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Sebastién Ogier bei M-Sport

Das neue Drift-Monster des Weltmeisters

Ford Fiesta WRC - M Sport - Rallye-WM - WRC - Ogier Foto: Red Bull Content Pool 12 Bilder

Für die Rallye-WM und Malcolm Wilson ist ein Traum war geworden. Sébastien Ogier, der beste Drifter der Welt, sitzt 2017 im Ford Fiesta des Underdog-Teams M-Sport. Der neue Rennwagen trägt die Farben von Ogier-Sponsor Red Bull.

27.12.2016 Markus Stier

Diese Pressekonferenz vor der Rallye Großbritannien wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. Obwohl Sébastien Ogier erst vier Tage später erfuhr, dass sein Arbeitgeber Volkswagen sich aus der Rallye-WM zurückziehen würde, orakelte er gegenüber M-Sport-Teamchef Wilson: „Wer weiß? Vielleicht fahre ich ja eines Tages für Malcolm.“

Anderthalb Monate ist der Traum für das britische Team wahr geworden. Weil Hyundai und Citroën kein Geld und keinen Platz haben, weil der neue Toyota Yaris bei Testfahrten nicht überzeugen konnte, unterschrieb der beste Rallyefahrer der Gegenwart für die Saison 2017 bei M-Sport. Über die Vertragslaufzeit verrieten beide Seiten keine Details, aber Ogier machte zuletzt keinen Hehl daraus, dass er sich vorerst nicht länger als ein Jahr binden wolle.

M-Sport Ford Fiesta WRC 2017Foto: M-Sport
Neues Arbeiutsgerät von Sebastién Ogier: Der M-Sport Ford Fiesta WRC 2017.

Ogier von Fiesta angetan

Es ist ein großer Schritt nach unten für den viermaligen Weltmeister. Gegenüber seinem alten Topteam VW mit rund 70 Millionen Euro Budget, dürfte die Saison-Kriegskasse in Cumbria drei bis vier Mal kleiner sein. Und zum fünften Jahr in Folge wird M-Sport als Privatteam an den Start gehen. Den Status als Ford-Werksteam hat die Mannschaft aus dem nordenglischen Cockermouth mit dem Rückzug der Amerikaner Ende 2012 verloren.

Seitdem schlägt sich die Mannschaft von Malcolm Wilson ohne Geld eines Herstellers oder großen Sponsors in der WM durch. Seit vier Jahren gelang kein Sieg mehr. In der Abschlusstabelle belegte M-Sport zum Saisonende Rang vier hinter den echten Werksmannschaften von VW, Hyundai und Volksagen II.

Immerhin: In Polen und Wales durfte die Truppe am Sieg schnuppern. Bei beiden Rallyes war Ogiers künftiger Teamkollege Ott Tänak schnellster Mann des Wochenendes, verlor aber beide Rallyes mit Reifenschäden – im Juli in Polen erst eine Stunde vor dem Ende. Damals trug Ogier den Esten auf seinen Schultern, um öffentlich seinen Respekt zu bekunden.

Den Hut zog der Weltmeister auch vor dem von M-Sport unter Technikchef Chris Williams in Eigenregie konstruierten Fiesta WRC. Ogier testete den neuen, dank Regeländerungen um 50 PS stärkeren Fiesta fünf Tage nach dem WM-Finale auf der walisischen Schotterprüfung Walters Arena.

„Eine neue Generation von Autos, ein neues Team. Für mich sind das aufregende Zeiten, und ich freue mich darauf“, sagte der 38-malige WM-Laufsieger. Ogier klagt, dass er bisher nur wenig Testkilometer im Fiesta sammeln konnte, dass er aber in Monte Carlo sein Bestes geben werde.„

Malcolm Wilson sprudelt über: “Zu sagen, ich bin begeistert, wäre untertrieben. Wie gehen mit der Startnummer eins und der stärksten Fahrerpaarung seit Jahren nach Monte Carlo.„ Wilson hatte schon nach ersten Gerüchten über den VW-Rückzug angekündigt, er werde alles unternehmen, um Ogier an Land zu ziehen.

Große Ziele bei M-Sport

Doch es gibt nicht nur Gewinner. Die diesjährigen M-Sport-Topfahrer Mads Östberg und Eric Camilli finden in der M-Sport-Jubelnachricht ebenso wenig Erwähnung wie Elfyn Evans, der den dritten Fiesta mit DMack-Reifen fahren soll, wobei die Finanzierung im November noch nicht gesichert war. Östberg empfahl sich nach einer schwachen Saison ebenso wenig wie Camilli, der bei jeder zweiten Rallye von der Straße flog. Doch den französischen Nachwuchsfahrer hatte Wilson eigentlich wie Tänak schon vor dem Saisonfinale für 2017 bestätigt. Ab 2017 sind pro Team in der Hersteller-Wertung die besten zwei von drei nominierten Fahrern punktberechtigt. Ein Dreiwagenteam verspricht also klar bessere Erfolgsaussichten.

Der größte Verlierer heißt bisher Andreas Mikkelsen. Während Ogier nun seinen Platz gefunden hat und Jari-Matti Latvala wohl bei Toyota unterkommt, steht der dritte VW-Werksfahrer und WM-Dritte kurz vor Weihnachten zwischen den Stühlen.

So ging es auch Malcolm Wilson nach dem Abgang von Ford. Topfahrer konnte er sich finanziell nicht leisten, das WRC-Team finanzierte er mit Kundensport und aus eigener Tasche, denn nach 2013 fand sich auch kein größerer Geldgeber mehr. Technische Weiterentwicklung ist nur in Maßen möglich. Dennoch platzt Malcolm Wilson schon seit dem Herbst vor Stolz über den neuen Fiesta, dessen Motor ebenfalls bei M-Sport entwickelt wurde.

Weltmeister Ogier und Beifahrer Julien Ingrassia machten schon vor dem Test klar, dass sie im Zweifelsfall ein konkurrenzfähiges Auto einem dicken Gehalt vorziehen würden, eine klare Botschaft an Toyota. Die meisten Experten halten den neuen Citroën C3 für das vielversprechendste Sportgerät der neuen WRC-Generation, aber dort zeigte Sportchef Yves Matton nur halbherzig Interesse. Ganz im Gegensatz zu Wilson: „Ich kann sehen, wie hungrig Malcolm und sein Team sind“, schwärmt Ogier und verkündet: „Unser Ziel ist, M-Sport wieder ganz oben aufs Podium zu bringen.“ Die Konkurrenz darf das durchaus als Drohung auffassen.

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