aber in meinen Augen heißt das nicht, dass ich besser bin als andere Fahrer wie Carlos Sainz."

Tatsächlich war es vor einem Jahrzehnt noch deutlich schwieriger, in so kurzer Zeit eine solche Anzahl von Siegen einzuheimsen. Erstens gab es lediglich zwölf statt 16 WM-Rallyes. Noch dazu bestritten die Werksteams keineswegs alle Läufe. Vor zwei Jahrzehnten galt noch die Regel, dass nur die besten sieben Ergebnisse einer Saison für die Tabelle herangezogen wurden. Da es also ohnehin mindestens fünf Streichresultate gab, fuhren die wenigsten Fahrer mehr als neun WM-Rallyes pro Jahr.

Schließlich hat sich die Zuverlässigkeit der Autos drastisch verbessert. Moderne Qualitätskontrollen, ein deutlich erhöhter Aufwand bei Wartung und Revision und immer kürzere Rallyes sorgen für deutlich mehr Zielankünfte.

Weitere zehn harte Jahre für die Konkurrenz?

Dennoch sticht Sébastien Loeb aus dem Kreis der Großen des Rallyesports heraus. Bei einem Vorsprung von 33 Punkten ist sein dritter Weltmeister-Titel nur noch Formsache. Lediglich Juha Kankkunen und Tommi Mäkinen schafften vier WM-Titel. Loeb gewinnt seine dritte WM in Folge. Nur Mäkinen konnte sich vier Mal hintereinander die Krone aufsetzen. Niemand im Rallye-Zirkus zweifelt daran, dass Loeb fünf Titel oder mehr schafft, wenn ihm nicht etwas Unvorhergesehenes zustößt. Loeb ist erst 32 Jahre alt. Andere Superstars wurden mit über 40 noch Weltmeister. Wieviel Erfolge kann "Super Seb" erst in weiteren zehn Jahren ansammeln?

Loeb ist nicht nur der zur Zeit Schnellste, Nervenstärkste und Zuverlässigste, er ist auch ein Meister der Vielseitigkeit. Unter den aktuell 16 WM-Rallyes gibt es lediglich zwei, die er noch nicht gewinnen konnte. In Finnland musste sich Loeb nur knapp Marcus Grönholm beugen, den fehlenden Erfolg in Großbritannien kann Loeb schon in dieser Saison nachreichen.

Die Rallye Monte Carlo, die immer noch als Königin der Rallyes gilt, gewann Loeb bereits drei Mal. Nur der Italiener Sandro Munari, Walter Röhrl und Tommi Mäkinen schafften vier Siege (Letzterer sogar in Folge). Den Rekord für die meisten Erfolge bei einer einzelnen Rallye hält Hannu Mikkola in Finnland mit sieben Siegen. Bei fünf Siegen (in Folge) in Deutschland, liegt auch diese Bestmarke in Reichweite.

Loeb stöhnt und jammert nicht

Röhrl war in den frühen Achtzigern eine Klasse für sich, doch war der Regensburger in Schweden chancenlos, in Finnland trat er erst gar nicht an. Carlos Sainz konnte in Schweden nie gewinnen, Colin McRae und Juha Kankkunen bissen sich an der Rallye Monte Carlo die Zähne aus, Tommi Mäkinen stand mit der britischen Insel auf Kriegsfuß.

Sind die Bedingungen wie bei einer verregneten Deutschland-Rallye noch so schwierig, Loeb ist der einzige Fahrer der nicht stöhnt. Muss er als Tabellenführer ständig den Nachteil in Kauf nehmen, am ersten Rallyetag den Straßenkehrer für die anderen zu spielen, Loeb beklagt sich nicht. Seit es Loeb gibt, gilt der Grundsatz "Wer als erster startet, kann nicht gewinnen" nicht mehr.

Bei allen Loeb-Gesängen darf nicht vergessen werden, dass der Franzose enorm von der Dominanz des Citroën-Werksteams in den letzten Jahren profitierte. Alle seine Siege fuhr er mit Beifahrer Daniel Elena (ebenfalls der Erfolgreichste seiner Zunft) und dem Citroën Xsara WRC ein. Erst Ende dieses Jahres endet mit dem Modellwechsel diese Ära.

Zudem darf ein anderer Fahrer nicht ganz vergessen werden. Marcus Grönholm ist zwar mit 38 Jahren der deutlich Ältere, aber auch der Finne hat bereits 22 WM-Siege auf seinem Konto. In der ewigen Bestenliste schob er sich gegenüber dem Vorjahr von Rang acht mit vier Saison-Siegen auf Platz fünf vor. Mit dem zur Zeit überlegenen Ford Focus könnte der zweimalige Weltmeister bei fünf verbleibenden Rallyes theoretisch ebenfalls noch vor Jahresende Carlos Sainz überholen und mit Loeb gleichziehen.

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