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Vorschau Rallye Argentinien

Es wird neu gemischt

Rallye Argentinien 2013 Foto: VW

Im Jahr eins nach dem Rücktritt von Sébastien Loeb wird es beim fünften WM-Lauf einen neuen Sieger geben. Allerdings ähnelt die Lage den Vorjahren. Der Favorit ist der Weltmeister, er ist Franzose und heißt Sébastien.

08.05.2014 Markus Stier

Argentinische Rallye-Fans, die gerade erst die Volljährigkeit erreicht haben, dürften es schwer haben, sich auf dem Podium ihres WM-Laufes an ein anderes Gesicht zu erinnern, als das von Sébastien Loeb. Seit 2006 war der neunmalige Weltmeister in der Neuen Welt nicht zu bremsen. Kein Wunder, dass er auf seiner nur vier Rallyes umfassenden Abschieds-Tournee 2013 unbedingt Argentinien auf dem Zettel haben wollte. Weil sein Rivale Sébastien Ogier sich im Zweikampf einen Fehler leistete, feierte Loeb in Villa Carlos Paz seinen letzten WM-Erfolg.
 

Hoch hinaus in Argentinien

Doch die Serie von acht ununterbrochenen Loeb-Siegen wird 2014 in Abwesenheit des großen Champions definitiv keine Fortsetzung finden. Dafür möchte der andere Sébastien gern eine andere Serie fortsetzen. Acht WM-Läufe in Folge hat VW seit Portugal gewonnen und damit den bisherigen Rekord von Citroën eingestellt. Die Hannoveraner wären bei einem Sieg in Südamerika alleiniger Rekord-Halter. Der Polo WRC ist ohnehin das favorisierte Auto. Schon im Vorjahr zeigte sich, dass Motorenchef Donatus Wichelhaus das Thema Höhenanpassung des Motors bestens im Griff hatte. Zwar liegen die Wertungsprüfungen in Mexiko noch etwas höher, aber mit rund 2.100 Metern über Normalnull geht es auch in Argentinien weit nach oben. Unvergleichlich ist vor allem der Höhenunterschied von 1.500 Metern.
 
Immerhin findet der gefürchtetste Aufstieg in diesem Jahr aus. Die Prüfung Mina Clavero mit ihrer materialmordenden Felspiste und den pittoresk hingewürfelten Findlingen am Steckenrand wird in umgekehrter Reihenfolge und damit bergab gefahren. Trotzdem rechnen sich die Newcomer nicht viel aus. Bei Hyundai fehlt es dem Motor noch an Kraft und Testkilometern. Teamchef Michel Nandan erwartet keine Bestzeiten wie zuletzt in Portugal. Ein gutes Ergebnis ist für die Truppe aus Alzenau dennoch drin. In der noch dünneren Luft von Mexiko fuhr Thierry Neuville mit Rang drei das beste Ergebnis ein. Gespannt ist die Rallye-Gemeinde auf den nachnominierten Dani Sordo, der als Spanier im spanisch sprechenden Land der Gauchos ein Publikumsliebling ist. Zudem liegt die Schotter-Rallye dem Mann, der in Portugal bis zum unverschuldeten Antriebswellenschaden schnellster Hyundai-Mann war und so anstelle des eigentlich eingeplanten Juho Hänninen ins Lenkrad greifen darf.

Hohes Tempo fördert Ausfälle

Die Ausfall- und Pannenquote ist in Argentinien traditionell hoch.  Das liegt nicht in erster Linie am zu harten Untergrund, sondern am Tempo. Die Fahrer lieben die Rallye gerade wegen der schnellen Pisten, doch die haben es in sich. Mit Ari Vatanen und Markko Märtin kamen in der Vergangenheit zwei Top-Fahrer nach fürchterlichen Highspeed-Unfällen nur knapp mit dem Leben davon. Wer es auch in langsameren Ecken zu eilig hat, fährt sich beim Räubern über die Streckenränder leicht einen Reifen platt oder einen Querlenker krumm. Mit 405 Kilometern auf nur 14 Prüfungen zählt der argentinische WM-Lauf zu den längeren Veranstaltungen, seit FIA-Präsident Jean Todt die Organisatoren ermunterte, den Ausdauer-Charakter wieder mehr in den Vordergrund zu stellen. Die längste Prüfung ist knapp 52 Kilometer lang.
 
Der Weltmeister dürfte kaum Konditionsprobleme kriegen. Sébastien Ogier ist topfit und hungrig. Argentinien ist einer der WM-Läufe, die der VW-Werkspilot noch nicht gewinnen konnte. Während der Tabellenführer keinen allzu großen Druck hat, ist Teamkollege Jari-Matti Latvala in der Zwickmühle. Nach seinem Patzer in Portugal ist der Finne in der Fahrertabelle 29 Punkte hinter Ogier zurückgefallen, und muss eigentlich angreifen, um Boden gut zu machen. Aber Latvala weiß auch: "Vor allem bei der zweiten Durchfahrt der Prüfungen kann es schnell passieren, dass man einen großen Stein trifft, sobald man ans Limit geht. Man muss also immer ein wenig Luft lassen."
 
Obwohl die Luft im stark besetzten VW-Team auch auf Meereshöhe ziemlich dünn ist, rechnet sich Youngster Andreas Mikkelsen einiges aus. Im Testjahr 2012 erregte er erstmals den Unmut von Ogier, als der Norweger im Skoda Fabia zeitweilig schneller war als der Teamleader. Zudem ist Mikkelsen die Rallye schon im Vorjahr im Polo WRC gefahren und kann so beim Aufschrieb auf Erfahrungswerten aufbauen. Das ist umso mehr von Bedeutung, als dass sich die Streckenführung abgesehen von der umgekehrten Fahrtrichtung in Mina Clavero kaum geändert hat.

Citroën und Ford nur Außenseiter

Schlecht für Citroën-Fahrer Kris Meeke, für den es nur darum gehen kann, Erfahrung zu sammeln und vor allem auf der Strecke zu bleiben, nachdem er mit einigen Fahrfehlern im ersten Saisondrittel bei Sportchef Yves Matton für erstes Stirnrunzeln gesorgt hat. Teamkollege Mads Östberg kennt Argentinien gut und zeigte zuletzt im DS3 auf Schotter ansteigende Form, ob der Norweger indes ein Siegkandidat ist, muss er erst beweisen.
 
Da käme schon eher Mikko Hirvonen in Frage, der sich in Portugal als Zweiter aus einer längeren Krise befreite. Zudem liegt Argentinien dem mit 33 Jahren dienstältesten Topfahrer. Das ein oder andere Mal war er nur durch technisches Pech aufzuhalten. Allerdings lag den Ford-Motoren die Höhenluft nie besonders. Das wird Neuling Elfyn Evans kaum stören. Der junge Waliser ist froh, dass er überhaupt die Chance auf eine komplette WM-Saison bei M-Sport bekommen hat und will vor allem fehlerlos ins Ziel fahren. 

Kubica setzt auf Ankommen

Selbiges schwört auch Robert Kubica. Der frühere Formel-1-Star verschrottete schon reichlich Material und demolierte seinen Ford Fiesta zuletzt in Portugal gleich zwei Mal. In seiner eigentümlichen Betrachtung ist aber nicht die hohe Fehlerquote in seiner ersten Saison im WRC die Überraschung, sondern, dass er im Debütjahr 2013 kaum Fehler machte und den WRC2-Titel einfuhr. Wie auch immer, der Pole schwört, er habe seine Lektion jetzt gelernt: "Auf Schotter muss ich mich darauf konzentrieren, ins Ziel zu kommen – und nicht versuchen, so schnell zu fahren wie ich kann."
 
Die Rallye Argentinien beginnt am Donnerstag, 8. Mai mit einer abendlichen Superspecial in Villa Carlos Paz am Fuße der Sierra de Cordoba und endet am Sonntag, den 11. Mai nach der Powerstage auf der legendären Prüfung "El Condor" gegen 20 Uhr unserer Zeit.

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