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Vorschau Rallye Monte Carlo 2015

Die Lichtgestalt und die dunkle Bedrohung

Rallye Monte Carlo 2015 - WRC Foto: Red Bull 31 Bilder

Zum Saisonauftakt greift Superstar Sébastien Loeb seinem Citroën-Team ausnahmsweise unter die Arme, ansonsten müssen sich alle in der Saison 2015 erneut der Übermacht von VW stellen.

21.01.2015 Markus Stier

Der Superheld ist gut gewappnet. Schon im November gewann Sébastien Loeb mit Ehefrau Séverine im Citroën DS3 WRC die Rallye du Var, die auf typischem Monte-Carlo-Territorium gefahren wird. Ganz nebenbei testete der neunmalige Champion auch gleich die aktuellen Reifen für die Monte. Knapp eineinhalb Jahre nach seinem offiziellen Abschied vom Rallyesport kehrt der erfolgreichste Automobilsportler aller Zeiten zurück auf sein angestammtes Territorium.

Loeb hat in den Seealpen fleißig getestet. Chefkonstrukteur Francois Méstelan hat den DS3 mit neuer Hinterachse und neuem Heckflügel überarbeitet. Der neue Motor im DS3 ist für Loeb indes ein alter Bekannter. Citroën hat den 1,6-Liter Turbo aus dem Tourenwagen Élysée nun auch ins Rallyeauto eingebaut und erhofft sich dadurch trotz kleinerem Luftmassenbegrenzer größere Leistung.

Auch VW legt weiter nach

Die ist auch nötig, denn zwölf Siege in 13 Rallyes 2014 untermauern eindrucksvoll die Dominanz des Weltmeisterteams von VW. Angesichts der Überlegenheit des Polo WRC in den Vorjahren konnten sich Technikchef Willy Rampf und Projektleiter Francois Xavier Demaison schon früh auf die Konstruktion eines komplett überarbeiteten Polo konzentrieren. Der trägt einen leichteren Motor, ein verstärktes Fahrwerk und einen neuen Heckflügel mit mehr Abtrieb.

Durch eine neue Anordnung des Tanks können die Reserveräder im Kofferraum tiefer verstaut werden, womit der Schwerpunkt leicht gesunken ist. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Fahrbarkeit haben sich Weltmeister Sébastien Ogier und sein Vize Jari-Matti Latvala bestens auf das neue Arbeitsgerät eingeschossen. Weil Sponsor Red Bull tiefer in die Tasche greift, hat das typische Dunkelblau das letztjährige Weiß weitgehend verdrängt.

Während Latvala und die Monte sich nie besonders mochten, und der Finne schon mit einem Rang in den Top Vier zufrieden wäre, geht Titelverteidiger Ogier selbstredend auf Sieg. Es ist ein Treffen der Giganten, wenn am Donnerstag die beiden Sebs aufeinander treffen. Ogier gewann die Monte 2014, der Startort Gap ist seine Heimatstadt, doch mit sieben Siegen ist Loeb der erfolgreichste Monte-Teilnehmer in der 114-jährigen Geschichte der Königin der Rallyes.

Auf Citroën-Seite schwören alle Parteien, es handle sich um ein einmaliges Gastspiel des Rekord-Weltmeisters, doch wenn dem so ist, sieht es für die anlaufende Saison düster für die frühere Erfolgstruppe aus. Kris Meeke hat sich 2014 sehr gesteigert, konnte aber die VW-Fahrer nicht stoppen. Mads Östberg dagegen stagnierte eher und muss in Südfrankreich für Loeb zur Seite treten und pilotiert nur das dritte Auto. Ob der überarbeitete DS3 ein großer Wurf ist, muss sich erst zeigen. Für alle Fälle hat Xavier Méstelan noch einen zweiten Schuss parat. Eine überarbeitete Vorderachse und ein neues Fahrwerk kommen zur zweiten Saisonhälfte.

Hyundai mit weiterem Lernjahr

Frühestens nach der Sommerpause debütiert auch der neue Hyundai i20. Bis dahin müssen sich Thierry Neuville und Dani Sordo mit dem Vorjahresauto abfinden, dem etwa zwei Zehntelsekunden pro Kilometer auf die Spitze fehlen. Für die Koreaner mit Sitz in Bayern ist 2015 ein weiteres Lernjahr. Neuville hat den Speed, um Ogier und Latvala zu gefährden, aber die Monte mag ihn nicht besonders. Bisher sah er nie das Ziel. Teamkollege Sordo dagegen war bis zum Defekt beim Hyundai-Debüt im Vorjahr auf Podiumskurs und ist allemal wieder für einen Platz auf dem Treppchen gut.

Bleibt das ehemalige Ford-Werksteam M-Sport. Zum zweiten Mal in Folge geht Teamchef Malcolm Wilson auf eigene Kosten an den Start. Der Fiesta WRC ist immer noch ein solides und schnelles Auto, aber das letzte Quäntchen bei Fahrwerk und vor allem Motor fehlt. Erst im Mai in Portugal wird ein modifizierter Fiesta mit einem selbst entwickelten Rennmotor an den Start gehen.

Die Fahrer Elfyn Evans und Ott Tänak haben großes Potenzial, dürften aber aus eigener Kraft kaum siegfähig sein. Von Siegen spricht man in Cockermouth nicht, Wilson wäre im Laufe des Jahres schon mit Podiumsplätzen zufrieden. Aber der Engländer hat zumindest beim Saisonauftakt ein weiteres Ass im Ärmel: Der bei Hyundai mangels Resultaten ausgemusterte Bryan Bouffier geht wie 2014 in Gap mit einem Fiesta an den Start. Damals wurde er Zweiter.

Monte 2015 könnte wieder weiß werden

Anfangs gar in Führung lag zum Beginn der Monte 2014 Ex-Formel-1-Star Robert Kubica. Aber wie auf der zweiten Etappe in Südfrankreich, schoss sich der Pole im Laufe der Saison gleich ein Dutzend Mal ins Aus und auch ins Abseits. Seinem Teamchef Malcolm Wilson traute er schon nach der halben Saison nicht mehr über den Weg, zum Jahresende verpokerte er sich beim Versuch einer Rückkehr zu Citroën. Mit dem italienischen Privatteam A-Style bestreitet der Krakauer mangels Alternativen dank des polnischen Öl-Multi Lotos dennoch erneut eine volle WRC-Saison in einem Ford Fiesta.

Wenn auch kein deutscher Fahrer bei der 83. Rallye Monte Carlo zu den Gesamtsiegskandidaten zählt, hat Schwarz-Rot-Gold dennoch zwei heiße Eisen im Feuer. Der frühere Europameister Armin Kremer will mit Beifahrer Klaus Wicha seine ganze Erfahrung ausspielen und in Monte Carlo mit einem Skoda Fabia S2000 aufs Podium fahren. Der Mecklenburger plant eine Saison in der WRC2-Kategorie und will zur Jahresmitte auf den neuen Fabia R5 umsteigen.

Einen weiteren Anlauf auf den Junioren-Titel unternimmt Christian Riedemann. Auch wenn Citroën Deutschland nun den jüngeren Philipp Knof unterstützt und die finanzielle Förderung durch die Stiftung Sport des ADAC ausgelaufen ist, hat der Sulinger für einen Einsatz mit einem Citroën DS3 R3 ein Budget zusammengekratzt. Wie bei Kremer ist beim sehr speziellen WM-Lauf in Südfrankreich ein dritter Rang das Ziel.

Mit ihren engen Bergstraßen, dem schwer berechenbaren Wetter und der damit kniffligen Reifenwahl ist die Rallye Monte Carlo ein Fall für Spezialisten. Wegen des zugunsten des Fernsehens frühen Finales am Sonntagmittag wird der legendäre Col de Turini bei der 83. Auflage nur einmal überfahren. Insgesamt absolvieren die Teams 15 Prüfungen mit 355 Kilometern. Davon könnten auch einige weiß sein. Der Wetterbericht kündigt für das nördliche Mittelmeer ein Tiefdruckgebiet mit Schnee an.

Das sind schlechte Nachrichten für den von der FIA neu ins Leben gerufene R/GT-Cup, der in Monte Carlo sein Debüt feiert. In der Sportwagen-Kategorie mit Heckantrieb sind zwar nur drei Autos am Start, doch die sind mit dem früheren Monte-Carlo-Sieger Francois Délécour, Sportwagen-Ass Romain Dumas und dem belgischen Routinier Marc Duez mit großen Namen besetzt.

Schon unter optimal trockenen Bedingungen ist ein Porsche 911 GT3 auf Rallyespisten alles andere als leicht beherrschbar, bei Eis und Schnee wird die Fahrt für die Piloten auf 295 Millimeter breiten Hinterreifen zum reinen Kampf ums Überleben. Immerhin gäbe es aber damit schon einen klaren Gewinner: die Zuschauer.

In unserer Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights der Monte-Historie.

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