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Vorschau Rallye Griechenland

Belastungsprobe für Mensch und Material

Foto: Mc Klein 41 Bilder

Es ist der siebte Lauf der Saison. Und es wird für Fahrer und Autos die wohl härteste Rallye des Jahres: Der WM-Lauf in Griechenland wartet nach dem Umzug in den Westen des Landes mit zahlreichen neuen, harten Wertungsprüfungen auf.

10.06.2009

Das Ford-Werksteam reist mit stolzgeschwellter Brust an den Golf von Korinth. Mit ihrem Doppelsieg beim WRC-Lauf auf Sardinien haben die beiden Finnen am Ford-Volant Selbstvertrauen im Kampf gegen die vermeintliche Übermacht aus Frankreich getankt. Jari-Matti Latvala und Mikko Hirvonen verwiesen Sébastien Loeb an der Costa Smeralda auf Rang vier und traten damit den Beweis an, dass Loeb nicht unschlagbar ist. Auch wenn ihnen dabei ein Reifenschaden des Citroen-Piloten und die damit verbundene Zeitstrafe für Loeb und seinen Co-Piloten Daniel Elena zugute kam.

Fußballgroße Felsbrocken und extreme Hitze

Vor dem siebten Lauf zur Rallye-WM sind sich alle Piloten und Teambosse einig: die Rallye Griechenland wird für Mensch und Maschine die härteste Prüfung im gesamten WM-Kalender. Das Rallye-Hauptquartier befindet sich in diesem Jahr erstmals nicht mehr in Athen, sondern weiter westlich in der Kurstadt Loutraki. Hier, wo auch eines der bekanntesten Mineralwässer Griechenlands seinen Ursprung hat, werden Loeb, Solberg, Latvala und die übrigen Lenkrad-Artisten in der gnadenlosen griechischen Sonne bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad schmachten. In den Cockpits werden locker 60 Grad plus erreicht. Gut, dass zumindest kein Nachschub-Engpass an Mineralwasser zu erwarten sein dürfte.

Daher spielt die Fitness bei dieser Rallye eine enorm wichtige Rolle. Denn auf eine Klimaanlage müssen die Piloten selbstredend verzichten. Einzig ein Hauch von Fahrtwind sorgt während der Wertungsprüfungen für Frischluft in den Cockpits. Ford-Pilot Latvala erklärt: "Wichtig ist, dass Du vor der Rallye lernst, wie Du mit der Hitze richtig umgehst. Ich werde vorher Joggen gehen oder eine Radtour machen, um mich an die Temperaturen zu gewöhnen. Drinnen in klimatisierten Räumen zu bleiben, ist jedenfalls der genau falsche Ansatz."

Neue Streckenführung bei der Rallye Griechenland

Nach seinem Sieg bei der Rallye Sardinien geht Latvala mit gestärktem Selbstbewusstsein zur Sache. Am Freitag startet er von Position sechs aus: "Ich will in Griechenland um den Sieg kämpfen. Ich habe eine gute Startposition am Freitag. Aber vor dem Recce weiß ich nicht, wie viel Schotter auf den neuen Prüfungen des Samstag liegt."

Mit dem Umzug weg von Athen halten erstmals auch wieder einige klassische WP's der traditionsreichen Akropolis-Rallye Einzug in die Rallye-WM. An den Belastungen für das Material ändert dies freilich nichts. Der schroffe Untergrund malträtiert die WRC-Boliden aufs Äußerste. Teilweise ragen fußballgroße Felsbrocken aus der Fahrbahn heraus. Nicht nur Fahrwerk und Chassis sind demnach höchsten Belastungen ausgesetzt, sondern auch die Reifen.

Pirelli bringt die härteste Mischung des Scorpion-Schotterpneus nach Griechenland. Doch die Piloten müssen auf den zumeist über 20 Kilometer langen Wertungsprüfungen mit ihren Reifen extrem haushalten. Sébastien Loeb, der 2008 die Rallye für sich entscheiden konnte, plaudert aus dem Nähkästchen: "Der letztjährige Sieg war nur durch richtiges Reifenmanagement möglich. Es ist hier einfach unmöglich, die ganze Rallye über flat-out am Limit zu fahren. Ich habe beim Speed einen guten Kompromiss gefunden, der es mir erlaubte, die Prüfungen ohne einen Reifenschaden zu überstehen. Die nötige Erfahrung ist hier ganz wichtig, damit Du spürst, ob Du dem Auto zu viel abverlangst."

Hierin wird einer der Schlüssel zum Sieg bei der diesjährigen Rallye Griechenland liegen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist im Vergleich zu anderen WM-Läufen relativ gering. Nur beim letztjährigen WM-Lauf in der Türkei waren die Geschwindigkeiten noch niedriger. Damit steht den hochgezüchteten Turbomotoren aber auch weniger Kühlluft durch den Fahrtwind zur Verfügung.

Ford mit zahlreichen Erfolgen in Griechenland

Die vielen neuen Prüfungen sind eine weitere Herausforderung. Ford-Pilot Mikko Hirvonen: "Es sind so viele neue WP's, dass es fast eine komplett neue Rallye ist. Ich scheine mit neuen Rallyes gut zurecht zu kommen. Daher hoffe ich, dass dies auch für Griechenland zutreffen wird. Die Akropolis-Rallye ist so hart, dass es wohl das einzige Event in der Saison ist, wo der Fahrer ernsthaft darauf achten muss, das Fahrzeug zu schonen."

In sein Arbeitsgerät dürfte der 28-jährige Finne indes größten Vertrauen haben. Denn der Ford Focus RS WRC ist nachweislich ein äußerst zuverlässiges Sportgerät. Zudem verbuchte das Team von Malcom Wilson bei den letzten neun Starts in Griechenland insgesamt sechs Siege. Um die Temperaturen im Cockpit während der WP's macht sich der colle Finne Hirvonen keine großen Sorgen: "Die Hitze macht mir am meisten vor dem Start der WP's zu schaffen, wenn ich mit Helm im Auto sitze und drei oder vier Minuten auf den Start warten muss. Dann kommt keine Luft ins Auto. Auf den Prüfungen selbst kommt doch ein wenig Fahrtwind ins Cockpit. Außerdem bin ich so aufs Fahren und auf Jarmo's Ansagen (Jarmo Lehtinen, Co-Pilot) konzentriert, dass die Hitze nicht so schlimm ist."

Die Rallye Griechenland fordert die WRC-Piloten aber bereits vor dem Start der ersten Werungsprüfung. Bei der Erstellung der sogenannten Pace Notes müssen die Fahrer und ihre Co-Piloten darauf achten, einer ungewöhnlichen Versuchung nicht zu erliegen. "Griechenland ist, verglichen etwa mit Finnland, keine schnelle Rallye. Es ist aber auf schnellen Strecken einfacher, die Pace Notes zu erstellen als auf langsamen Routen. Denn wenn Du langsamer unterwegs bist, ist die Versuchung größer, viel zu viele Informationen in den Aufschrieb zu packen", erklärt Jari-Matti Latvala.

Loeb will den Sieg bei der Rallye Griechenland

Wie bei Ford zielt man auch im Citroen-Lager auf einen Sieg ab. Sébastien Loeb, der mit einem komfortablen 17-Punkte-Vorsprung in den heißen Süden reist, will den Sieg. "Unsere Führung sollte Anlass für uns sein, unseren Punkte-Vorsprung in der WM sicher zu kontrollieren. Aber ich trete an, um zu gewinnen. Wie wir auf Sardinien gesehen haben, gibt es für nichts eine Garantie und wir können es uns nicht leisten, nachzulassen. Es wird eine schwierige Rallye, vor allem weil unsere Rivalen hier in Griechenland erfahrungsgemäß stark sind."

Stobart, Munchis und Citroen-Juniorteam am Start

Loebs Teamkollege Dani Sordo beendete die letztjährige Griechenland-Rallye als Fünfter, nachdem ihn zahlreiche Reifenschäden zurückgeworfen hatten. Umso optimistischer geht der Spanier am Wochenende an den Start: "Es wird eine interessante Rallye, da es so viele neue Prüfungen gibt. Ich genieße es, bei der Rallye Akropolis anzutreten und denke, dass ich vorne mitfahren kann." Gleichzeitig erweist er sich jedoch als Teamplayer: "Wie bei jeder Rallye will ich vor allem für Citroen so viele Punkte wie möglich für die Konstrukteurs-WM einfahren. Wenn ich dabei Mikko Hirvonen den zweiten Platz in der Fahrer-WM streitig machen kann, umso besser!"

Neben den Werksteams sind in Griechenland auch das Citroen-Juniorteam mit Conrad Rautenbach, Evgeny Novikov und Sébastien Ogier sowie die Stobart-Mannschaft mit Henning Solberg und Matthew Wilson am Start. Darüber hinaus setzt das Munchis-Team einen Ford Focus WRC für Federico Villagra ein.

Petter Solberg mit neuem Sponsor

Privatier Petter Solberg tritt mit einem neuen Sponsor auf seinem Citroen Xsara WRC an. Ein großes Ölunternehmen gab in dieser Woche die Kooperation mit dem Ex-Weltmeister bekannt. Solberg blickt optimistisch auf den siebten Lauf des Jahres: "Ich freue mich wirklich auf Griechenland. Diese Rally liegt mir. Das ganze Team hat hart gearbeitet, um das Auto für die Rallye vorzubereiten und ich hoffe, dass wir am Sonntag wieder auf dem Podium stehen werden." Sein dritter Platz auf Sardinien scheint der Beleg dafür zu sein, dass das Team die Probleme, die der Xsara bei großer Hitze hatte, mittlerweile wohl im Griff zu haben scheint.

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